Mit gerade einmal 24 Jahren übernimmt Joppe de Heij Verantwortung, wie sie nur wenige Sportdirektoren so früh in ihrer Laufbahn tragen. Der Niederländer steht damit exemplarisch für einen Generationenwechsel hinter den Kulissen des Profiradsports.
Ab dieser Saison steigt er mit Team
Visma - Lease a Bike Women in die WorldTour ein und wird Teil eines der strukturiertesten und ambitioniertesten Programme des Sports – zu einem Zeitpunkt, an dem der Frauenradsport spürbar an Tempo und Bedeutung gewinnt.
Warum Visma früh bei De Heij zugriff
Bemerkenswert ist dieser Schritt nicht nur wegen De Heijs Alters, sondern wegen des klaren Vertrauens, das Visma signalisiert. Der Niederländer stößt als Teil eines größeren Sportdirektorenteams dazu und nicht als alleiniger Entscheider. Dennoch ist der Weg klar abgesteckt: Verantwortung übernehmen, bei großen Rennen im Einsatz sein und in einer Organisation wachsen, die langfristige Entwicklung ins Zentrum ihrer Philosophie stellt.
„Ich weiß, das ist ein bisschen nervenaufreibend“, sagte De Heij bei seiner Ankunft auf der offiziellen
Visma-Website, „aber ich bin wirklich voller Vorfreude.“ Genau diese Mischung aus Realismus und Ambition sieht das Team als Grundlage dafür, ihm auf WorldTour-Niveau Verantwortung zu übertragen.
De Heijs Aufstieg verlief rasant. Nach dem Einstieg bei einem niederländischen Juniorenteam wechselte er früh ins Profi-Umfeld zu Unibet Tietema Rockets, sammelte Erfahrung sowohl an der Straße als auch hinter den Kulissen und entschied sich dann bewusst, den Fokus vollständig auf die Rolle des Sportdirektors zu legen. Diese Kombination aus Praxisnähe und Initiative brachte ihn auf den Radar von Visma.
Anstatt auf den passenden Moment zu warten, ging De Heij selbst den ersten Schritt. Nach einer Begegnung beim UCI-Sportdirektorenkurs kontaktierte er Head of Coaching Jacco Verhaeren direkt. Die Entwicklung nahm schnell Fahrt auf. Innerhalb weniger Wochen war er ins Trainingslager im Januar in Spanien eingebunden, integrierte sich in den Fahrer- und Betreuerstab und bereitete sich auf seine ersten Einsätze mit echter Verantwortung vor.
Auch der Frauenradsport selbst spielte eine zentrale Rolle bei seiner Entscheidung. De Heij machte deutlich, dass ihn die Dynamik und das Wachstum der Disziplin reizen. Visma betonte im Gegenzug, dass man gezielt Menschen suche, die sich bewusst für das Frauenprogramm entscheiden und es nicht als bloßes Sprungbrett betrachten.
Ein schrittweiser Einstieg statt Hauruck-Verfahren
Trotz der Aufmerksamkeit rund um sein Alter vermeidet Visma bewusst den Eindruck, einen Neuling ins kalte Wasser zu werfen. De Heij wird bei den größten Rennen zunächst als Assistent arbeiten, während er bei kleineren Veranstaltungen die Hauptverantwortung übernimmt. Der Fokus liegt auf Progression, nicht auf Druck.
Teammanager Rutger Tijssen unterstrich diese Balance und erklärte, warum sich das Team mit der Verpflichtung wohlfühlt. De Heij bringe bereits Erfahrung mit, vor allem aber zeige er die klare Bereitschaft, zu lernen und Wissen aus seinem Umfeld aufzunehmen. Entscheidend sei nicht nur, was er bereits könne, sondern wie er Informationen verarbeitet und praktisch umsetzt.
Für De Heij selbst liegt genau darin der Reiz der Aufgabe. „Das ist erst mein drittes Jahr als Sportdirektor“, sagte er. „Mein Ziel ist es, so viel Erfahrung wie möglich zu sammeln und von den Menschen um mich herum zu lernen.“ Sein erstes Rennen in dieser Rolle, die Setmana Ciclista Valenciana, wird damit zugleich Prüfstein und Gelegenheit, Theorie in die Praxis zu überführen.
Ein bekanntes Muster bei Visma
So auffällig die Personalie auf den ersten Blick wirkt, folgt sie einem vertrauten Muster innerhalb der Visma-Organisation. Das Team investiert konsequent früh in Menschen, an die es glaubt – ob Fahrer oder Staff – und entwickelt sie innerhalb klarer Strukturen, statt kurzfristigen Lösungen nachzujagen.
In diesem Sinne steht De Heijs Einstieg weniger für eine einzelne Verpflichtung als für ein Signal. Während sich der Frauenradsport in hohem Tempo professionalisiert, positioniert sich Visma nicht nur mit Fahrerinnen auf der Straße, sondern auch mit der nächsten Führungsgeneration hinter den Kulissen.
Für De Heij ist die Aufgabe klar formuliert, aber anspruchsvoll in der Umsetzung: schnell lernen, sofort beitragen und in die Verantwortung hineinwachsen, die mit so frühem Vertrauen einhergeht. Für Visma ist es eine weitere kalkulierte Wette auf die Zukunft.