Antonio Tiberi verließ den Zielbereich der 4. Etappe der Volta a Comunitat Valenciana mit einem Ergebnis, das Ambition und Grenzen gleichermaßen spiegelte. Platz vier nach einem offensiven Finale: Der Italiener wirkte kurz als letzter Fahrer, der
Remco Evenepoel auf der Cumbre del Sol folgen konnte, musste jedoch abreißen lassen, als das Tempo weiter anzog.
„Ich war an Remcos Hinterrad, und als er ging, habe ich versucht mitzugehen“,
berichtete Tiberi nach dem Ziel bei Cycling Pro Net. „Die ersten zweihundert, dreihundert Meter war ich da, aber er hat einfach extrem hart weitergedrückt.“
Die Red Bull-Beschleunigung kam abrupt und blieb hoch. Tiberi hielt zunächst den Kontakt, doch der erforderliche Aufwand forderte rasch seinen Tribut.
„Er drückte weiter, und ich fiel ein wenig zurück“, erklärte er. „Ich sah Lücken hinter mir, also bin ich weitergefahren, aber dann kam die kleine Gruppe von hinten zurück, und am Ende waren wir wieder zusammen.“
Erst folgen, dann formieren
Tiberis Schilderung verortet seinen entscheidenden Einsatz früher als den Moment, in dem die Verfolgergruppe endgültig entstand. Statt sich sofort einzunisten, ging der
Bahrain - Victorious-Profi die Beschleunigung aktiv mit und regruppierte erst, als der Gummi endgültig riss.
„Als wir in den letzten Anstieg gingen, sah ich, dass Red Bull ein sehr hohes Tempo fuhr“, sagte er. „Es war klar, dass es für einen Angriff war. Ich war in Position, ich habe es versucht, und dann musste ich anpassen.“
Diese Abfolge prägte später auch die Diskussion nach der Etappe, nachdem
Joao Almeida angedeutet hatte, mit mehr Zusammenarbeit dahinter hätte man Evenepoel vielleicht noch gestellt, und dabei anmerkte, Tiberi habe scheinbar Körner gespart.
Tiberi ging auf diese Bemerkung nicht direkt ein, doch seine Schilderung zeichnet das Bild eines Fahrers, der bereits am Limit war, als die Verfolgung sich überhaupt formierte.
Hoffnung, dann Realität in der Verfolgung
Trotz der Schwierigkeit des Moves gab es einen kurzen Moment, in dem die Verfolgergruppe den Abstand noch für machbar hielt. „In einem Moment war er vielleicht zehn Sekunden vorne, auf dreihundert Metern oder so“, sagte Tiberi. „Wir haben miteinander gesprochen und gesagt: Komm, lass es uns versuchen.“
Der Optimismus hielt nicht lange. „Er ist dann wieder richtig schnell gegangen, und plötzlich waren es zwanzig oder dreißig Sekunden“, fügte er hinzu. „Es war einfach sehr, sehr schnell.“
Als Evenepoel enteilt war und der Abstand sich stabilisierte, verlagerte sich der Fokus darauf, aus der Situation das bestmögliche Ergebnis herauszuholen.
In einem Finale mit explosiven Rampen und unerbittlichem Rhythmus wurde Tiberis Tag letztlich durch die anfängliche Entscheidung geprägt, mitzugehen. Im Kontext der anschließenden Debatte fügt seine Darstellung eine wichtige Nuance hinzu: kein Abwarten, sondern ein früher Gang ans Limit – mit späterem Preis.