Die
Amstel Gold Race Ladies 2026 lieferte eine packende Ausgabe mit einer
überraschenden Siegerin in Paula Blasi. Das aufstrebende spanische Talent ließ die Routiniers Katarzyna Niewiadoma und
Demi Vollering zurück und überließ ihnen nur den Kampf um Rang zwei. Statt Begeisterung über ein großartiges Rennen bleibt jedoch ein bitterer Beigeschmack: Stimmen fordern konzeptionelle Anpassungen am Format, denn von den 158 Kilometern am Sonntag waren im TV lediglich die letzten 50 Kilometer zu sehen.
Warum konnten wir den früheren Rennverlauf nicht verfolgen? „Das frage ich tatsächlich seit sechs oder sieben Jahren“, sagte
Roxane Knetemann im
In het Wiel-Podcast. „Die NOS sagt, der Hubschrauber könne nicht früher starten. Ich denke, es ist eine finanzielle Frage.“
Radsportjournalist Daniël Dwarswaard sekundiert seiner Co-Moderatorin. „Es ist fast entwürdigend; es ist überholt. Man will es einfach sehen, verpasst aber entscheidende Rennmomente. Man sitzt da und wartet auf die Übertragung, und dann sind sie fast im Ziel. So sollte das nicht sein.“
Vollering musste sich mit Platz drei begnügen, doch diesmal lassen sich ihre Taktik kaum verantwortlich machen – nach eigener Darstellung. „Es ist wirklich, wirklich schade, dass ihr nur die letzten 50 Kilometer gesehen habt, denn von Beginn an sind wir als Team sehr stark und dominant gefahren“, sagte sie im Ziel. „Bevor wir den lokalen Rundkurs erreichten, sind wir jeden Anstieg Vollgas hoch. Es ist für alle sehr bedauerlich, dass das nicht gezeigt wurde.“
Symptom eines komplexeren Problems
Im konkreten Fall der Amstel Gold Race dürfte der Veranstalter eine zentrale Rolle spielen, denn auch das Männerrennen wurde am vergangenen Wochenende nicht vollständig übertragen, wenngleich die Männer deutlich mehr Sendezeit bekamen. Der Unterschied wird bei anderen Rennen noch deutlicher.
Bei Paris–Roubaix oder der Flandern-Rundfahrt war das Männerrennen von Start bis Ziel zu sehen, doch die Frauen? Deren Übertragung begann erst nach dem Zieleinlauf der Männer. Knetemann ist unzufrieden und sieht die Sendezeiten der Entwicklung des Sports hinterherhinken.
„Alle bleiben auch vage, wer dafür zahlen muss. Aber dass die zuständige Partei nicht zahlen will, scheint mir klar. Wir sind längst über die Zeiten hinaus, in denen Frauenrennen auf Knien darum bitten mussten, hier fahren zu dürfen. Frauenradsport ist gewiss genauso schön wie Männerradsport. Die Frauen haben hart dafür gearbeitet, doch in diesem Rennen schlägt sich das nur mager nieder.“