DISKUSSION Giro d'Italia Etappe 15 | Ist der Giro für Roglic gelaufen? Kann jemand Del Toro entthronen?
Radsport
Wir mussten über zwei Wochen warten, aber nun sind die Berge endlich da – und sie haben nicht enttäuscht. Eine Etappe über 220 km mit zwei brutalen Anstiegen forderte die Ausdauer aller Fahrer und forderte einige prominente Opfer.
Die größte Geschichte des Tages war Primož Roglič. Der Slowene hatte bereits am ersten Anstieg Schwierigkeiten, überstand jedoch zunächst die Attacken von Ineos – einem mutigen Team, das nichts zu verlieren hat. Doch der zweite Anstieg war zu viel für ihn: Völlig unerwartet brach er ein und verlor 1:30 Minuten auf die anderen Gesamtklassement-Fahrer.
Isaac Del Toro, der das Rennen weiterhin anführt, festigte seinen Vorsprung und hatte die Situation jederzeit im Griff. Er hatte auf jede Attacke eine Antwort und konterte die Angriffe von Bernal und Carapaz mit verblüffender Leichtigkeit.
Carlos Verona gewann erneut eine chaotische Etappe. Er griff die Ausreißergruppe direkt am Fuße des letzten Anstiegs an und fuhr die letzten 40 km solo bis ins Ziel – eine weitere beeindruckende Leistung von Lidl-Trek und bereits der sechste Etappensieg des Teams.
Nach der Etappe baten wir einige unserer Autoren, ihre Einschätzungen und wichtigsten Erkenntnisse zum heutigen Tag zu teilen.
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Pascal Michiels (RadsportAktuell)
Ich beginne mit einem kleinen Disclaimer: Ich werde Egan Bernal und Ineos nicht erwähnen. Sie haben versucht, etwas zu bewegen, sind am Dori-Anstieg aber letztlich gescheitert.
Roglič hingegen wurde am selben Anstieg abgehängt – und wenn er selbst Fahrer wie McNulty und Storer ziehen lassen musste, war klar, dass er einen richtig schlechten Tag hatte. Carapaz setzte gleich drei ernsthafte Attacken, die die Favoritengruppe an ihre Grenzen brachte. Und für mich ist es wirklich rätselhaft, dass UAE in genau diesen Momenten einfach nur hinterherfuhr – hunderte Meter lang direkt am Hinterrad von Carapaz, ohne etwas zu unternehmen. Dabei hatten sie die Chance, Roglič gleich mehrere Minuten einzuschenken.
Liegt es daran, dass Isaac Del Toro aktuell in deutlich besserer Form ist als der eigentliche Teamleader Ayuso? Wer weiß. Und als Simon Yates sich in den letzten paar hundert Metern des Anstiegs nach vorne schob, wirkte das eher wie eine Geste für die Kameras als ein echter Versuch, Roglič aus dem GC zu kegeln.
Am Ende war Carapaz für mich der Einzige, der echte Bewunderung verdient. Er hat Mut gezeigt und sein Rennen gemacht. Die anderen wirken weiterhin zögerlich, als würden sie lieber abwarten und beobachten — was sie noch bereuen könnten.
Denn was, wenn das Rogličs einziger schlechter Tag war? Dann haben alle, abgesehen von Carapaz, eine goldene Gelegenheit verstreichen lassen. Am Ende war das Risiko vielleicht gerechtfertigt. Roglič liegt jetzt vier Minuten hinter Isaac Del Toro – es hätten sechs sein können.
Rúben Silva (CyclingUpToDate)
Brillante Etappe – genau das, wofür der Giro steht – und ich bin froh, dass sie gehalten hat, was sie versprach. 220 Kilometer Vollgas, den ganzen Tag lang… Schon die Entstehung der Ausreißergruppe war spannend, und ich muss sagen: Danke an den Führungswechsel bei INEOS, denn ihre Taktiken sind diese Saison oft erfrischend – so auch heute.
Sie versuchten eine echte Offensive am Monte Grappa, die nur deshalb vereitelt wurde, weil UAE als das dominierende Team ein konservatives Rennen wollte. Am letzten Anstieg dann das erhoffte Chaos: Attacken, Taktik, Bewegung – genau so hatte ich mir diesen Tag vorgestellt. Und das Beste: Es gibt keinen klaren „Mann, den es zu schlagen gilt“, was das Rennen komplett offen hält.
Isaac del Toro scheint mit Abstand der Stärkste zu sein und hat erneut einen Haken hinter einen gefährlichen Tag gesetzt. Ehrlich gesagt wirkte es so, als hätte er jederzeit attackieren und den Unterschied machen können – aber UAE scheint bewusst darauf zu setzen, ihn in der zweiten Woche möglichst wenig zu fordern, damit er in der dritten nicht einbricht. Wenn das gelingt, wird er den Giro gewinnen. Doch die drei schwersten Tage stehen noch bevor.
