Paul Seixas hat beim
GP de Montréal mit Platz zwei ein eindrucksvolles Ausrufezeichen gesetzt – und dabei womöglich noch nicht einmal alles gezeigt. Der 19-jährige Franzose präsentierte sich im Finale in herausragender Verfassung, kämpfte realistisch um den Sieg und darf sich damit berechtigte Hoffnungen machen, in zwei Wochen auf denselben Straßen um den Weltmeistertitel zu fahren.
„Genau das habe ich erwartet und worauf ich in den zwei Wochen seit der Tour de France hingearbeitet habe. Das ist eine sehr gute Nachricht für mich. Jetzt habe ich noch einmal zwei Wochen, um zu arbeiten und weitere Fortschritte zu machen“, erklärte Seixas gegenüber Wielerflits.
Seixas nutzt Montreal als wichtigen WM-Test
Wie Remco Evenepoel und die meisten anderen Topfavoriten betrachtete auch Seixas das Rennen am Sonntag als wichtigen Test für die Weltmeisterschaft. Das Straßenrennen um das Regenbogentrikot wird in derselben Stadt und auf demselben Kurs ausgetragen. Entsprechend wertvoll war die Gelegenheit, Form, Strecke und Konkurrenz unter Rennbedingungen zu testen.
Paul Seixas fährt beim GP de Montréal auf Rang zwei und beweist auf dem WM-Kurs, dass mit ihm in zwei Wochen im Kampf um das Regenbogentrikot zu rechnen ist.
Während der mehr als fünf Stunden Renndauer fühlte sich Seixas allerdings keineswegs durchgehend so stark, wie es sein zweiter Platz vermuten lässt. Erst im Finale fand der Franzose die Beine, mit denen er schließlich zu einem der entscheidenden Protagonisten des Rennens wurde.
„Ehrlich gesagt fühlte ich mich den ganzen Tag nicht besonders gut. Ich glaube, ich war ein bisschen zu frisch. Vielleicht habe ich in den letzten Tagen nicht genug gemacht. Ich dachte, es wäre nicht der Tag, um den Unterschied zu machen. Am Ende war ich aber ziemlich stark. Das freut mich.“
Seixas setzt UAE Team Emirates - XRG unter Druck
Als UAE Team Emirates - XRG auf der vorletzten Runde die Offensive eröffnete, war Seixas sofort zur Stelle. Mehr noch: Der Franzose war der einzige Fahrer, der zunächst folgen konnte. Bereits das war ein deutliches Signal an die Konkurrenz.
Am letzten Anstieg zum Mount Royal übernahm Seixas schließlich selbst die Initiative. Er attackierte die drei Fahrer von UAE Team Emirates - XRG und konnte zunächst alle distanzieren. Erst kurz vor der Kuppe gelang es Isaac del Toro, die Lücke zum Franzosen wieder zu schließen.
Seixas erkannte anschließend selbst, dass er seine Kräfte bei diesem Angriff nicht optimal eingesetzt hatte. „Das ist nicht unbedingt meine größte Stärke. Meine Power liegt eher darin, über einen längeren Einsatz den Unterschied zu machen und oben noch einmal zu beschleunigen. Ich habe zu viel Energie ins Wegfahren gesteckt und konnte an der Kuppe nicht noch einmal anziehen.“
Gerade deshalb sieht der 19-Jährige vor der Weltmeisterschaft noch weiteres Potenzial. „Ich denke, da ist noch Luft nach oben. Zumindest hoffe ich das. Vielleicht liege ich falsch. Aber ich bin am Sonntag ein starkes Rennen gefahren und hoffe, bis zur Weltmeisterschaft noch einen Schritt zu machen. Auf jeden Fall ist meine Form derzeit sehr gut.“
Del Toro und Evenepoel als große WM-Gegner
Spätestens nach dem GP de Montréal weiß Seixas, dass Del Toro in zwei Wochen zu den gefährlichsten Konkurrenten zählen wird. Den Mexikaner kennt er bereits aus der Tour de France, nun demonstrierte dieser auch auf dem WM-Kurs seine hervorragende Form.
Doch Seixas richtet seinen Blick nicht nur auf Del Toro. Auch Evenepoel bleibt für ihn einer der Fahrer, die jederzeit ein Rennen entscheiden können.
„Wir wissen, dass Remco seine Kräfte perfekt einteilen und am Ende alle überraschen kann. Er ist ein ganz großer Fahrer, ein großer Champion. Deshalb habe ich versucht, alle im Blick zu behalten.“
Will Seixas bei der Weltmeisterschaft tatsächlich um das Regenbogentrikot kämpfen, dürfte vor allem seine Explosivität eine Schlüsselrolle spielen. Auf den kurzen Anstiegen von Montreal trifft der Franzose auf einige der besten Kletterer der Welt, die sich auf diesem Terrain unter normalen Umständen nur schwer entscheidend distanzieren lassen.
Genau daran will Seixas in den kommenden zwei Wochen arbeiten. „Es ist eine sehr gute Übung für mich, an meinem Punch zu arbeiten. Darauf werde ich bis zur Weltmeisterschaft den Fokus legen. Was ich brauche, ist eine starke Mannschaft. Wir haben ein ambitioniertes Team, das das Rennen erzwingen und zum Schluss härter machen kann. Ich finde, dieser Kurs liegt mir sehr.“
„Ich will nicht alle Karten auf den Tisch legen“
Neben seiner körperlichen Verfassung nimmt Seixas aus Montreal auch taktische Erkenntnisse mit. Der 19-Jährige räumt offen ein, seine Kräfte nicht in jeder Situation optimal eingesetzt zu haben. Genau dafür sei die Generalprobe jedoch gedacht gewesen.
„Ich habe überall investiert, aber taktisch war es nicht immer optimal. Daran muss ich arbeiten. Ich war hier, um Fehler zu machen und zu sehen, wie sich das Rennen entwickelt. Natürlich behalte ich mir vor der Weltmeisterschaft auch noch ein paar Dinge vor.“
Für Seixas war sein erster GP de Montréal damit weit mehr als nur ein Rennen um das Ergebnis. Der Franzose sammelte wichtige Erfahrungen auf dem WM-Kurs und bekam zugleich die Bestätigung, dass er bereits jetzt mit den stärksten Fahrern mithalten und sie sogar unter Druck setzen kann.
Gleichzeitig will er der Konkurrenz zwei Wochen vor dem Kampf um das Regenbogentrikot nicht sämtliche Hinweise darauf liefern, wie er das WM-Rennen angehen könnte.
„Natürlich will ich vor der Weltmeisterschaft nicht alle Karten auf den Tisch legen. Wenn du am Sonntag schon alles ausgespielt hättest, wüsste die Konkurrenz, was du vorhast. Deshalb will ich ein paar Dinge für mich behalten. Ich habe gespürt, dass ich zu mehr fähig bin. Ich denke, wir werden das bei der Weltmeisterschaft sehen“, schloss Seixas.