Giro d'Italia 2026, Etappe 5 – Vorschau, Profile, Favoriten & Prognosen – Ausreißerchaos oder jagt Lidl-Trek das Rennen in einen Kampf um die Gesamtwertung?

Radsport
Mittwoch, 13 Mai 2026 um 10:02
Giulio Ciccone
Der Giro d’Italia 2026 findet vom 08. bis 31.05. statt. Es ist die erste Grand Tour der Saison, mit 21 Etappen durch Italiens ikonische Städte, die mythischen Alpen und viele tückische Abschnitte – jede Etappe kann die Chancen der Kletterer auf den Gesamtsieg kippen. Wir blicken auf Etappe 5, deren Start und Ziel derzeit für 12:15 bzw. 17:10 CET erwartet werden.
Die erste Ausgabe der Corsa Rosa fand 1909 statt, Sieger war Luigi Ganna. Italien prägte den Profiradsport wie kaum ein anderes Land, und der Giro bot Jahr für Jahr den größten Fahrern die Bühne, ihre Klasse auf jedem Terrain zu zeigen. Es ist eines der geschichtsträchtigsten Rennen. Eddy Merckx, Alfredo Binda und Fausto Coppi gewannen jeweils fünfmal und teilen sich den Rekord.
Diese Fahrer prägten ganze Generationen, doch auch andere Epochen wurden von Siegen etwa von Gino Bartali, Bernard Hinault, Miguel Indurain und Marco Pantani bestimmt. In den letzten Jahrzehnten triumphierten seltener Italiener; Vincenzo Nibali war 2016 der letzte Heimsieger. Namen wie Alberto Contador, Nairo Quintana, Tom Dumoulin und Chris Froome sind ebenfalls auf dem Trofeo Senza Fine – der „endlosen Trophäe“ des Giro – verewigt.
Tao Geoghegan Hart gewann die „Covid-Ausgabe“ 2020; Egan Bernal siegte 2021; Jai Hindley triumphierte 2022; 2023 schlug Primoz Roglic Geraint Thomas in einem dramatischen finalen Bergzeitfahren und holte seinen ersten Giro; 2024 dominierte Tadej Pogacar die Rundfahrt von Start bis Ziel, während 2025 der Brite Simon Yates nach einer brillanten Attacke auf der Schlussbergankunft das Rosa Trikot übernahm und Isaac del Toro entthronte.

Profil Etappe 5: Praia a Mare - Potenza

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Etappe 5: Praia a Mare - Potenza, 203 Kilometer
Eine Etappe für Baroudeure. Der Giro d’Italia ist bekannt dafür, Ausreißspezialisten ihre Chancen zu lassen – hier bietet sich eine ideale Gelegenheit. Woche-1-Ausreißer, die ins Führungstrikot springen, haben Tradition; das könnte heute das zentrale Thema werden.
Ab Praia a Mare dürfte die erste Rennstunde sehr hart werden. Ein Anstieg der 3. Kategorie hinauf nach Prestieri ist 13 Kilometer lang bei 4,6 % – perfekt, damit Kletterer attackieren und sich vor das Feld setzen. Gleichzeitig ist es nicht so steil, dass Klassikerfahrer und Rouleure ausgeschlossen wären.
Für Sprinter ist es zu schwer, doch die harten Anstiege liegen meist zu weit vom Ziel entfernt, als dass die Klassementfahrer große Risiken eingehen. Wir dürften eine starke Gruppe sehen, die sich absetzt und nicht mehr gestellt wird. Bei über 200 Kilometern und viel Flachpassagen wird jede Verfolgung zäh – zumal ein sehr schwieriger Berg im Mittelteil wartet.
Der Anstieg zum Monte Grande di Viggiano misst 6 Kilometer bei 9 %. Als Bergankunft gäbe es hier große Abstände. Doch in Woche eins einer Grand Tour wollen nur wenige volles Risiko gehen, und bei noch 48 Kilometern bis Potenza könnten viele zögern.
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Monte Grande di Viggiano
Danach folgt Terrain, das Angreifern in jedem Rennstatus entgegenkommt. Welliges Profil, ein Red Bull Kilometer 31 Kilometer vor dem Ziel; die letzten 25 Kilometer verlaufen größtenteils bergab.
In den Schlusskilometern warten jedoch erneut kurze Rampen – ideal für Klassikerfahrer. Ein 1,3 Kilometer langer Anstieg mit 7 % im Mittel und Rampen bis 12 % am Fuß endet vier Kilometer vor dem Ziel.
Es geht ins Stadtzentrum hinauf, dann auf technischen Straßen wieder hinab, bevor eine leichte Gegensteigung auf eine breite Zielgerade führt. Ein klassischer Massensprint ist am Ende dieser Etappe eher unwahrscheinlich.
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Finale Etappe 5