Von den GC-Fahrern waren alle auf ihrem Level – mit Ausnahme von Primoz Roglic. Ein schlechter Tag, schlechte Beine… Ich habe schon länger gesagt, dass Rogličs Chancen, Zeit gutzumachen, in den Zeitfahren und explosiven Bergetappen lagen. Nun gehen wir in die Hochalpen – kein Terrain, das ihm liegt. Dennoch war seine Leistung heute weit unter dem, was man von ihm erwarten kann – sicher nicht sein normales Niveau. Damit verliert er aus meiner Sicht die Chance, den Giro zu gewinnen.
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Ein Podium ist theoretisch noch drin – wenn er zu seiner Bestform zurückfindet und konstant bleibt bis Rom. Aber vor allem: Nach zwei Wochen ultra-konservativem Racing könnte er jetzt endlich anfangen, Risiken einzugehen und zu attackieren – was wiederum Giulio Pellizzari mehr Freiheiten geben könnte, auf Etappensiege und eine Top-10 in der Gesamtwertung zu fahren. Beides ist absolut machbar.
Félix Serna (CyclingUpToDate)
Lidl-Trek ist nicht zu stoppen! Nach Ciccones Aufgabe gestern haben sie sich von diesem schweren Rückschlag erholt und ihren sechsten Sieg bei dieser Giro-Ausgabe eingefahren. Vielleicht sind sie nicht das stärkste Team, aber mit Abstand das erfolgreichste – und ich glaube, sie können mindestens noch einen weiteren Sieg holen. Hoffentlich mit Mathias Vacek, auch wenn er heute nicht so stark wirkte und früher aus der Fluchtgruppe rausfiel als sonst.
Der Start der Etappe war wild, jeder wollte in der Ausreißergruppe sein, und während des ersten Streckenabschnitts gab es keine Ruhe für die Fahrer. Der kleine, aber sehr harte Anstieg sorgte für Chaos im Peloton, was Antonio Tiberi stark zu schaffen machte, er musste viele Kilometer hinterherjagen.
Es sah so aus, als hätte er einfach keine Beine, und ich hatte Sorge, dass er auf den nächsten Anstiegen abgehängt werden würde, selbst wenn er zurück ins Feld kam. Doch das war nicht der Fall, und tatsächlich wirkte er wie einer der stärksten Fahrer. Bahrain hat noch zwei Asse im Ärmel, Tiberi und Caruso, sie sollten in der dritten Woche eine wichtige Rolle spielen.
Die Stürze haben Primoz Roglic definitiv zugesetzt. Es kursieren Gerüchte, dass er und das Team morgen entscheiden, ob er weitermacht oder nicht. Ich denke auch, dass seine Chancen auf den Gesamtsieg so gut wie vorbei sind, außer es gelingt ihm in der letzten Woche eine Wunderheilung, mit der er die verlorene Zeit wettmachen kann.
Wenn er aber wirklich stark von den Stürzen beeinträchtigt ist, wäre es meiner Meinung nach das Beste, auszusteigen und sich auf die Tour vorzubereiten. Um beim Giro nur um das Podium zu kämpfen, fühlt sich für einen Mann mit seinen Erfolgen irgendwie nicht genug an.
Es gibt keinen Zweifel: Isaac del Toro ist der stärkste Mann beim Giro, und das ist nicht einmal knapp. An der Hierarchie bei UAE sollte es keinen Zweifel geben – del Toro verdient es, als unangefochtener Leader behandelt zu werden, das hat er sich verdient. Er schloss jede Lücke zu Bernal oder Carapaz, und es wirkte so, als hätte er mitmachen können, wenn er gewollt hätte – doch UAE stoppte ihn.
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Die erste richtige Bergankunft steht am Dienstag an, und für mich ist er der absolute Favorit und der Mann, den es zu schlagen gilt. Das Rennen wird immer spannender, es ist schon eine Weile her, dass eine Grand Tour so offen in die dritte Woche geht. Das sollten wir feiern!
Jorge P. Borreguero (CiclismoAlDía)
Das UAE-Team hat einmal mehr gezeigt, dass es bei einer Grand Tour nicht wirklich weiß, wie man zusammenarbeitet. Sie hatten Glück, dass Roglič am Ende durch Carapaz’ Angriff auf Dori „nur“ eineinhalb Minuten verlor, aber ihr richtiger Moment wäre auf dem Monte Grappa gewesen.
Als Bernal attackierte und Del Toro sowie Carapaz ihm folgten, zog UAE das Feld, in dem Roglič, Simon Yates und Ayuso blieben, um den Spanier im Rennen zu halten. Wenn UAE dort nichts unternommen hätte, wäre der Kampf um das Gesamtklassement wohl deutlich zugunsten von Del Toro ausgegangen, da sie die Ausreißergruppe eingeholt und auf der verbleibenden Etappe mehr Zeit gutgemacht hätten.
Und du? Was denkst du zu allem, was heute passiert ist? Schreib einen Kommentar und diskutiere mit!
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026











