Remco Evenepoel hat den
GP de Montréal auf dem fünften Platz beendet – nach einem harten Rennen, das nicht nach seinen Vorstellungen verlief. Der Profi von
Red Bull - BORA - hansgrohe verwies anschließend auf mangelnde Erholung und müde Beine. Damit hinterließ der Belgier zwei Wochen vor dem Straßenrennen der Weltmeisterschaft, das auf demselben Kurs ausgetragen wird, zumindest einige Fragezeichen.
„Ich habe mich im Finale nicht gut gefühlt. Ich glaube, ich war von Quebec und der Reise am Samstag nicht vollständig erholt. Aber ich gebe auch nicht einfach auf. Lieber heute einen schlechten Tag als in zwei Wochen“, erklärte Evenepoel gegenüber
Wielerflits.
Evenepoel fehlen nach Quebec die frischen Beine
Schon früh bekam der Olympiasieger zu spüren, wie schwer das Rennen durch die zahlreichen Attacken wurde – eigentlich genau jene Art von Rennverlauf, die ihm entgegenkommen sollte. Nach seinem Sieg beim GP de Québec schien seine Form auf dem richtigen Niveau zu sein. Doch zwischen den beiden kanadischen Klassikern verlief die Erholung nach Evenepoels Einschätzung nicht optimal. Am Sonntag fehlte ihm deshalb das gewohnte Gefühl in den Beinen.
Remco Evenepoel musste sich beim GP de Montreal mit Rang fünf begnügen. Zwei Wochen vor dem WM-Straßenrennen auf demselben Kurs bleibt der Belgier dennoch gelassen.
„Man sollte das nicht unterschätzen, gerade mit der knappen Zeit und den etwas amateurhaften Reiseplänen zwischen den beiden Rennen. Andererseits gilt das für alle. Ich habe mich einfach nicht großartig gefühlt. Feuchtes Wetter liegt mir zudem selten. Und trotzdem werde ich Fünfter. Wenn das ein schlechter Tag war, war er nicht allzu schlecht.“
Keine voreiligen Schlüsse aus Montreal
Auf der vorletzten Runde konnte Evenepoel den Angriffen von UAE Team Emirates - XRG zunächst nicht folgen. Isaac del Toro und Brandon McNulty schlossen gemeinsam mit einigen weiteren Fahrern zu Adam Yates auf. Trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit arbeitete das Team aus den Emiraten anschließend jedoch nicht konsequent daran, den Olympiasieger auf Distanz zu halten.
Evenepoel gelang dadurch vor dem letzten Anstieg zum Mount Royal die Rückkehr in die Gruppe. Als Paul Seixas und der spätere Sieger Del Toro an der Spitze attackierten, konnte der Belgier deren Tempo allerdings nicht mehr mitgehen.
Für Rückschlüsse auf die Weltmeisterschaft hält Evenepoel das Ergebnis dennoch für ungeeignet. „Ich ziehe daraus keine Schlüsse. In zwei Wochen ist das Rennen, glaube ich, rund sechzig Kilometer länger. Das wird dann ein ganz anderes Rennen, mit deutlich mehr Ermüdung im Feld“, argumentierte er.
Dass seine Beine keineswegs völlig leer waren, zeigte sich auf der Zielgeraden. Im ansteigenden Sprint ließ Evenepoel mit Tom Pidcock und Giulio Ciccone zwei explosive Konkurrenten hinter sich. Das deutete darauf hin, dass seine Probleme an diesem Tag vor allem bei den längeren Belastungen lagen.
„Am Ende konnte ich der Attacke hier nicht sofort folgen, aber ich war der Einzige, der die Lücke wirklich schließen konnte. Danach hatte ich noch zwei gute Antritte und letztlich einen starken Sprint. Platz fünf sah zunächst nicht gut aus, aber ich habe kurz vor der Linie noch ein paar Fahrer eingeholt.“
Volle Konzentration auf die Weltmeisterschaft
Eine Woche vor Beginn der Weltmeisterschaft will Evenepoel den Druck nicht unnötig erhöhen. Stattdessen verbucht er das kanadische Wochenende vor allem als wichtigen Trainingsreiz auf dem Weg zu seinen großen Zielen.
„Ein guter Trainingstag mit solidem Ergebnis. Ich hatte ein gutes Wochenende. Jetzt heißt es arbeiten; ab hier liegt der Fokus auf dem WM-Zeitfahren, das am Sonntag, 20.09., ebenfalls in Montreal stattfindet.“
Dass sein fünfter Platz nach dem überzeugenden Sieg in Quebec für Diskussionen sorgen könnte, nahm Evenepoel mit Humor. „Ihr werdet mich jetzt wahrscheinlich zum schlechtesten Fahrer der Welt erklären“, witzelte er. „Ich hatte einfach keinen guten Tag. Ich habe dem Team gleich gesagt, wir sollten keine aggressiven Moves machen, sondern das Rennen eher kontrollieren. Gegen Ende habe ich die Beine etwas gefunden, aber als das Tempo richtig hochging, hatte ich Mühe.“
Für das Straßenrennen der Weltmeisterschaft zählt Evenepoel weiterhin zu den Topfavoriten. Gleichzeitig hat der GP de Montréal gezeigt, dass ihm die dominante Rolle keineswegs automatisch zufällt, wie es nach seinem Sieg in Quebec noch den Anschein haben konnte.
Beunruhigen lässt sich der Belgier davon nicht. Vor der entscheidenden Phase seiner Saison verweist er auf seine Erfahrungen aus der unmittelbaren Zeit nach einem Höhentrainingslager und darauf, dass ihm bis zum Straßenrennen noch zwei Wochen bleiben.
„Ich habe nicht aufgegeben und bin bis ans Limit gegangen. Nach dem Höhentraining fehlt mir anfangs immer dieser Extra-Punch. Es sind noch zwei Wochen, das wird passen.“