Die Favoriten

Ausreißerkampf – Der ideale Tag für starke Kletterer ohne echte Grand-Tour-Ambitionen, besonders wenn sie bereits Zeit verloren haben. Mit dem großen Anstieg früh im Rennen ist eine Kontrolle der Fluchtgruppe kaum möglich. Allerdings führt Lidl-Trek das Rennen an, mit einem hochmotivierten Giulio Ciccone. Das Team wird Ordnung halten und idealerweise Rosa verteidigen wollen, also dürfte die deutsche Mannschaft nachsetzen – und Ciccone selbst könnte am Hauptberg Tempo machen, falls Gefahr droht.
Entsprechend könnten Fahrer ohne Zeitverlust weniger Freiheiten erhalten. Traditionell wechselt Rosa in der ersten Bergetappe, weil die Top-Kletterer noch nicht investieren wollen – und realistisch übernimmt hier niemand die Führung vor Jonas Vingegaard, es sei denn, Visma gibt grünes Licht.
Einige Fahrer könnten heute eigentlich Spielraum bekommen, vielleicht aber doch nicht. Sofern Lidl nicht Matteo Sobrero oder Derek Gee in die Gruppe schickt, wird niemand mit nur zehn Sekunden Rückstand freie Fahrt zu großem Zeitgewinn erhalten. Dahinter gibt es Chancen: Afonso Eulálio, Chris Harper, David de la Cruz und Wout Poels könnten Freiheiten haben und sogar in Reichweite von Rosa kommen – ohne eigene Ambitionen im Gesamtklassement.
Vor allem gilt: Soll der Sieger aus einer Ausreißergruppe kommen, muss er ein starker Kletterer sein. Aber kein reiner Bergfloh, sondern jemand mit Explosivität oder Endschnelligkeit. Johannes Kulset, Christian Scaroni, Javier Romo, Andreas Leknessund, Magnus Sheffield oder Igor Arrieta. Ich würde sagen, UAE wird versuchen, mehrere Fahrer nach vorn zu bringen, aber nach dem Etappensieg heute ist es unwahrscheinlich, dass Jhonatan Narváez gleich nochmal geht.
GC-Kampf – Und wenn die Flucht gestellt wird? Dann wird es spannend. Am Hauptanstieg kann nur Jonas Vingegaard wirklich Schaden anrichten, aber aus meiner Sicht hat er keinen Grund dazu. Also hätten wir ein kleines Feld, mit Lidl-Trek und Ciccone in der Defensive. Wenn der Anstieg nicht voll gefahren wird, sollten mehrere Klassikerfahrer drüberkommen oder nach der Kuppe zurückkehren. Die Prognose ist heikel.
Ich sehe ein hohes Risiko für taktische Attacken. Gleichzeitig ist ein Finale für Puncheure denkbar, mit einem Sprint eines kleinen Feldes wie heute als Entscheidung. In diesem Szenario ist Narváez erneut ein großer Favorit, ich tendiere jedoch eher zu Jan Christen. Lennert van Eetvelt als explosiver Fahrertyp mischt ebenfalls vorne mit, und natürlich auch Ciccone selbst, der sich ins Rosa gesprintet hat; ganz zu schweigen von den GC-Fahrern, die mit einer Gelegenheitsoffensive durchkommen könnten.

Prognose Giro d'Italia 2026, Etappe 5

*** Christian Scaroni, Andreas Leknessund, Javier Romo
** Jan Christen, Igor Arrieta, Jhonatan Narváez
* Afonso Eulálio, Chris Harper, Johannes Kulset, Lennert van Eetvelt, Giulio Pellizzari, Thymen Arensman, Michael Storer, Giulio Ciccone
Tipp: Javier Romo
Wie: Ausreißersieg
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