DISKUSSION – Giro d’Italia, 7. Etappe – Visma gegen Decathlon oder Red Bull? Wer gewinnt den Giro – und wie lange hält Eulalio Rosa?
Radsport
Der erste große Bergtest des Giro d’Italia hielt, was er versprach. Nach Tagen voller Nervosität, Positionskämpfe und taktischem Abtasten unter den Favoriten setzte Jonas Vingegaard am Blockhaus das erste große Ausrufezeichen dieser Rundfahrt. Der Däne sicherte sich nicht nur den Etappensieg, sondern verschaffte sich auch einen frühen psychologischen Vorteil im Kampf um die Maglia Rosa.
Die 244 Kilometer lange Etappe von Formia zum legendären Blockhaus war bereits lange vor Giro-Start als erster echter Schlüsselabschnitt markiert worden. Der brutale Schlussanstieg mit 13,6 Kilometern Länge bei durchschnittlich 8,4 Prozent Steigung bot erstmals die Gelegenheit, die Konkurrenz im Hochgebirge ernsthaft unter Druck zu setzen.
Jonathan Milan sammelt Punkte, Visma - Lease a Bike kontrolliert das Rennen
Wie erwartet begann die Etappe zunächst kontrolliert. Eine frühe Fluchtgruppe mit Jonathan Milan, Jardi van der Lee, Tim Naberman, Nickolas Zukowsky und Diego Pablo Sevilla erhielt mehrere Minuten Vorsprung, während sich das Feld zunächst zurückhielt und Kräfte für das Finale sparte.
Der Abstand der Ausreißer blieb jedoch stets unter Kontrolle. Rund sechs Minuten betrug der Vorsprung über weite Strecken, ehe das Rennen mit der Annäherung an die Berge deutlich intensiver wurde. Am Anstieg nach Roccaraso erledigte Jonathan Milan seinen Auftrag erfolgreich, holte die maximale Punktzahl beim Zwischensprint und ließ sich anschließend zurückfallen. Damit stärkte der Italiener seine Position im Kampf um das Maglia ciclamino weiter.
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Im Feld erhöhte Visma - Lease a Bike währenddessen kontinuierlich das Tempo. Vor allem Tim Rex und Timo Kielich übernahmen viel Arbeit an der Spitze des Pelotons und sorgten dafür, dass Jonas Vingegaard optimal positioniert an den Fuß des Blockhaus gebracht wurde.
Red Bull - BORA - hansgrohe eröffnet die Selektion
Als die Favoriten den Schlussanstieg erreichten, befanden sich nur noch drei Fahrer vor dem Feld. Tim Naberman war bereits distanziert worden, während Nickolas Zukowsky mit einer Soloattacke sein Glück versuchte. Jardi van der Lee fiel zunächst zurück, kämpfte sich jedoch eindrucksvoll wieder heran – eine der kämpferisch stärksten Leistungen des Tages.
Sobald Red Bull - BORA - hansgrohe im Feld die Kontrolle übernahm, schmolz der Vorsprung der Ausreißer allerdings rapide dahin. Davide Piganzoli verschärfte das Tempo deutlich, und sofort gerieten mehrere Klassementfahrer in Schwierigkeiten. Igor Arrieta und Jan Christen verloren früh den Anschluss, während auch Egan Bernal, Enric Mas und Derek Gee sichtbar kämpfen mussten.
5,5 Kilometer vor dem Ziel geriet schließlich auch das Rosa Trikot von Afonso Eulalio unter Druck. Der Portugiese kämpfte verbissen um Schadensbegrenzung, konnte dem mörderischen Tempo der Favoriten jedoch nicht mehr folgen. Die Spitzengruppe reduzierte sich auf rund zehn Fahrer – ehe Jonas Vingegaard seine entscheidende Attacke setzte.
Vingegaard sprengt das Rennen am Blockhaus
Mit einer explosiven Beschleunigung zerlegte der Däne die Gruppe der Favoriten innerhalb weniger Sekunden. Felix Gall und Giulio Pellizzari reagierten zunächst noch, wobei besonders Pellizzari am Hinterrad Vingegaards zunächst sehr souverän wirkte. Doch der Kontakt riss schnell ab.
Keine tausend Meter später mussten beide Fahrer den Dänen ziehen lassen. Von diesem Moment an fuhr Jonas Vingegaard alleine über die brutalen Rampen des Blockhaus und kontrollierte das Rennen souverän von der Spitze aus.
