Vor gerade einmal sechs Wochen schien ihre Teilnahme an der
Tour de France Femmes 2026 noch kaum vorstellbar. Nach einem schweren Sturz bei der Tour de Suisse Women erlitt
Urska Zigart einen Kieferbruch, eine Operation stand zeitweise im Raum. Nun kehrt die Slowenin überraschend schnell ins Renngeschehen zurück.
Die Fahrerin von AG Insurance – Soudal war auf der zweiten Etappe der Tour de Suisse Women im Schlusskilometer in Locarno schwer gestürzt. Nachdem sie mit hoher Geschwindigkeit über eine Verkehrsberuhigung gefahren war, verlor sie die Kontrolle über ihr Rad und rutschte über den Asphalt. Im Krankenhaus diagnostizierten die Ärzte einen Kieferbruch, weitere Verletzungen wurden nicht festgestellt.
Überraschend schnelle Rückkehr nach schwerer Verletzung
Zunächst war völlig offen, wie lange Zigart ausfallen würde. Selbst sie wusste nicht, ob eine Operation notwendig sein würde. Entsprechend groß waren die Zweifel, ob sie rechtzeitig für die Tour de France Femmes fit werden könnte.
Tadej Pogacar bangte nach dem schweren Sturz seiner Lebensgefährtin Urska Zigart um deren Gesundheit – nun feiert die Slowenin ihr Comeback bei der Tour de France Femmes 2026.
Doch die 29-Jährige erholte sich schneller als erwartet und gehört nun zum siebenköpfigen Aufgebot von AG Insurance – Soudal für den Grand Départ in Lausanne.
„Vom Sturz zur Tour de France!“, schrieb Zigart auf
Instagram. „Ich bin einfach dankbar, überhaupt hier zu sein und dieses Radrennen-Ding wieder machen zu dürfen, und ich werde versuchen, dieses verrückte Rennen zu genießen.“
Besonders dankbar zeigte sich die Slowenin gegenüber ihrem Team und dem medizinischen Personal des Ospedale La Carità in Locarno, wo sie nach dem Unfall behandelt worden war. Gleichzeitig räumte sie ein, dass die ersten Tage nach dem Sturz von großer Unsicherheit geprägt gewesen seien.
„Die ersten Tage waren etwas wackelig, ohne klare Vorstellung, wie der Weg zurück aussehen würde, aber ein Engel hat von oben auf mich aufgepasst und ich hatte wirklich Glück mit meiner Genesung“, erklärte sie.
Letztlich blieb Zigart eine Operation erspart. Stattdessen musste sie sich während der Heilungsphase mit weicher Nahrung ernähren und den Kiefer konsequent schonen. Dadurch konnte sie früher als erwartet wieder auf das Rad zurückkehren und stieß später im Höhentrainingslager in Tignes wieder zu ihren Teamkolleginnen.
Auch dort war die Verletzung noch spürbar. Die Teamköche bereiteten ihre Mahlzeiten in kleinen Stücken zu, zudem setzte Zigart im Rahmen ihrer Rehabilitation auf LIMFA-Therapie.
„Ich habe das Team im Trainingslager in Tignes wieder getroffen und von da an ging es nur noch bergauf“, sagte sie. „Von den Köchen, die mein Essen klein schnitten, über LIMFA-Therapie-‚Telefonate‘ zur schnelleren Knochenheilung bis zu vielen guten Vibes in den Bergen.“
Auch Pogacar litt mit – Sturz löste Sicherheitsdebatte aus
Mit ihrer Rückkehr knüpft Zigart an eine bis dahin starke Saison an. Vor ihrem Sturz war sie Gesamtsechste der La Vuelta Femenina sowie Achte beim Giro d'Italia Women geworden, ehe der Unfall ihre Vorbereitung auf die Tour de France Femmes abrupt unterbrach.
Der Sturz beschäftigte auch ihren Lebensgefährten
Tadej Pogacar. Der Slowene bestritt zeitgleich die Tour de Suisse der Männer und wurde unmittelbar vor dem Start seiner Etappe in Locarno über den Unfall informiert.
UAE Team Emirates - XRG-Teammanager Mauro Gianetti erklärte später, Pogacar sei von den Nachrichten „mitgenommen“ gewesen. Gianetti besuchte Zigart im Krankenhaus, während Pogacar während seiner Etappe über den Teamfunk regelmäßig über ihren Zustand informiert wurde.
Darüber hinaus entfachte der Unfall erneut die Diskussion um die Sicherheit im Profiradsport. Die Fahrerinnenvereinigung CPA Women forderte nach dem Sturz eine umfassende Überprüfung des SafeR-Systems. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob die Organisation derzeit über ausreichende Kompetenzen und Ressourcen verfügt, um gefährliche Streckenabschnitte bereits im Vorfeld zuverlässig zu identifizieren.
Sechs Wochen später ist Zigart nun fit genug, um ihr drittes großes Etappenrennen der Saison in Angriff zu nehmen. Bei AG Insurance – Soudal wird sie Kapitänin Kim Le Court-Pienaar unterstützen, während Justine Ghekiere vor allem im Hochgebirge eine weitere wichtige Option darstellt.
Ihre Rückkehr nach Lausanne nimmt den Folgen des schweren Sturzes nicht ihre Bedeutung und beendet auch die Sicherheitsdebatte nicht. Sie markiert jedoch den erfolgreichen Abschluss einer Genesung, die in den ersten Tagen nach dem Unfall alles andere als selbstverständlich erschien.