Die zehn Topfavoriten für die Weltmeisterschaften – Del Toro, Evenepoel, Seixas, Van Aert, Van Der Poel und weitere rücken in Pogacars Abwesenheit in den Vordergrund

Radsport
Montag, 14 September 2026 um 20:00
The contenders for the World Championships
Die UCI-Weltmeisterschaften 2026 rücken deutlich näher, die Radsportwelt ist bereits für eine große Rennwoche in Montréal und Kanada eingetroffen. Den Auftakt machen an diesem Wochenende die Zeitfahr-Meisterschaften, der Höhepunkt folgt im Straßenrennen der Männer-Elite am 27.09.
Da Tadej Pogacar nach seinem Sturz bei der Vuelta a España fehlt, ist das Feld nach zwei Regenbogentiteln in Serie offen wie lange nicht. Nachdem die vergangenen beiden Ausgaben von Pogacars Soli geprägt waren, verspricht dieses Jahr eine unberechenbare Ausgabe.
Das Fehlen des Slowenen verändert die Renn-Dynamik spürbar. Mehr Verantwortung lastet auf den Top-Nationen wie Belgien, Frankreich und den Niederlanden. Zugleich wittern viele Fahrer nun ihre Chance auf Edelmetall.
Knapp zwei Wochen vor dem Straßenrennen der Männer-Elite blicken wir vorab ohne Rangfolge auf die Top Ten der Favoriten. Von Vuelta-Protagonisten bis zu kanadischen Klassiker-Spezialisten haben bereits einige ihren Anspruch angemeldet.
Isaac del Toro gewinnt den GP de Montréal 2026
Isaac del Toro gewinnt den GP de Montréal 2026

Isaac del Toro

Mit einer Verbeugung im Ziel des GP de Montréal am Sonntag meldete sich der Mexikaner als einer der Fahrer, die es bei der WM zu schlagen gilt. Mit einem furchteinflößenden Antritt am Rundkurs-Anstieg schloss er in einem Schlüsselmoment zu Paul Seixas auf.
Danach fuhr er abgeklärt weiter und bewies die Nervenstärke, den Franzosen im Sprint auf der Zielgeraden zu schlagen.
Zwar wird er im Nationaltrikot nicht dieselbe Teamunterstützung haben, doch del Toro hat gezeigt, dass er am Sonntag mit den Besten mitgehen kann und darf von der Konkurrenz nicht übersehen werden.

Enric Mas

Auf der anderen Seite des Atlantiks krönte Enric Mas seinen Gesamtsieg bei der Vuelta a España in Stil und erwies sich über drei Wochen als komplettester Fahrer.
Mas führt gemeinsam mit Juan Ayuso die spanische Auswahl an. Bringt er seine Vuelta-Form mit, ist er als Sieganwärter keinesfalls zu streichen.
Da Mas die Fähigkeit zeigte, über den Hauptanstieg des Kurses hinweg standzuhalten, kann er seine rote Welle bis ans Ende des Regenbogens reiten?

Remco Evenepoel

Nach Pogacars Absage gilt er für viele als Topfavorit. Remco Evenepoel hat nach dem Wochenende allerdings einiges zu analysieren.
Der Belgier präsentierte sich beim GP de Québec am Freitag in Topform, verpasste jedoch in Montréal die entscheidende Gruppe nach einem heiklen Moment mit einem Lidl-Trek-Fahrer. Er schloss zwar wieder auf, verbrauchte dabei aber viel Energie und konnte auf der Schlussrunde nicht vollenden.
Evenepoel ist offensichtlich gut drauf, hat nun aber zwei lange Wochen, um den Sonntag auszumerzen. Läuft bei der WM alles nach Plan, wird er ein gewichtiges Wort um den Titel mitreden.
Remco Evenepoel jubelt
Remco Evenepoel bei der Clasica San Sebastian 2026

Wout van Aert

Der Visma - Lease a Bike-Fahrer hat nach einem Sommer zum Vergessen seine Form eindrucksvoll gefunden, mit zwei Etappensiegen bei der Vuelta a España und sieben Gesamtsiegen seines Teams.
Die Härte des Rundkurs-Anstiegs wirft Fragen auf, ob van Aert mit den Kletterern mithalten kann. Seine starke Spanien-Form deutet jedoch darauf hin: Er war sogar nahe am Gewinn des Bergtrikots.
Zusammen mit Evenepoel im Belgien-Trikot könnte das Duo die Doppelspitze taktisch ausspielen. Sicher ist: In Montréal sehen wir einen van Aert in Form und mit Siegermentalität.