Sein Vorsprung wuchs zwischenzeitlich auf mehr als 30 Sekunden gegenüber Felix Gall und Giulio Pellizzari an. Dahinter verlor auch die Verfolgergruppe um Ben O’Connor und Jai Hindley zunehmend an Boden und lag zeitweise bereits fast eine Minute zurück.
Felix Gall präsentierte sich dabei als stärkster Verfolger. Der Österreicher begrenzte seinen Rückstand mit einer kontrollierten und kraftvollen Kletterleistung eindrucksvoll und erreichte das Ziel nur 15 Sekunden hinter Vingegaard. Giulio Pellizzari hingegen bezahlte seine offensive Fahrweise in den Schlusskilometern teuer. Der junge Italiener wurde noch vor dem Ziel von Ben O’Connor und Jai Hindley eingeholt.
Eulalio verteidigt Rosa – doch Vingegaard sendet ein klares Signal
Weiter hinten rettete Thymen Arensman mit einem Platz unter den Top Ten immerhin noch ein solides Resultat. Gegen Fahrer wie O’Connor, Hindley und Pellizzari hielt der Niederländer die Verluste in Grenzen. Die Abstände zu Gall und vor allem zu Vingegaard fielen nach der ersten Bergankunft des Giro jedoch bereits deutlich aus.
Für Afonso Eulalio endete der Tag mit gemischten Gefühlen. Zwar verlor der Portugiese am Blockhaus knapp drei Minuten, dennoch verteidigte er die Maglia Rosa erfolgreich – ein Szenario, das vor der Etappe wohl nur wenige erwartet hätten.
Die wichtigste Botschaft des Tages ging allerdings von Jonas Vingegaard aus. Der Däne gewann nicht nur die Etappe am Blockhaus, sondern dominierte das Rennen nach Belieben. Nach einer Woche kontrollierter Zurückhaltung zeigte der Kapitän von Visma - Lease a Bike erstmals offen seine Stärke – und der gesamte Giro weiß nun, wer in den Bergen der Mann ist, den es zu schlagen gilt.
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Carlos Silva (CiclismoAtual)
Es war ein brutaler Tag im Sattel, mit einem Finale am Blockhaus, das vielen Erwartungen entsprach: ein Sieg für Jonas Vingegaard. Es war der erste echte Hochgebirgstest der Rundfahrt, rüttelte die Gesamtwertung durcheinander und ordnete die Kräfteverhältnisse neu.
Ich muss zugeben, ich hatte mit einem Etappensieg von Giulio Pellizzari gerechnet, daher überraschte es mich, dass er komplett einbrach, nachdem er am Hinterrad des Dänen so souverän wirkte. Andererseits glaube ich, dass Vingegaard seinen Angriff wegen des starken Winds am Anstieg etwas hinausgezögert hat.
Team Visma | Lease a Bike machte einen hervorragenden Job, sowohl in der Anfahrt zum Blockhaus als auch mit der Arbeit vor der Attacke ihres Kapitäns. Felix Gall reagierte ebenfalls auf Vingegaards Antritt, doch im Gegensatz zu Pellizzari versuchte er nicht, direkt am Hinterrad des Dänen zu bleiben. Stattdessen fuhr er einen exzellenten Berg und holte im Finale noch Sekunden zurück.
Vergleicht man die Kletterzeiten, war der Visma-Kapitän am Blockhaus nur 12 Sekunden schneller als der Decathlon-Profi – ein deutlicher Beleg für Galls Leistung.
Afonso Eulalio beeindruckte ebenfalls am Berg, hielt lange mit den Besten mit, brach dann ein und begrenzte dank der Arbeit von Damiano Caruso seinen Rückstand. Er verteidigte das Maglia Rosa um einen weiteren Tag, was für ihn bereits ein Erfolg ist.
Es war zugleich der verdiente Lohn für Bahrain Victorious, die fast den gesamten Tag das Feld anführten und das Rennen kontrollierten.
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Ruben Silva (CyclingUpToDate)
Ein schöner Renntag, die Erwartungen waren vor dem ersten echten Gipfelziel hoch – zumal der Blockhaus ein brutaler Anstieg ist. Dazu eine extrem lange Etappe, etwas, das der Giro beibehält und was man bei Tour de France und Vuelta a España, die eher die Sprinter schützen, kaum noch sieht. Hier treffen Distanz und Berge zusammen; die Müdigkeit einer Woche mit viel Regen und Stürzen verstärkte den Schaden, den der Schlussanstieg anrichtete.
