Ermittlungen gegen Ex-Radprofi Erwann Mentheour wegen schweren Missbrauchsvorwürfen

Radsport
durch Nic Gayer
Freitag, 31 Juli 2026 um 11:46
Erwann Mentheour in action at La Fleche Wallonne 1997
Der ehemalige französische Radprofi und geständige Dopingsünder Erwann Mentheour ist Medienberichten zufolge festgenommen worden. Die französische Justiz ermittelt gegen den 53-Jährigen wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs seiner Tochter. Die mutmaßlichen Taten sollen sich ereignet haben, als das Mädchen zwischen neun und 13 Jahre alt gewesen sein soll.
Wie die französische Zeitung Le Parisien berichtet, wurde Mentheour am Dienstagmorgen in seiner Wohnung im 17. Arrondissement von Paris festgenommen. Anschließend wurde er von der Brigade de Protection des Mineurs in Polizeigewahrsam genommen.

Ermittlungen wegen mutmaßlicher Straftaten gegen Minderjährige

Nach Angaben der Zeitung wird gegen Mentheour im Rahmen eines Vorermittlungsverfahrens wegen des Verdachts sexueller Übergriffe auf ein Kind unter 15 Jahren ermittelt. Darüber hinaus sollen die Ermittlungen den Verdacht der Anstiftung eines Kindes unter 15 Jahren zum Konsum illegaler Drogen sowie von Alkohol umfassen.
Bislang gibt es weder eine Anklage noch eine Verurteilung. Die gegen Mentheour erhobenen Vorwürfe wurden bislang nicht gerichtlich festgestellt. Bis zum Abschluss des Verfahrens gilt die Unschuldsvermutung.
Den Berichten zufolge handelt es sich bei der mutmaßlich Geschädigten um Mentheours heute 19-jährige Tochter. Sie soll angegeben haben, die mutmaßlichen Übergriffe hätten sich zwischen 2017 und 2022 im Familienhaus ereignet, als sie zwischen neun und 13 Jahre alt gewesen sei.
Nach Informationen von Le Parisien erklärte die junge Frau, die Erinnerungen an die mutmaßlichen Vorfälle seien erst später in Form von Flashbacks zurückgekehrt. Zudem wirft sie ihrem Vater vor, sie ab ihrem 13. Lebensjahr zum Konsum von Cannabis und Alkohol gebracht zu haben. Deshalb beziehen sich die Ermittlungen nicht nur auf die mutmaßlichen sexuellen Übergriffe, sondern auch auf den Verdacht der Anstiftung eines Minderjährigen zum Drogen- und Alkoholkonsum.
Weiter berichtet Le Parisien, Mentheour habe im Beisein seiner Tochter über sexuelle Kontakte mit Prostituierten gesprochen, die das Familienhaus besucht hätten.
Auch diese Vorwürfe sind Bestandteil des laufenden Vorermittlungsverfahrens. Nach derzeitigem Stand wurde Mentheour weder verurteilt noch gerichtlich für die ihm vorgeworfenen Taten verantwortlich gemacht.

Mentheour machte Doping später öffentlich

Erwann Mentheour gehörte in den 1990er-Jahren zu den französischen Profis und galt als vielversprechender Zeitfahrer. Seine Karriere endete jedoch bereits nach wenigen Jahren.
Bei Paris-Nizza 1997 wurde er aufgrund eines Hämatokritwertes oberhalb der damals neu eingeführten 50-Prozent-Grenze der UCI aus dem Rennen genommen. Gemeinsam mit zwei italienischen Fahrern durfte er die zweite Etappe nicht starten und wurde aus gesundheitlichen Gründen für 15 Tage gesperrt.
Auch wenn die damalige Hämatokrit-Grenze keinen direkten Nachweis von EPO darstellte, räumte Mentheour später öffentlich ein, während seiner Karriere leistungssteigernde Substanzen verwendet zu haben.
Seine Profilaufbahn endete bereits mit 24 Jahren nach einem Sturz als Gesamtführender der Tour de l'Avenir 1997, bei dem er sich das Handgelenk brach. Wenige Tage zuvor hatte er mit dem Sieg im Einzelzeitfahren derselben Rundfahrt seinen einzigen Erfolg als Profi gefeiert.
Seine Dopingvergangenheit machte Mentheour 1999 im Buch Secret défonce, ma vérité sur le dopage öffentlich. Darin schilderte er sowohl seinen eigenen Substanzkonsum als auch die aus seiner Sicht weit verbreiteten Dopingstrukturen im Profiradsport der EPO-Ära.
Nach dem Ende seiner Karriere arbeitete Mentheour als Autor, Fitness-Experte und Sportcoach und betreute mehrere bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Frankreich.
Die nun bekannt gewordenen Ermittlungen beziehen sich auf mutmaßliche Ereignisse, die viele Jahre nach dem Ende seiner aktiven Radsportkarriere stattgefunden haben sollen.
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