„Das macht einen Unterschied ...“ – Benoot darüber, warum Wout Van Aert Topfavorit auf den WM-Titel sein könnte

Radsport
durch Nic Gayer
Montag, 14 September 2026 um 12:30
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Tiesj Benoot hat beim GP de Montréal noch einmal aus nächster Nähe erlebt, welche Anforderungen die Straßen rund um den Mount Royal stellen. In zwei Wochen wird auf demselben Terrain das Straßenrennen der Weltmeisterschaft ausgetragen. Der Belgier nutzte die Generalprobe deshalb auch, um sich ein genaueres Bild von den Chancen seiner beiden Kapitäne Remco Evenepoel und Wout Van Aert zu machen.
„Wenn Remco mit Paul bis ins Ziel geht, glaube ich, dass Remco immer schneller ist“, erklärte Benoot nach dem Rennen gegenüber Wielerflits. Am Sonntag kam es allerdings nicht zu diesem Duell: Evenepoel war zuvor distanziert worden, sodass Paul Seixas und Isaac del Toro den Sieg unter sich ausmachten.

Benoot erwartet ein unberechenbares WM-Rennen

Bei den Trade-Teams lassen sich taktische Muster häufig leichter vorhersagen. Bei der Weltmeisterschaft am 27. September gelten jedoch andere Voraussetzungen. Die Fahrer treten ohne Funk an und fahren plötzlich an der Seite von Nationalmannschaftskollegen, die während des restlichen Jahres für andere Teams und teilweise sogar gegeneinander unterwegs sind.
Wout Van Aert überquert die Ziellinie auf der 20. Etappe der Vuelta a Espana 2026.
Wout Van Aert reist nach zwei Etappensiegen und dem Gewinn der Punktewertung bei der Vuelta a Espana mit starker Form zur Weltmeisterschaft nach Montreal.
Belgien reist dabei zwar nicht zwingend als die Mannschaft an, die alle anderen schlagen müssen, dürfte angesichts seiner prominenten Kapitäne aber zu den Nationen mit dem größten Erwartungsdruck zählen. Benoot rechnet damit, dass mehrere Konkurrenten versuchen werden, das Rennen frühzeitig unübersichtlich zu machen. Die Belgier könnten dieses Chaos allerdings auch selbst nutzen oder sogar provozieren.
„Frankreich ist bekannt dafür, etwas Spezielles zu versuchen, und die Italiener ebenso. Ein früher Vorstoß muss für uns kein Nachteil sein. Wir haben genug Fahrer, die mitgehen können, wenn früh eine Gruppe geht. Und wer weiß, vielleicht machen wir es selbst.“
Eine entscheidende Rolle dürfte nach Benoots Einschätzung die Gesamtdistanz spielen. Das WM-Rennen führt über 273 Kilometer und wird damit noch einmal deutlich länger als der GP de Montréal.
„Im Vergleich zu Sonntag kommen noch einmal fünfzig oder sechzig Kilometer dazu. Ich denke, das macht es noch mehr Mann gegen Mann.“

Warum die WM-Strecke Van Aert entgegenkommen könnte

Trotz der Überschneidungen sind der GP de Montréal und das WM-Straßenrennen nicht identisch. Während der kanadische WorldTour-Klassiker vollständig auf dem Stadtkurs ausgetragen wird, beginnt die Weltmeisterschaft mit einem überwiegend flachen ersten Renndrittel. Dadurch müssen die Fahrer auch weniger Runden auf dem anspruchsvollen und ständig auf und ab führenden Rundkurs absolvieren.
„Wir sind hier sechzehn Runden gefahren, bei der WM werden es nur zwölf sein. Das macht schon einen Unterschied“, erklärte Benoot gegenüber Sporza.
Aus seiner Sicht könnte genau das Wout Van Aert entgegenkommen. Der Belgier reist nach einer starken Vuelta a Espana nach Kanada. Dort feierte er zwei Etappensiege, gewann die Punktewertung und überzeugte darüber hinaus mit bemerkenswerten Leistungen in den Bergen.
Benoot erinnert zudem daran, dass Van Aert auf diesem Terrain bereits bewiesen hat, dass er mit den stärksten Fahrern mithalten kann. „Ein richtig starker Wout ist hier schon einmal hinter Pogacar Zweiter geworden. Deshalb glaube ich, dass Wout mit viel Selbstvertrauen anreisen kann. Vor allem nach dem, was er bergauf bei der Vuelta gezeigt hat.“
Grundsätzlich scheint der Kurs aufgrund seiner zahlreichen Höhenmeter vor allem den Kletterern entgegenzukommen. Erreichen Fahrer wie Van Aert oder Mathieu van der Poel jedoch ihre absolute Bestform, traut Benoot auch ihnen zu, bis tief ins Finale um das Regenbogentrikot zu kämpfen. Zumal Titelverteidiger Pogacar in Montreal nicht am Start stehen wird.

Van der Poel bleibt die große Unbekannte

Wie stark Mathieu van der Poel tatsächlich sein wird, lässt sich für Benoot derzeit schwieriger einschätzen. Unterschätzen dürfe man den Niederländer jedoch unter keinen Umständen.
„Bei Mathieu müssen wir ein wenig abwarten. Aber wir wissen, was er kann“, sagte der Belgier.
Eine wesentlich aktuellere Standortbestimmung lieferte dagegen Seixas. Benoots Teamkollege präsentierte sich beim GP de Montréal am entscheidenden Anstieg äußerst stark und musste sich am Ende lediglich Del Toro geschlagen geben. Damit hat sich der Franzose zwei Wochen vor der Weltmeisterschaft endgültig als ernsthafter Anwärter auf das Regenbogentrikot positioniert.
Benoot geht sogar davon aus, dass Seixas bis zum WM-Rennen noch stärker werden könnte. Gleichzeitig erwartet er eine ähnliche Entwicklung bei Evenepoel.
„Paul kommt gerade erst aus der Höhe zurück, also wird er nur noch besser. Aber das gilt auch für Remco“, erklärte Benoot. Hinzu kommt Van Aert, der mit drei harten Rennwochen in den Beinen aus Spanien anreist.
Damit deutet vieles auf ein offenes Rennen hin, in dem Belgien gleich mehrere Optionen besitzt und auch Fahrer wie Seixas oder van der Poel entscheidende Rollen spielen könnten. Benoot bringt die Ausgangslage entsprechend knapp auf den Punkt: „Und dann kommt auch noch Wout aus der Vuelta. Das wird eine interessante Weltmeisterschaft…“
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