„Ich war bewusstlos und habe mir die Nase gebrochen“ – Trauernder Arvid De Kleijn schildert brutalen Angriff als Teenager, erklärt sein Fehlen 2026

Radsport
Mittwoch, 13 Mai 2026 um 13:30
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Arvid De Kleijn hätte zu diesem Zeitpunkt der Saison schon längst im Rennrhythmus sein sollen. Stattdessen wartet der Sprinter des Tudor Pro Cycling Team Mitte Mai noch immer auf seinen ersten Renntag 2026 – nach einem Jahresauftakt, geprägt von familiären Umbrüchen, Trauer und einem schockierenden Angriff im Training.
Der 32-jährige Niederländer hat seit der Tour de Langkawi 2025, bei der er die vergangene Saison mit zwei Etappensiegen beendete, keine Startnummer mehr angesteckt. Eine Rückkehr beim Giro d’Italia stand kurz im Raum, doch De Kleijns Auszeit hat inzwischen eine deutlich persönlichere Ursache als Form, Auswahl oder Fitness allein.
Im Gespräch mit De Telegraaf schilderte De Kleijn eine brutale Ereigniskette abseits des Pelotons. Seine Tochter Fye wurde am 06.01. geboren, sein Vater verstarb im folgenden Monat an einer unheilbaren Krankheit, und später wurden seine Vorbereitungen zusätzlich gestört, als er nahe Paaspop in Schijndel von einer Gruppe Jugendlicher angegriffen wurde.
Für einen Fahrer, dessen Rolle von Timing, Rhythmus und Hochgeschwindigkeits-Präzision lebt, begann 2026 mit allem – nur nicht mit Kontrolle.

Vaterschaft, Trauer und eine Saison auf Eis

De Kleijn sollte Anfang des Jahres an einem Tudor-Trainingslager teilnehmen, doch dieser Plan änderte sich unmittelbar nach der Geburt seiner Tochter. Seine Frau Celine war in den Tagen danach körperlich stark angeschlagen, sodass De Kleijn die Pflege zu Hause übernahm.
„Celine konnte lange nicht aus dem Bett aufstehen, also blieb das meiste an mir hängen“, sagte er. Tudor zeigte Verständnis, und De Kleijn blieb statt zu reisen zu Hause. „Am Ende bin ich nicht gefahren, weil ich zehn Tage lang auf beide Mädels aufpassen musste.“
Gleichzeitig verschlechterte sich der Gesundheitszustand seines Vaters. De Kleijn sagte, sein Vater habe Weihnachten 2025 eigentlich nicht mehr erleben sollen, hielt aber lange genug durch, um die Geburt seiner Enkelin mitzuerleben. „Er hätte Weihnachten 2025 eigentlich nicht mehr erleben sollen, aber er hat weitergemacht“, sagte De Kleijn. „Das ist schön. Mein Vater war immer ein großer, starker Mann.“
Der Abbau kam im Februar rasch. De Kleijn beschönigte den Schmerz dieser letzten Phase nicht, beschrieb aber auch einen Abschied, der der Familie Frieden gab. „In dieser Endphase willst du nicht, dass sich alles ewig hinzieht, denn dann ist der Leidensweg lang und intensiv“, sagte er. „So, wie es passiert ist, hat es allen in der Familie Frieden gegeben, und gemeinsam blicken wir auf einen schönen Abschied zurück.“
Das allein hätte bereits einen verspäteten Saisonstart erklärt. Doch De Kleijns schwierige Aufbauphase endete damit nicht.
Arvid De Kleijn bei der UAE Tour
Arvid De Kleijn bei der UAE Tour

„Ich wurde K. o. geschlagen und habe mir die Nase gebrochen“

Beim Training nahe Paaspop in Brabant passierte De Kleijn eine Gruppe von rund zehn Jugendlichen. Er sagte, die Gruppe habe die Krankheit, an der sein Vater gestorben war, als Beleidigung benutzt. „Ich war im Training und hatte gar nicht groß daran gedacht, dass Paaspop war“, sagte er. „Ich fuhr an einer Gruppe von zehn Jungs im Alter von etwa 15, 16, 17 vorbei. Sie beleidigten mich mit der Krankheit, an der mein Vater gestorben ist.“
De Kleijn drehte um, um sie mit der Äußerung zu konfrontieren. Seinen Schilderungen nach eskalierte die Situation schnell. „Sie hatten getrunken und vielleicht noch mehr genommen, also war mit ihnen wirklich kein Gespräch zu führen“, sagte er. „Als ich entschied, wegzufahren, fingen sie an, mich anzufassen. Einer stand rechts hinter mir auf einem Fatbike und holte plötzlich aus.“
Der Schlag setzte ihn außer Gefecht. „Ich wurde K. o. geschlagen und habe mir die Nase gebrochen“, sagte De Kleijn.
Neun der zehn Jungs wurden später angehalten, so De Kleijn, allerdings war der Schläger nicht darunter. Das Verfahren läuft noch. „Leider wird sich der Prozess noch etwas hinziehen, aber ich bin froh, dass sie nicht einfach so davonkommen“, sagte er.
De Kleijns Frust beschränkte sich nicht auf die körperliche Verletzung. Nach allem, was seine Familie durchgemacht hatte, traf ihn die Art der Beschimpfung besonders. „Es ist vor allem traurig, dass man immer häufiger sieht, dass diese Generation keinen Respekt mehr vor Mitmenschen hat“, sagte er.

De Kleijn endlich wieder rennbereit

Das Ergebnis ist eine der ungewöhnlicheren Abwesenheiten im frühen Peloton 2026. De Kleijn hat nicht einfach darauf gewartet, dass die Form zurückkehrt. Er hat sich um ein Neugeborenes gekümmert, den Tod seines Vaters verarbeitet und die Folgen eines Gewaltereignisses mit gebrochener Nase bewältigt.
Nun ist der Tudor-Sprinter endlich bereit für den Neustart. Seine Saison soll am Sonntag bei Rund um Köln beginnen – die erste Chance, von Erklärungen zurück in den Wettbewerb zu wechseln. „Ich freue mich wirklich sehr darauf, wieder Rennen zu fahren“, sagte er.
Für De Kleijn bedeutet Rund um Köln mehr als nur ein Saisondebüt. Nach Monaten, die von Ereignissen weit außerhalb seiner Kontrolle geprägt waren, winkt die Rückkehr zu dem Teil des Lebens, der endlich wieder vertraut wirkt: dem Rennsport.
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