„Der Kurs ist einfach ein bisschen zu hart für mich“ – Mathieu van der Poel dämpft WM-Hoffnungen trotz siegreichem Comeback in Luxemburg

Radsport
durch Nic Gayer
Donnerstag, 17 September 2026 um 10:30
Mathieu van der Poel
Mathieu van der Poel hätte sich vor der Weltmeisterschaft kaum eindrucksvoller auf der Straße zurückmelden können. Gleich an seinem ersten Renntag nach der Pause attackierte der Niederländer am Schlussanstieg der 1. Etappe der Tour de Luxembourg. Zwar wurde er wieder gestellt, doch selbst danach verfügte Van der Poel noch über genügend Punch, um den ansteigenden Sprint vor Pierre Gautherat und Marijn van den Berg für sich zu entscheiden.
Da Tadej Pogacar in Montreal nicht am Start steht und mehrere der Topfavoriten zuletzt bereits in Kanada ihre starke Form unter Beweis gestellt haben, rückt Van der Poel mit seiner unmittelbaren Rückkehr auf die Siegerstraße zwangsläufig wieder in den Kreis der Fahrer, über die vor der Weltmeisterschaft gesprochen wird.

„Ich denke, der Kurs ist einfach ein bisschen zu schwer für mich“

Van der Poel selbst beurteilt seine Aussichten allerdings deutlich zurückhaltender. „Ich denke, der Kurs ist einfach ein bisschen zu schwer für mich“, sagte der Niederländer nach seinem Sieg in Luxemburg gegenüber NOS. „Das hat man am Sonntag auch an den Fahrertypen gesehen, die vorne waren.“
Mathieu van der Poel im Regenbogentrikot.
Mathieu van der Poel feiert bei der Tour de Luxembourg ein perfektes Straßen-Comeback und rückt damit vor der Weltmeisterschaft in Montreal in den Fokus.
Remco Evenepoel, Paul Seixas und Isaac Del Toro gehörten zuletzt in Kanada zu den auffälligsten Fahrern, während Wout Van Aert nach drei Rennwochen das Ende der Vuelta a Espana erreicht hat. Van der Poel entschied sich auf seinem Weg nach Montreal hingegen für eine völlig andere Vorbereitung.

„Ich war ein bisschen zu enthusiastisch“

Die Tour de Luxembourg ist für Van der Poel das erste Straßenrennen seit der Tour de France. Die Zeit dazwischen verbrachte er überwiegend auf dem Mountainbike, ehe ein weiterer Trainingsblock in Spanien folgte.
Von fehlendem Rennrhythmus war am Mittwoch allerdings kaum etwas zu erkennen. Rund elf Kilometer vor dem Ziel attackierte Van der Poel am letzten klassifizierten Anstieg und riss umgehend eine Lücke. Eike Behrens schaffte schließlich den Anschluss, doch in den Schlusskilometern wurde das Duo wieder vom Feld eingeholt.
„Ich war am letzten Anstieg ein bisschen zu enthusiastisch“, räumte Van der Poel ein. „Ich wollte vor allem verhindern, dass es für die Sprinter zu leicht wird. Plötzlich war ich alleine, auch wenn Eike Behrens rüberkam, und dann ergab es keinen Sinn, das bis ins Ziel durchzuziehen.“
Dass sein Angriff neutralisiert wurde, bedeutete jedoch keineswegs das Ende seiner Siegchancen. Andrea Bagioli setzte innerhalb des letzten Kilometers zur Attacke an, Van der Poel reagierte – und der Kapitän von Alpecin-Premier Tech verfügte noch über genügend Kraft, um den Sieg perfekt zu machen.
„Am Anstieg konnte ich richtig tief gehen“, sagte er. „Und hier im Finale konnte ich noch einmal richtig tief gehen, daher bin ich ziemlich zufrieden.“
Genau diese intensive Rennbelastung hatte Van der Poel nach seinem Trainingsblock gesucht. „Ich merke, dass ich in den vergangenen Tagen hart trainiert habe. Aber genau diese Belastungen brauche ich noch.“

Van der Poel hält sich für Montreal eine Chance offen

Die Zurückhaltung des Niederländers mit Blick auf die Weltmeisterschaft hängt somit weniger mit seiner aktuellen Verfassung als vielmehr mit der Schwierigkeit des Kurses in Montreal zusammen.
Der jüngste GP de Montreal lieferte bereits einen deutlichen Vorgeschmack darauf, welche Renncharakteristik auf dem Rundkurs zu erwarten ist: An der Spitze waren vor allem Fahrer mit ausgeprägten Kletterqualitäten zu finden. „Es wird definitiv auf der harten Seite sein, aber bei einer Meisterschaft weiß man nie“, sagte Van der Poel. „Es muss auch nicht zwingend an diesem langen Anstieg passieren.“
Zudem sieht der Niederländer in den besonderen Dynamiken einer Weltmeisterschaft eine mögliche Chance. „Eine Weltmeisterschaft kann manchmal ein atypisches Rennen werden. Man fährt in Nationalteams, es gibt keine Funkverbindung... Es ist also nicht wie andere Rennen, die leichter vorherzusagen sind.“
Den Sieg vom Mittwoch wollte Van der Poel dennoch keinesfalls als Kampfansage für Montreal verstanden wissen. „Aber trotzdem glaube ich, dass die Chancen klein sind.“
Zunächst bleiben ihm in Luxemburg noch vier Etappen, um sich jene Rennhärte zu holen, die ihm nach eigener Aussage bislang noch fehlt. Zehn Tage vor der Weltmeisterschaft endete sein erster Formtest allerdings bereits mit dem bestmöglichen Ergebnis: einem Sieg und dem Leadertrikot.
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