„Ich glaube, das war der härteste Anstieg, den ich je gefahren bin“ – Felix Gall über den Alto de l’Angliru
Radsport
Der Alto de l’Angliru sorgte bei der Vuelta a Espana 2025 erneut für einen Tag der Abrechnung. Der berühmt-berüchtigte Anstieg mit seinen extremen Steigungen brachte die Fahrer an ihre Grenzen. Während Joao Almeida den Etappensieg errang, sorgten mehrere andere Fahrer mit ihren Leistungen und Aussagen für Schlagzeilen. Felix Gall vom Decathlon AG2R La Mondiale Team beendete den Tag als Fünfter der Etappe und Fünfter der Gesamtwertung und beschrieb den Anstieg als eine der härtesten Erfahrungen seiner Karriere.
„Ich glaube, das war der härteste Anstieg, den ich je gefahren bin“, seufzte Gall auf dem Gipfel. „Die Prozentzahlen waren wirklich bizarr; es fühlte sich an, als würde es nie enden. Die letzten fünf Kilometer waren die längsten, was zum Teil an dem hohen Tempo lag, das UAE vor dem Schlussanstieg angeschlagen hat. Alle haben gelitten, und ich habe bis zur Ziellinie alles gegeben.“
Überleben auf dem Angliru
Gall erklärte, wie er die unerbittlichen Steigungen überstand: „Es ist ein so langer Anstieg, also habe ich mich für mein eigenes Tempo entschieden. Eine Art Zeitfahren, bei dem ich nicht auf die anderen geschaut habe. Es war auch nicht möglich, das Rad von Jonas und Joao zu halten.“ Sein Direktor, Julien Jurdie, betonte die Bedeutung des Ergebnisses: „Es ist unglaublich befriedigend, Fünfter an einem so legendären Anstieg zu werden. Der Angliru hat eine mythische Aura, mit brutalen Prozentsätzen. Das Tempo war den ganzen Tag über unglaublich hoch, und das Team hat einen perfekten Job für Felix gemacht, sodass er an einem Anstieg für reine Kletterer sein Bestes geben konnte.“
Für andere war der Angliru eine harte Erinnerung an ihre Kämpfe. Egan Bernal, der immer noch auf der Suche nach der Vuelta ist, um sein Grand-Tour-Set zu vervollständigen, rutschte in der Gesamtwertung ab. Nachdem er bereits zu Beginn der Woche Zeit verloren hatte, steht er nach der 13. Etappe als Zwölfter der Gesamtwertung und acht Minuten hinter Jonas Vingegaard. Damit schwinden Bernals Hoffnungen auf das Podium.
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Sein Teamkollege Bob Jungels war nach einem langen Ausreißversuch zumindest etwas zufrieden: „Wir waren von Anfang an nicht sehr optimistisch, da wir wussten, dass es wahrscheinlich ein GC-Tag werden würde. Aber wenn man es nicht versucht, kann man es nie wissen. Ich hatte sehr gute Beine und wollte in der Ausreißergruppe sein, was ich auch geschafft habe. Im letzten Anstieg konnte ich sogar zwei Kilometer auf Egan aufholen. Das war es wert. Es war ein guter Tag – nur nicht genug, um zu gewinnen.“
Jungels reflektierte auch über die Aura des Berges: „Der Angliru ist einer dieser legendären Anstiege im Radsport. Jeder hat Angst davor, aber auf der anderen Seite sind wir auch froh, ihn zu fahren. Er ist brutal, aber es ist schön, ihn zu erleben. Es waren viele starke Fahrer in der Gruppe. Ich dachte an eine ähnliche Situation vor ein paar Monaten in Österreich und wusste, dass meine Stärke darin liegt, während des gesamten Rennens einen gleichmäßigen, hohen Rhythmus zu halten und gegen Ende durchzuhalten. Schade nur, dass es nicht gereicht hat.“
Red Bull - BORA - hansgrohe stark am Angliru
Unterdessen erlebte Red Bull - BORA - hansgrohe einen der stärksten Tage des Rennens. Jai Hindley lieferte seine beste Grand-Tour-Leistung seit der Tour de France 2023 ab und wurde Dritter der Etappe, nur 28 Sekunden hinter Almeida und Vingegaard. Der Australier kletterte auf den vierten Platz in der Gesamtwertung, während sein Teamkollege Giulio Pellizzari ebenfalls überzeugte, indem er die Etappe als Sechster beendete und seinen Kampf um das Weiße Trikot fortsetzte.
Sportdirektor Patxi Vila lobte die Leistung: „Das Ziel heute war, in der Gesamtwertung aufzusteigen und näher an das Podium heranzukommen. Jai lieferte eine erstaunliche Leistung ab und wurde mit nur 38 Sekunden Rückstand auf Vingegaard und Almeida Dritter, was ihn in der Gesamtwertung auf Platz vier bringt. Auch Giulio beeindruckte. Er wurde früh abgehängt, fuhr aber ein sehr gutes Tempo und zeigte seine Reife bei einem so anspruchsvollen Anstieg. Im Kampf um das Weiße Trikot konnte er sich behaupten und sogar einige Sekunden gewinnen, obwohl die Angliruprobation eher dem Stil von Riccitello als dem seinen entsprach. Insgesamt war es ein sehr guter Tag. Ich bin zufrieden mit den Leistungen der Jungs, wobei unsere Kletterer vom Team stark unterstützt wurden.“
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Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Für Radsportaktuell.de berichtet er über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf Vorberichten, Rennzusammenfassungen und Analysen, mit denen er Entwicklungen im Peloton klar einordnet.
Bei seiner Arbeit wird Nic von den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattform CyclingUpToDate unterstützt, wodurch er regelmäßig direkten Zugang zu Teams, Fahrern und offiziellen Terminen erhält. Er arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus. In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026








