Die Monumente dieser Saison dürften einem ähnlichen Drehbuch wie 2025 folgen: Zwei Fahrer haben die besten Karten, alle fünf zu gewinnen –
Tadej Pogacar und
Mathieu van der Poel. Beide fehlen jedoch noch zwei Monumente im Palmares, und
Jens Voigt meint, dass keiner den anderen in dessen Spezialrennen schlagen dürfte, solange der jeweils andere am Start steht.
„So wie ich das sehe: Solange
Mathieu van der Poel aktiv ist, fährt und in Normalform ist, ist es für Tadej nahezu unmöglich, Paris–Roubaix oder Milano–Sanremo zu gewinnen“, sagte Voigt im
Domestique-Hotseat-Podcast. „Denn diese Rennen liegen Mathieu van der Poel einfach deutlich besser.“
In Roubaix sprechen rohe Wattwerte und Technik für van der Poel, der inzwischen drei Ausgaben in Serie gewonnen hat. Allerdings bestimmt dort auch das Glück den Ausgang, und der Niederländer ist davor nicht gefeit.
Bei Mailand–Sanremo hat er inzwischen ebenfalls mehrfach triumphiert, indem er auf den kleinen Anstiegen seine Power zeigt und zugleich einen sehr starken Sprint und enorme Ausdauer mitbringt. Letztes Jahr stand er auf der Cipressa kurz vor dem Abriss – wie alle anderen auch. Dieser Anstieg ist letztlich Pogacars Schlüssel zum Sieg.
Van der Poel hat derweil weder Lüttich–Bastogne–Lüttich noch die Lombardei-Rundfahrt gewonnen, und Voigt argumentiert, dass bei Pogacar in Topform Profil und Konkurrenz für den Niederländer schlicht zu stark seien.
„Solange
Tadej Pogacar fährt und gewinnen will, ist es für
Mathieu van der Poel nahezu unmöglich, die beiden fehlenden Monumente für ihn – Lüttich–Bastogne–Lüttich und den Giro di Lombardia – zu gewinnen, weil sie zu hügelig sind. Ich liebe dieses Duell der beiden im Streben nach Größe, alle fünf Monumente zu holen, Jahr für Jahr. Sie geben alles und liefern eine großartige Show.“
Voigt über Remco Evenepoel
Der Deutsche blickt zudem auf Red Bull - BORA - hansgrohe, das sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt hat und in diesem Winter mit der Verpflichtung von Remco Evenepoel erneut groß investierte.
„Remco, was für ein Champion er ist, aber Remco ist auch heiß oder kalt. Ihr wisst schon, er gewinnt die Vuelta oder er explodiert im Führungstrikot und verliert an einem Tag 50 Minuten“, sagte er über den Olympiasieger. „Es ist gut, ein Backup-System installiert zu haben“, meint Voigt, da er Evenepoel für anfällig für emotionale Entscheidungen hält.
Remco wird erwachsener, reift, aber wir haben ihn ein paar Mal im TV gestikulieren sehen, wenn er bei Weltmeisterschaften und manchen Rennen unzufrieden war. Aber ich meine: Remco, du bist ein Athlet von Weltklasse, die anderen fahren nicht für dich, damit du gewinnst. Sie fahren gegen dich, nicht für dich. Sie sind in einem anderen Team. Sie wollen auch gewinnen. Das musst du realisieren.“