Zunächst war Jonathan Milans frühzeitige Attacke eine positive Überraschung. 12 Punkte für die Maglia Ciclamino, die ihn fast nichts kosteten; während Quick-Step weder jemanden in der Gruppe hatte, noch ihn markierte, noch nachsetzte – und nicht einmal um die Gesamtwertung kämpfte. Für mich ist das eine komplette Verschwendung von Feuerkraft, ein Team, das die Details und den Schutz des Leadertrikots vernachlässigt.
Die Etappe musste am Ende über den Schlussanstieg entschieden werden, ohne echte Überraschungen. Visma bereitete für Jonas Vingegaard vor, der Däne attackierte und fuhr solo zum Sieg. Das hätte man im Januar auf einen Zettel schreiben können – kein gewagter Tipp.
Dahinter einige, die zu nah an die Sonne flogen und sich verbrannten: Afonso Eulalio, auf den ich als portugiesischer Fan stolz bin, bestätigte seine Kletterqualitäten direkt gegen die Großen. Es wird schwer, aber ich sehe Chancen, dass er das Rosa über das Zeitfahren der 10. Etappe hinaus behält.
Der andere war Giulio Pellizzari, der die Beine hatte, aber naiv Vingegaard folgte, der klar keinen explosiven Antritt setzte, sondern im hohen Tempo fuhr. Der Italiener klemmte sich ans Rad und konnte anschließend nicht einmal Felix Gall folgen. Er und Jai Hindley kamen gemeinsam ins Ziel, eine Hierarchie entstand nicht.
Gall ist keine Überraschung, aber es ist eine herausragende Leistung, die seine Klasse als reiner Kletterer voll zeigt. Im Kampf um Platz zwei hat er hier klar die Führung übernommen.
Ben O’Connor hat mich überrascht, mit seiner ersten echten Grand-Tour-Gesamtleistung seit 2024. Möglich, dass wir sein bestes Niveau über drei Wochen wiedersehen. Und Mathys Rondels sechster Platz ist ebenfalls bemerkenswert – zumal er vor 48 Stunden noch in ein UAE-Auto gefahren ist.
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Javier Rampe (CiclismoAlDia)
Jonas Vingegaard gehört nun zum exklusiven Klub der Fahrer, die alle drei Grand Tours gewonnen haben. Der Däne trat ihm spektakulär bei, mit einer überragenden Vorstellung an den Rampen des Blockhaus, einem Anstieg, auf dem einst Eddy Merckx glänzte, und er brach zudem Nairo Quintanas Rekord auf dieser brutalen Auffahrt.
Der Visma-Profi ist ein reiner Kletterer, was er mit einer vernichtenden Attacke mehr als fünf Kilometer vor dem Ziel bewies. Er fuhr solo davon und zerlegte alle Rivalen, insbesondere Giulio Pellizzari, der sich im Versuch, das Rad des längst legendären Dänen zu halten, übernahm.
An einem Tag, gezeichnet vom nahezu permanent schlechten Frühlingswetter in Italien, ertrugen die Fahrer 9 °C und starken Wind. In diesen infernalischen Bedingungen zerschmetterte Vingegaard jeden Gegner, der sich ihm in den Weg stellte. Afonso Eulalio bleibt in Rosa. Vorerst.
Aus hispanischer Sicht erfüllten weder Enric Mas noch Egan Bernal die Erwartungen. Der Movistar-Profi erwischte es deutlich härter, er erholte sich nach seinem Einbruch nicht mehr und kam fast sechs Minuten hinter dem Skandinavier ins Ziel. Der Kolumbianer hingegen fand einen zweiten Atem und beendete den Tag knapp unter drei Minuten Rückstand auf den großen Favoriten für die Trofeo Senza Fine in Rom.
Und Sie? Wie haben Sie die 7. Etappe des Giro d’Italia 2026 erlebt? Sagen Sie uns Ihre Meinung, teilen Sie Ihre Sicht auf die Schlüsselmomente und Zwischenfälle des Rennens und diskutieren Sie mit.

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Für Radsportaktuell.de berichtet er über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf Vorberichten, Rennzusammenfassungen und Analysen, mit denen er Entwicklungen im Peloton klar einordnet.
Bei seiner Arbeit wird Nic von den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattform CyclingUpToDate unterstützt, wodurch er regelmäßig direkten Zugang zu Teams, Fahrern und offiziellen Terminen erhält. Er arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus. In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026










