Jonas Vingegaard plant, in diesem Sommer sowohl den Giro d’Italia als auch die Tour de France zu bestreiten. Angesichts eines moderaten GC-Feldes wird spekuliert, der Däne könne auf dem Corsa Rosa Kräfte sparen, um die Müdigkeit vor der Tour zu steuern; das weist das Team jedoch klar zurück und richtet den Fokus vorerst nicht auf die Frankreich-Rundfahrt.
„In einer Grand Tour ist es unmöglich, sich zu schonen. Man muss hier alles richtig machen“, sagte Sportdirektor
Marc Reef in
The Cycling Podcast. Vingegaard geht in die zweite Woche vor seinen direkten GC-Rivalen und dürfte die Abstände im einzigen Zeitfahren des Rennens deutlich ausbauen.
Am Blockhaus und am Corno alle Scale hat er bereits zwei Siege eingefahren, das Bergtrikot übernommen und wichtige Zeit auf die Konkurrenz gutgemacht – während Giulio Pellizzari, für viele zum Rennstart die Nummer 2 der Favoriten,
in der ersten Woche spürbar Zeit verloren hat.
Und auf diesen Etappen hat Vingegaard alles investiert. „Man hat am Blockhaus gesehen, dass er gegen Ende Mühe hatte, sein Tempo zu halten.“
Kein Fahren mit angezogener Handbremse
Für Visma ist das vor allem eine Frage der Haltung. Wenn das Team mit Blick auf fernere Ziele fährt, fehlt die volle Konzentration auf die aktuelle Aufgabe; auch die Motivation leidet – mit absehbaren Leistungseinbußen.
„Wenn du anfängst, mit angezogener Handbremse zu fahren und an die Zukunft zu denken, dann hast du nicht die richtige Einstellung. In den kommenden Wochen beim Giro d’Italia werden wir Herausforderungen begegnen.“
Visma beobachtet Decathlons Taktik wachsam
Die niederländische Mannschaft hat die meisten Rivalen bereits auf Minuten distanziert, mit Ausnahme von Felix Gall. Im Zeitfahren dürfte sich der Rückstand eher vergrößern, doch der Österreicher zeigt in den Bergen ein ähnliches Niveau und attackierte bereits mehrfach.
Reef sprach über Decathlon, das am Sonntag die Initiative ergriff. „Für uns war es zunächst gut, dass die Ausreißergruppe auf den Etappensieg zusteuerte. Als sie sofort die Kontrolle übernahmen, hatten wir schon das Gefühl, dass sie auf den Tagessieg gehen würden.“
„Es ist logisch, dass sie Vertrauen in Felix haben. Sie sind heute klar auf Sieg gefahren. Überraschend? Ja, ein bisschen. Sie haben alle ihre Fahrer eingesetzt. In dem Moment, als ihnen die Helfer ausgingen, der Abstand klein war und Jonas sagte, er fühle sich gut, sind wir ebenfalls voll mitgegangen“, erklärte er.