Der Kampf um das Rote Trikot der
Vuelta a Espana geht in seine entscheidende Phase.
Enric Mas führt die Gesamtwertung an, doch mit
Primoz Roglic befindet sich einer seiner größten Rivalen weiterhin in Schlagdistanz. Das Zeitfahren und die beiden abschließenden Bergetappen stehen noch bevor – und für
Alberto Contador ist vor allem die Form des Slowenen eine der großen Unbekannten dieser Rundfahrt. Sie könnte am Ende entscheidenden Einfluss auf den Ausgang der Vuelta nehmen.
Der ehemalige Profi blickt dabei insbesondere darauf, wie sich die Kräfteverhältnisse im Verlauf einer dreiwöchigen Rundfahrt verändern. Je weiter eine Grand Tour voranschreitet, desto stärker können die Unterschiede zwischen ausgewiesenen Spezialisten und jenen Fahrern schrumpfen, die in der Schlussphase noch über die größten Reserven verfügen. „Am Ende brauchen wir Roglic als direkten Rivalen fürs Gesamtklassement, denn er ist der erste, der über dem Österreicher steht“, sagte Contador bei Eurosports La Montonera. Gleichzeitig verwies er auf die Unsicherheit rund um den Kapitän von Red Bull - BORA - hansgrohe.
Contador rätselt über Roglics Form vor dem Vuelta-Finale
Für Contador bleibt nur schwer vorherzusagen, wie Roglic auf den letzten vier Etappen reagieren wird. Der Slowene hat im Laufe seiner Karriere mehrfach bewiesen, dass er sich innerhalb einer Grand Tour steigern kann. Wie viel er in der entscheidenden Phase dieser Vuelta noch zuzusetzen hat, dürfte deshalb maßgeblich darüber entscheiden, welche Ambitionen für ihn im Kampf um den Gesamtsieg realistisch sind. „Bei Roglic wissen wir einfach nicht, was diese letzten vier Etappen bringen können“, erklärte der dreimalige Sieger der Vuelta a Espana.
Wer gewinnt die Vuelta a Espana 2026?
Die Analyse von „El Pistolero“ basiert dabei auf einem Phänomen, das bei Grand Tours immer wieder zu beobachten ist: Mit zunehmender Renndauer können sich die Leistungsunterschiede zwischen Spezialisten und Fahrern, die nach fast drei Wochen noch in herausragender Verfassung sind, deutlich verringern. Die angesammelte Ermüdung verschiebt die Maßstäbe und kann Hierarchien verändern, die während der ersten beiden Wochen noch eindeutig erschienen.
„Im Verlauf einer Grand Tour gleichen sich die Abstände zwischen dem Spezialisten und dem Fahrer, der einfach sehr stark ist, in der Gesamtwertung meist deutlich an“, erklärte Contador. Genau diese Entwicklung könnte seiner Einschätzung nach im direkten Duell zwischen Mas und Roglic eine entscheidende Rolle spielen, wenn die Vuelta nun in ihre Schlüsseltage geht.
„Wir sehen den stärksten Enric Mas aller Zeiten“
Auf der anderen Seite der Gleichung steht für Contador ein Enric Mas in außergewöhnlich starker Verfassung. Der Kapitän des Movistar Teams geht im Roten Trikot in die entscheidende Phase und kann dabei auf das Selbstvertrauen bauen, die bislang schwierigsten Tage der Rundfahrt erfolgreich kontrolliert zu haben. Für Contador ist die aktuelle Form des Mallorquiners eines der zentralen Argumente im Kampf um den Gesamtsieg.
„Wir sehen den stärksten Enric Mas aller Zeiten – und einen Primoz Roglic, der vielleicht nicht mehr auf seinem absoluten Topniveau ist“, sagte Contador. Dieser Unterschied in der aktuellen Verfassung sorgt aus seiner Sicht dafür, dass ein Duell ausgeglichener erscheint, das angesichts der Erfahrung und des Palmarès von Roglic auf dem Papier womöglich eine deutlichere Angelegenheit hätte sein können.
Das anstehende Zeitfahren wird damit zum nächsten entscheidenden Gradmesser. Roglic besitzt gegen die Uhr zweifellos starke Argumente, doch selbst wenn Mas dort Zeit verlieren sollte, bleiben ihm anschließend noch zwei Möglichkeiten im Hochgebirge, um zurückzuschlagen. „Das nivelliert die Waage wirklich, zumal wir, wie gesagt, schon sehr tief in der Vuelta a Espana sind“, fügte Contador hinzu.
Auch der Etappenplan könnte dem Träger des Roten Trikots entgegenkommen. Selbst wenn Roglic beim Zeitfahren Boden auf Mas gutmachen sollte, folgen anschließend noch zwei äußerst schwere Etappen. Dort könnte der Spanier entweder verlorene Zeit zurückholen oder einen bestehenden Vorsprung weiter ausbauen. „Unabhängig vom Ergebnis des Zeitfahrens folgen dann zwei sehr harte Etappen, in denen er Roglic unter Druck setzen oder bei Bedarf Zeit zurückholen könnte“, erklärte Contador abschließend.
Damit zeichnet der frühere Vuelta-Sieger das Bild eines weiterhin völlig offenen Duells. Enric Mas geht mit starken Argumenten in die entscheidenden Tage der Rundfahrt, während die tatsächliche Verfassung von Roglic eine der großen Unbekannten bleibt. Das Zeitfahren könnte die Gesamtwertung noch einmal kräftig durcheinanderwirbeln – doch in den anschließenden Bergen erhält der Kapitän des Movistar Teams seine letzten Gelegenheiten, das Rote Trikot auf dem Weg nach Madrid zu verteidigen oder seinen Vorsprung sogar noch auszubauen.