„Es ist umso schöner, das im Gelben zu vollenden“: Lorena Wiebes schreibt Tour-Geschichte mit Rekordsieg

Radsport
durch Nic Gayer
Sonntag, 02 August 2026 um 18:45
Lorena Wiebes im Interview
Lorena Wiebes hat ihren zweiten Etappensieg bei der Tour de France Femmes 2026 als einen der besonders emotionalen Erfolge ihrer Karriere bezeichnet. Nachdem Team SD Worx – Protime auf der 2. Etappe nach Genf eine kräftezehrende Verfolgungsjagd starten musste, krönte die Niederländerin die Arbeit ihrer Mannschaft mit ihrem rekordträchtigen siebten Etappensieg bei der Frankreich-Rundfahrt.
Mit zwei Siegen an den ersten beiden Renntagen baute Wiebes nicht nur ihre Führung in der Gesamt- und Punktewertung aus. Gleichzeitig zog sie an Marianne Vos und Demi Vollering vorbei und ist nun alleinige Rekordhalterin bei den Etappensiegen der Tour de France Femmes.

SD Worx muss für den Etappensieg alles investieren

Anders als bei ihrem Auftakterfolg in Lausanne musste sich Wiebes ihren zweiten Tagessieg unter deutlich schwierigeren Bedingungen erarbeiten. Riejanne Markus sorgte mit einer langen Soloflucht für ein nervenaufreibendes Finale und hielt sich bis 500 Meter vor dem Ziel an der Spitze des Rennens. Team SD Worx – Protime war dadurch gezwungen, nahezu seine komplette Mannschaft für die Verfolgung aufzureiben, sodass Wiebes den Sprint schließlich ohne ihren gewohnten Anfahrzug bestreiten musste.
„Ja, das macht es so besonders – aber auch, weil unser Team, SD Worx – Protime, wieder unglaublich hart dafür gearbeitet hat“, sagte Wiebes bei TNT Sports. „Die Mädels sind im Finale Vollgas gefahren, um Riejanne Markus zurückzuholen. Es ist umso schöner, das im Gelben zu vollenden.“
Markus hatte rund 40 Kilometer vor dem Ziel attackiert und verteidigte selbst fünf Kilometer vor dem Ziel noch einen Vorsprung von etwa 30 Sekunden. Nienke Vinke, Mischa Bredewold und Anna van der Breggen arbeiteten unermüdlich an der Spitze des Feldes, um den Rückstand zu verkürzen und Wiebes die Chance auf den nächsten Etappensieg zu erhalten.
Da sich Markus jedoch hartnäckig an der Spitze behauptete, griff Team SD Worx – Protime schließlich zu seinem letzten Trumpf. Auch Weltmeisterin Lotte Kopecky musste ihre eigentliche Rolle als letzte Anfahrerin aufgeben und sich vollständig in den Dienst der Verfolgung stellen.
„Markus blieb sehr lange vorn, und irgendwann entschieden wir, auch Lotte Kopecky in die Verfolgung zu schicken, weil wir alle Kräfte brauchten“, erklärte Wiebes. „Da wusste ich, dass ich mir meinen eigenen Weg suchen muss.“
Erst 500 Meter vor dem Ziel war Markus' beeindruckender Soloversuch beendet. Wiebes fand anschließend die entscheidenden Hinterräder, wartete geduldig auf die richtige Lücke und setzte ihren Sprint im perfekten Moment an.
„Ich habe gute Räder gefunden, bin etwa 200 Meter vor dem Ziel rausgekommen und habe einfach meinen Speed gezündet“, fügte sie an.

Rekordhalterin der Tour de France Femmes

Vor dem Start der 2. Etappe hatte Wiebes gemeinsam mit Marianne Vos und Demi Vollering bei jeweils sechs Etappensiegen gelegen. Mit ihrem Erfolg in Genf erhöhte sie ihre Bilanz auf nun sieben Siege und ist damit alleinige Rekordhalterin der Tour de France Femmes seit deren Neustart im Jahr 2022.
Bereits ihr Sieg auf der Auftaktetappe in Lausanne hatte ihre Vielseitigkeit unter Beweis gestellt. Dort konterte sie zunächst eine Attacke von Demi Vollering am Schlussanstieg, bevor sie ihre Konkurrentinnen im Sprint deutlich hinter sich ließ. In Genf war ein völlig anderes Finale gefragt, nachdem sich ihre Teamkolleginnen bei der Verfolgung von Markus komplett verausgabt hatten und Wiebes den Sprint ohne klassische Anfahrerin bestreiten musste.
Mit den zehn Bonussekunden für den Etappensieg wuchs ihr Vorsprung in der Gesamtwertung auf 14 Sekunden gegenüber Kim Le Court-Pienaar. Demi Vollering folgt mit 16 Sekunden Rückstand auf Rang drei. Auch in der Punktewertung setzte sich Wiebes weiter ab und führt nun mit 111 Punkten – mehr als dreimal so viele wie ihre ersten Verfolgerinnen.
Wie lange die Niederländerin das Gelbe Trikot angesichts der anspruchsvolleren Etappen verteidigen kann, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch schon jetzt: Mit zwei Etappensiegen, der Führung in der Gesamt- und Punktewertung sowie dem alleinigen Etappenrekord hat Wiebes der Tour de France Femmes 2026 bereits in den ersten beiden Tagen ihren Stempel aufgedrückt.
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