Remco Evenepoel setzte beim Trofeo Serra Tramuntana ein Zeichen der Autorität und Entschlossenheit: Mit einem lang angesetzten Solo fuhr er dem Feld davon, holte seinen ersten Straßensieg in Red-Bull-Farben und machte deutlich, worum es in diesem neuen Kapitel geht.
Auf einer fordernden Mallorca-Runde mit wiederholten Anstiegen der zweiten Kategorie und wenig Deckung wählte der Belgier den maximal entscheidenden Moment, um das Rennen auf den Kopf zu stellen.
Gut 55 Kilometer vor dem Ziel erhöhte
Red Bull - BORA - hansgrohe am Coll de Soller massiv das Tempo, zerlegte die Reste der frühen Flucht und setzte die Konkurrenz sofort unter Druck. Als Evenepoel attackierte, war es keine Tempoverschärfung zum Testen, sondern ein voller Angriff. Sekunden später war der Faden gerissen.
Zunächst klammerten sich zwei Fahrer an sein Hinterrad, als die Straße anstieg und danach bergab führte, doch Evenepoels Abfahrtsgeschwindigkeit und sein Dauerleistungsvermögen machten rasch den Unterschied. Am Fuß der Abfahrt war er allein. Von dort wurde das Rennen zur vertrauten Zeitfahr-Demonstration, ausgeführt auf offener Straße statt auf Aufliegern.
Dahinter erwies sich Zögern als fatal. Eine Gruppe um Enric Mas, Pavel Sivakov, Antonio Morgado und mehrere weitere starke Namen fand sich kurzzeitig, doch der Mangel an Abstimmung war offensichtlich. Jeder Blick zurück und jede halbherzige Führung spielte Evenepoel in die Karten. Sein Vorsprung wuchs schnell über eine Minute und steuerte auf zwei zu, während der Belgier in einen unerbittlichen Rhythmus fand.
Der Kontext machte die Aktion umso eindrücklicher. Dies war kein Abfahrtsfinish oder reduzierter Sprint, sondern ein Rennen, geprägt von Klettern, Positionierung und Ausdauer. Zuvor hatte eine große Ausreißergruppe mit Magnus Cort Nielsen, Pablo Castrillo und Adrià Pericas über den Coll de Femenia und den Coll de Puig Major das Geschehen belebt und das Feld früh gefordert. Doch als die entscheidende Phase kam, wartete Evenepoel nicht auf das Finale. Er schuf es.
Als die Kilometer heruntertickten, tauchte das letzte Hindernis des Tages auf. Der Coll de sa Batalla, 8,4 Kilometer lang bei knapp fünf Prozent, bot der Verfolgung eine letzte Chance, Boden gutzumachen. Stattdessen wurde er zum endgültigen Beweis der Kontrolle. Evenepoel fuhr den Anstieg rund, sitzend und abgeklärt, ohne das kleinste Anzeichen von Verwundbarkeit. Die Lücke stabilisierte sich und wurde dann wieder etwas größer.
Oben am Pass war der Ausgang außer Zweifel. Es blieb eine kurze Abfahrt bis ins Ziel in Lluc, doch der Belgier hatte Zeit, zu essen, sich umzublicken und den Einsatz mit der Ruhe eines Fahrers zu steuern, der die Situation vollständig im Griff hat. Als er die Linie überquerte, war es nicht Erschöpfung, die ins Gesicht geschrieben stand, sondern das stille Selbstvertrauen eines Plans, der exakt aufging.
Für
Red Bull - BORA - hansgrohe reichte die Bedeutung über ein Tagesergebnis hinaus. Nach dem Mannschaftszeitfahr-Erfolg beim Trofeo Ses Salines war dies der erste klare Beleg, wie Evenepoel in einem Eintagesrennen als kompromissloser Angreifer eingesetzt werden kann. Die Unterstützung war diszipliniert, das Timing präzise, die Hingabe total.
Zugleich lieferte es eine frühe Antwort auf eine der offenen Fragen zu seinem Winterwechsel. Wie schnell würde sich der Belgier an neue Strukturen, neue Teamkollegen und neue Renndynamiken anpassen? Die Antwort in der Tramuntana fiel eindeutig aus. Als der Moment kam, gab es kein Zögern, kein Nachjustieren. Instinkt und Autorität waren bereits da.
Dahinter kamen die anderen in kleinen Grüppchen ins Ziel, der Schaden längst angerichtet. Für alle mit Ambitionen im Frühjahr und Sommer war die Botschaft unmissverständlich. Bei seinem ersten echten Straßentest in Red-Bull-Farben hat
Remco Evenepoel nicht einfach gewonnen. Er hat den Ton gesetzt.