Paul Seixas

Der junge Franzose schüttelte am Wochenende seinen Tour-de-France-Rost ab und initiierte den siegbringenden Zug beim GP de Montréal – auch wenn es am Ende nicht für die oberste Stufe reichte.
Sein Selbstvertrauen wächst, den Kurs zu prägen, doch am Anstieg wurde er von Isaac del Toro gestellt und im Sprint bezwungen. Er führt Frankreichs Team geschlossen für den Decathlon-Fahrer an.
Mit voller Teamunterstützung kann er Kräfte sparen und auf einen großen Angriff setzen. Der schwere Anstieg ermöglicht das Solo – vielleicht ist die Zukunft für Seixas schon jetzt.

Primoz Roglic 

Neben Mas und van Aert zählt auch Roglic zu den Vuelta-Fahrern, auf die man in Montréal achten sollte. Er führt ein Slowenien an, das durch die Pogacar-Absenz umgebaut ist.
Das könnte perfekter Deckmantel sein. Beim Renndiktat wird wenig Druck auf Slowenien lasten, was Roglic Freiheiten gibt.
Nach unterbrochener Vorbereitung im August und klarer Steigerung bei der Vuelta bis Platz zwei könnte er just in Montréal den Formhöhepunkt treffen.
Mathieu van der Poel
Mathieu van der Poel

Mathieu van der Poel

Der einzige Fahrer auf dieser Liste, der am Wochenende weder bei der Vuelta a España noch bei den kanadischen Klassikern im Einsatz war, wird leicht unterschätzt – dabei ist der Weltmeister von 2023 nicht zu übersehen.
Den Niederländer unterschätzt man auf eigene Gefahr, denn dieser Kurs liegt klar in seinem Repertoire. Mit einem Team, das um ihn herum aufgebaut ist, und der finalen Formschärfung bei der Tour de Luxembourg bekommen wir bald einen klaren Eindruck von der Verfassung des Alpecin-Profis.
Auch wenn das Profil eher Kletterern entgegenkommt, ist van der Poel in Montréal ohne Zweifel einer der Männer, die man im Blick haben muss. Mit Wellen, Abfahrten und einem ansteigenden Finale wäre er bei einer reduzierten Sprintankunft einer der Favoriten.

Tom Pidcock

Einer der Hauptanimateure beim GP de Montréal: Tom Pidcock ist nach seinem MTB-WM-Titel endgültig zurück auf der Straße. Er wird voraussichtlich das Team Großbritannien anführen.
Pidcock kommt in langen, zermürbenden Rennen bestens zurecht und profitiert davon, in Montréal weniger eng überwacht zu werden. Mit seinem harten Punch und einem soliden Sprint darf man ihn nicht abschreiben.

Ben Healy

Der Ire zeigte beim GP de Montréal seine beste Form der Saison – genau rechtzeitig, um an den Podestplatz aus dem Vorjahr anzuknüpfen.
Er fuhr am Sonntag lange Zeit an der Spitze und war schwer einzuholen. Wie Pidcock liebt er ein zähes, selektives Rennen und hofft auf ein Patt unter den Topfavoriten. Ein Angriff im richtigen Moment könnte ihn durchbringen.

Mads Pedersen

Der Däne reist mit den größten Fragezeichen zu den Weltmeisterschaften. Nach einem schwachen Vuelta-Start stieg er zur Halbzeit krankheitsbedingt aus.
Er saß vergangene Woche wieder auf dem Rad und wird bei gutem Verlauf nach Montréal reisen; dort könnte er die dänische Auswahl anführen. Auch wenn der kletterlastige Kurs ihm nicht ideal liegt, ist er in Topform einer, den man im Feld der Anwärter auf dem Zettel haben muss.

Honorable mentions

Eine Reihe von Außenseitern rechnet sich in Montréal ebenfalls Chancen aus. Von Jai Hindley, Ben O'Connor, Felix Gall und Richard Carapaz bis zu weiteren Kandidaten wie Giulio Ciccone, dem Youngster Lorenzo Finn, Tobias Johannessen und Christian Scaroni – die Herausforderer stehen bereit für das Regenbogentrikot.
Klatscht 2Besucher 1
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Aktuelle Kommentare

Loading