Lorena Wiebes hat bei der
Tour de France Femmes 2026 ihren zweiten Etappensieg in Folge gefeiert. Die Niederländerin setzte sich in Genf trotz einer langen Soloflucht von Riejanne Markus im Sprint durch und verteidigte damit erfolgreich das Gelbe Trikot.
Markus hatte das Rennen rund 40 Kilometer vor dem Ziel mit einer beherzten Attacke entscheidend geprägt und Team SD Worx – Protime zu einer kräftezehrenden Verfolgungsjagd gezwungen. Selbst fünf Kilometer vor dem Ziel betrug ihr Vorsprung noch rund 30 Sekunden, wodurch Wiebes' Team zunehmend die Helferinnen ausgingen, während die Solistin weiter um ihren Überraschungscoup kämpfte.
Markus bringt SD Worx an die Grenze
Anna van der Breggen übernahm zunächst die Nachführarbeit für Team SD Worx – Protime, ehe Lotte Kopecky mit ihren letzten Kräften die Verfolgung forcierte. Die Belgierin verkürzte den Rückstand innerhalb der letzten beiden Kilometer auf nur noch zwölf Sekunden, musste dabei jedoch so viel investieren, dass Wiebes für den Sprint ohne Anfahrzug auskommen musste.
Während Liv AlUla Jayco Letizia Paternoster in Position brachte, musste Wiebes ihr Finale selbst organisieren. Markus wurde schließlich erst 500 Meter vor dem Ziel eingeholt. Elisa Balsamo befand sich zunächst in aussichtsreicher Position, doch Wiebes eröffnete ihren Sprint bereits rund 400 Meter vor dem Ziel und ließ der Konkurrenz erneut keine Chance. Mit ihrem zweiten Etappensieg in Folge baute sie ihren perfekten Tour-Auftakt weiter aus und verteidigte souverän das Gelbe Trikot.
Bereits zuvor hatte die Etappe zwischen Aigle und Genf mit mehreren Anstiegen für eine deutliche Selektion gesorgt. Am steilen Côte de Bougy-Villars erhöhte Lotte Kopecky das Tempo entscheidend und sorgte dafür, dass das Feld auseinanderfiel. Nachdem sie auf der Auftaktetappe wegen fehlender Verpflegung Probleme gehabt hatte, zeigte die Weltmeisterin diesmal eine starke Vorstellung. Wiebes hielt sich jederzeit sicher in der Spitzengruppe, während Charlotte Kool und Chiara Consonni den Anschluss an das verkleinerte Hauptfeld verloren.
Anschließend attackierte Celia Gery am letzten kategorisierten Anstieg und erhielt Unterstützung von Nina Berton. Sara Casasola, Sarah Van Dam und Amanda Spratt versuchten, die Lücke zu schließen. Die Gruppe vereinigte sich kurzzeitig mit den verbliebenen Fahrerinnen der frühen Flucht, doch fehlende Zusammenarbeit machte sämtliche Bemühungen zunichte und ermöglichte dem Peloton den erneuten Zusammenschluss.
Markus nutzte diesen Moment zu ihrer entscheidenden Attacke und setzte sich fast unmittelbar nach dem Zusammenschluss ab. Schnell erarbeitete sie sich einen Vorsprung von rund einer Minute. Lidl – Trek verfügte mit Elisa Balsamo zwar weiterhin über eine aussichtsreiche Sprinterin, doch die Stärke von Markus zwang Team SD Worx – Protime, nahezu die komplette Nachführarbeit alleine zu übernehmen.
Zunächst arbeiteten Nienke Vinke und Mischa Bredewold an der Spitze des Feldes, ehe Anna van der Breggen das Tempo weiter verschärfte. Eigentlich war Lotte Kopecky als letzte Anfahrerin für Wiebes vorgesehen, musste ihre Kräfte jedoch ebenfalls in die Verfolgung investieren, als Markus selbst acht Kilometer vor dem Ziel noch rund eine halbe Minute Vorsprung verteidigte.
Jansen fährt zwischenzeitlich virtuell in Gelb
Die frühe Ausreißergruppe hatte sich erst nach mehr als 50 Rennkilometern formiert. Nach zahlreichen Angriffen vom Start in Aigle weg initiierten Eline Jansen und die ukrainische Meisterin Yuliia Biriukova die entscheidende Flucht. Später schlossen auch Carlotta Cipressi, Ema Comte und Anouska Koster auf.
Der Vorsprung der Spitzengruppe wuchs auf mehr als zwei Minuten an, wodurch Jansen, die den Tag mit 40 Sekunden Rückstand auf Wiebes begonnen hatte, zwischenzeitlich virtuell das Gelbe Trikot übernahm. Beim Zwischensprint sicherte sich Biriukova die maximalen 25 Punkte, während Wiebes das Hauptfeld anführte und weitere elf Zähler für die Punktewertung sammelte.
Auf den letzten Anstiegen zerfiel die Spitzengruppe zunehmend. Cipressi und Biriukova mussten früh abreißen lassen, ehe auch Jansen, Comte und Koster von einer Gegenattacke aus dem Feld eingeholt wurden. Koster sammelte im Verlauf der Etappe insgesamt sieben Bergpunkte, dennoch verteidigte Océane Mahé das Gepunktete Trikot mit einem Punkt Vorsprung.
Nach dem Ende der frühen Flucht blieb schließlich nur noch Riejanne Markus als letzte Hürde zwischen Lorena Wiebes und dem nächsten Etappensieg. Die Niederländerin wehrte sich bis tief auf die Zielgerade gegen das heranstürmende Feld, musste sich jedoch 500 Meter vor dem Ziel geschlagen geben. Wiebes kompensierte anschließend den Verlust ihres kompletten Sprintzugs mit einem beeindruckenden Solofinale und bewies in Genf einmal mehr ihre derzeit überragende Endschnelligkeit.