„Hätte noch schlimmere Folgen haben können“ – Nach schwerem Pogacar-Sturz: UAE-Boss spricht über komplizierte Operation

Radsport
durch Nic Gayer
Sonntag, 13 September 2026 um 13:45
Tadej Pogacar Vuelta a Espana 2026
Der schwere Sturz von Tadej Pogacar bei der Vuelta a Espana hatte deutlich gravierendere Folgen als zunächst angenommen. Der slowenische Superstar zog sich eine verschobene Schlüsselbeinfraktur sowie eine Gehirnerschütterung zu. Die Verletzungen waren so schwerwiegend, dass Pogacar seine Saison 2026 vorzeitig beenden musste.
Nun hat Mauro Gianetti, Teamchef von UAE Team Emirates - XRG, gegenüber RAI ausführlich geschildert, wie die Mannschaft die schwierigen Tage nach dem Unfall erlebt hat, wie es Pogacar inzwischen geht und welche Pläne der Slowene für seine Zukunft verfolgt.

Pogacars Schlüsselbein erforderte „sehr komplexe Operation“

Gianetti bestätigte, dass es sich um einen schweren Sturz handelte und insbesondere die Verletzung am Schlüsselbein eine aufwendige medizinische Behandlung notwendig machte. „Der Sturz war ernst: Die verschobene Schlüsselbeinfraktur erforderte eine sehr komplexe Operation, hinzu kam die Gehirnerschütterung“, erklärt der Teamchef.
Tadej Pogačar überquert die Linie nach seinem Sieg auf Etappe 4 der Vuelta a España 2026
Pogačar führte die Gesamtwertung der Vuelta souverän an, bevor er ausstieg
Dass Pogacar in dieser Saison nicht mehr ins Renngeschehen zurückkehren würde, war angesichts der Verletzungen praktisch unausweichlich. Dennoch benötigte auch der Slowene einige Tage, um das Ende seiner ambitionierten Saisonziele zu verarbeiten. Pogacar hatte zum Zeitpunkt seines Sturzes die Vuelta angeführt und für den Herbst noch mehrere große Ziele fest eingeplant: die Weltmeisterschaft, die Europameisterschaft und anschließend Il Lombardia.
„Es war klar, dass er in diesem Jahr keine Rennen mehr bestreiten konnte. Aber es war auch richtig, ihm ein paar Tage Zeit zu geben, um diese erzwungene Entscheidung zu verdauen“, sagt Gianetti. Die Enttäuschung wiegt auch deshalb schwer, weil Pogacar bei der WM und der EM antreten und anschließend bei Il Lombardia erneut um den Sieg kämpfen wollte.
Mittlerweile habe sich der Slowene jedoch mit der Situation arrangiert. „So ist der Radsport. Er ist jetzt ruhig. Natürlich ist die Enttäuschung darüber, nicht starten zu können, groß. Aber das gehört zum Sport, und er weiß, dass der Sturz noch schlimmere Folgen hätte haben können“, erklärt Gianetti.
Der Blick richtet sich deshalb bereits auf das kommende Jahr. An Pogacars sportlichem Ehrgeiz habe der schwere Unfall nichts geändert. „Er wird die nächste Saison mit großem Engagement angehen“, kündigt Gianetti an.

Pogacar bindet sich bis 2032 an UAE

Inmitten dieser schwierigen Phase gab es zugleich eine bedeutende Nachricht für Pogacars langfristige Zukunft. Der Slowene hat seinen Vertrag bei UAE Team Emirates - XRG bis 2032 verlängert und sich damit für viele weitere Jahre an die Mannschaft gebunden.
Nach Angaben Gianettis liefen die Gespräche über eine Verlängerung bereits seit mehreren Monaten. Die langfristige Vereinbarung spiegele vor allem Pogacars Wunsch wider, dem Projekt und seinem bisherigen Umfeld treu zu bleiben.
„Wir sprechen seit einigen Monaten über eine Verlängerung, vor allem, weil er Rennen fahren, sich einbringen und Spaß daran haben will. Außerdem wollte er ein starkes Zeichen seines Vertrauens in das Team setzen“, erklärt Gianetti.
Für den Teamchef dokumentiert der neue Vertrag das gegenseitige Vertrauen zwischen Pogacar, der Mannschaft und seinem persönlichen Umfeld. „Wir vertrauen ihm und seinem Umfeld“, betont Gianetti. Gleichzeitig sieht er die langfristige Zukunft eines der prägendsten Fahrer des modernen Radsports als positives Signal für die gesamte Sportart.
„Es ist eine gute Nachricht für die Radsportwelt zu wissen, dass Pogacar mindestens bis 2032 Profi sein wird“, fasst Gianetti zusammen.

Gianetti fordert Konsequenzen für die Fahrersicherheit

Pogacars schwerer Unfall hat gleichzeitig die Diskussion über die Sicherheit im Profiradsport erneut angefacht. Gianetti verweist darauf, dass Rennen wie Paris-Roubaix zwar häufig als besonders gefährlich wahrgenommen werden, schwere Stürze jedoch keineswegs ausschließlich auf den berüchtigten Kopfsteinpflaster-Passagen vorkommen.
„Es mag so aussehen, als sei Roubaix gefährlicher als andere Rennen. Aber letztlich ereignen sich die schwersten und heftigsten Stürze in letzter Zeit nicht zwingend dort, sondern bei Rennen und in Situationen wie bei Tadejs Sturz“, erklärt der Teamchef.
Als entscheidende Faktoren nennt Gianetti das enorm hohe Tempo und die große Leistungsdichte im modernen Peloton. Stürze bei hohen Geschwindigkeiten könnten deshalb besonders gravierende Konsequenzen haben – auch auf Strecken, die traditionell als weniger riskant gelten als die Pavé-Sektoren von Paris-Roubaix.
„Das Tempo ist extrem hoch, das Feld ist sehr dicht und es gibt viele Fahrer auf einem hohen Niveau. Stürze bei hoher Geschwindigkeit sind verheerender als das, was in Roubaix passieren kann, wo man auf dem Kopfsteinpflaster vielleicht mit geringerem Tempo zu Fall kommt“, sagt Gianetti.
Der Teamchef von UAE Team Emirates - XRG fordert deshalb weitere Anstrengungen, um die Sicherheit der Profis zu verbessern. Gleichzeitig warnt er vor der Vorstellung, das Risiko von Stürzen vollständig aus dem Radsport verbannen zu können.
„Man kann nicht davon ausgehen, dass sich Stürze vermeiden lassen“, erklärt Gianetti. Ein entscheidender Ansatzpunkt sei vielmehr die Vorbereitung der Fahrer. Übermäßige Ermüdung bereits vor einem Rennen müsse möglichst verhindert werden.
Dabei nimmt Gianetti auch die Gestaltung des Rennkalenders in den Blick. „Wir werden intensiv über den Kalender nachdenken müssen“, fordert der Teamchef. Das Ziel müsse darin bestehen, dass die Profis möglichst „frisch zu den Rennen“ kommen und dadurch ihre „maximale Konzentration“ aufrechterhalten können.
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