Der Name Cipollini ist im Radsport vor allem dank des legendären Sprinters
Mario Cipollini ein Begriff. Doch auch sein älterer Bruder Cesare (1958–2023) bestritt eine beachtliche Profikarriere mit mehreren Top-10-Platzierungen beim Giro d’Italia und einem herausragenden Sieg beim Giro dell’Emilia 1983. Während Mario nur Töchter hat, von denen keine Ambitionen im Radsport bekannt sind, steigt Cesares Sohn (Marios Neffe) Edoardo in dieser Saison mit dem neuen ungarisch-italienischen Team MBH Bank CSB Telecom Fort in die Profi-Ränge auf.
Edoardo Cipollini: Marios Neffe startet als Profi durch
Der 20-jährige Italiener gehört zu einer Gruppe überwiegend neuer Gesichter auf höchstem Niveau (nur 8 von 21 Fahrern haben bereits Profi-Erfahrung), da das bislang als Colpack firmierende Team eine Klasse höher startet. Edoardo Cipollini gilt vielleicht nicht als größtes Talent der Gruppe, unterschätzt werden sollte er dennoch nicht.
In seinen zwei U23-Jahren stand Edoardo sechs Mal auf dem Podium nationaler Rennen (5x in 2025) und wurde zudem Vierter beim U23-Gran Premio Industrie del Marmo. Gegen Saisonende war Edoardo auch bei der Coppa Sabatini, wo er Teil einer Tagesflucht war, die das Finale prägte, während Ben Granger Dritter wurde. Edoardo belegte Rang 53 – seine mit Abstand beste Leistung auf diesem Level bislang.
„Ich bin ein schneller Fahrer, kann aber auch moderate Anstiege bewältigen. Am liebsten fahre ich steile Rampen im zweistelligen Prozentbereich, idealerweise nicht zu lang“, stellt sich der Youngster den Radsportfans im Interview mit
SpazioCiclismo vor. Zeigt er eines Tages einen Topspeed auf dem Niveau seines Onkels? Das wird sich erst mit der Zeit zeigen.
Sicher ist: Sein starkes Radsport-Umfeld hat ihn geprägt. Wie sehr lastet der Familienname eines der besten Sprinter der Geschichte auf Edoardos Schultern? „Am Anfang spürt man die Bürde, vielleicht wenn man klein ist und viele mit einem reden und ständig vergleichen. Aber mit der Zeit merkt man, dass es ein Vorteil ist“, betont er.
Die Epochen sind verschieden, daher war der Wissenstransfer von Cesare und Mario naturgemäß begrenzt. Ein Rat begleitet Edoardo jedoch besonders: „Der Rat war, sich auf harte Arbeit und viele Niederlagen einzustellen, wie man im Gewerbe sagt. Und beides ist schon eingetroffen…“
Ein (gar nicht so) großer Sprung
Edoardo fuhr bereits die vergangenen zwei Saisons für MBH Bank Ballan CSB (so hieß das Team 2025), was den Wechsel ins Profigeschäft deutlich abfedert. Der junge Fahrer wird nicht ins kalte Wasser geworfen.
„Ich bin in einem vertrauten Umfeld“, bestätigt er. „Das hat den Übergang zu den Profis etwas abgefedert. Ich erwarte, stark zu wachsen, aber auch, dass es ein Jahr wird, in dem ich meine Ansprüche nicht zu hoch ansetzen sollte.“
Zwar ist das Team noch nicht für WorldTour-Rennen qualifiziert, doch der Rennkalender wird weitgehend den vergangenen Saisons ähneln. Allerdings startet die Mannschaft nicht mehr im italienischen Nationalkalender und auch nicht in U23-Rennen – es sei denn, die UCI revidiert ihre Linie.
„Als Amateur zu fahren ist das eine, die gleiche Leistung als Profi zu bringen deutlich schwieriger. Wenn ich in einigen Rennen in die Top 10 fahren könnte, wäre das schon ein gutes Ergebnis“, steckt Edoardo seine Ziele für 2026 ab.