Während Dave Brailsford leise, aber unübersehbar zu
INEOS Grenadiers zurückkehrt, beginnen die Mitarbeitenden im Gefüge zu formulieren, wie bedeutsam seine Rückkehr tatsächlich ist.
„Er hat einen enormen Einfluss in diesem Team und ist der Kopf des Projekts. Er ist derjenige, der uns antreibt, das Beste aus uns herauszuholen, und der die Dinge wirklich nach vorne bringt“,
sagte INEOS-Sportdirektor Imanol Erviti im Gespräch mit Marca.Es ist eine Bestätigung, die das untermauert, was in den vergangenen sechs Monaten zunehmend offensichtlich wurde.
Brailsfords Präsenz ist weder symbolisch noch nostalgisch. Sie ist strukturell.
Führung kehrt an die Spitze zurück
Brailsfords erneute Einbindung Ende 2025 fiel in eine Phase, in der INEOS nicht nur Ergebnisse, sondern auch Identität neu bewertete. Die Tour-de-France-Ambitionen bleiben intakt, doch der Weg dorthin wird eher über Führung, Standards und interne Klarheit als über Schlagzeilen definiert.
Erviti ist nicht der Einzige bei INEOS, der die Wirkung von Brailsfords Rückkehr registriert hat. Zuvor hatte Entwicklungsfahrer Davide Frigo die Ausstrahlung des Briten ähnlich plastisch beschrieben und erklärt, „wenn er einen Raum betritt, spürt man es“ – ein Spiegel der Autorität und Richtung, die nun durch die Organisation sickert.
Aus Ervitis Perspektive im Begleitfahrzeug zeigt sich derselbe Effekt in praktischen Facetten: Er prägt Standards, Erwartungen und den Arbeitsalltag, ohne ständige Eingriffe zu benötigen.
Wichtig ist für Erviti, dass dabei nicht die Fundamente eingerissen wurden. „Ich glaube, die DNA geht nicht verloren“, erklärte er. „Gleichzeitig lassen sich Aspekte modernisieren, und Dinge können sich verändern. Es ist ein stetiger Prozess. Wir müssen uns aktualisieren und in bestimmten Bereichen einen Schritt nach vorn machen.“
Dieses Gleichgewicht aus Kontinuität und Weiterentwicklung ist zum prägenden Merkmal des INEOS-Resets geworden.
Brailsford über eine Ära der Grand-Tour-Dominanz bei Team Sky/INEOS Grenadiers
Eine neue Führungsebene hinter den Kulissen
Parallel zu Brailsfords Rückkehr hat INEOS im Teamwagen eine leise, aber ebenso wichtige Verschiebung vollzogen.
Geraint Thomas, der Ende 2025 seine Karriere beendete, ist als Director of Racing in eine neue Rolle gewechselt.
Ervitis Urteil über Thomas ist eindeutig. „Ich bin sehr zufrieden mit seiner Arbeit“, sagte er. „Trotz seiner Größe als Fahrer ist er ein sehr normaler Mensch, der Dinge einfach macht. Er achtet stets auf die Teamkultur und auf taktische Aspekte.“
Für eine Mannschaft, die in den letzten Saisons Führung auf der Straße verloren hat, bringt Thomas’ Übergang eine wichtige Schicht gelebter Erfahrung zurück in die Entscheidungsfindung. Sein Verständnis für Renndynamik, Druckmomente und Führung aus dem Peloton fließt nun direkt in die Strategie ein.
Erviti betonte, dass sich dieser Einfluss nicht sofort in Schlagzeilenresultaten niederschlägt. „Er macht einen guten Job, der nach und nach Früchte tragen wird“, sagte er.
Stabilität in einer Phase des Wandels
INEOS hat den Kader für 2026 umgebaut, jüngere Fahrer mit Langzeitpotenzial verpflichtet und gleichzeitig Abgänge erfahrener Kräfte wie Jonathan Castroviejo und Omar Fraile akzeptiert. Erviti beschrieb diese Trennungen als ruhig und von den Fahrern mitgetragen, was ein Gefühl von Stabilität statt Umbruch unterstreicht.
Vor diesem Hintergrund wirkt die neue Führungsstruktur bewusst gesetzt. Brailsford gibt Richtung und Standards vor. Thomas überbrückt die Lücke zwischen Fahrer-Erfahrung und taktischer Umsetzung. Direktoren wie Erviti übersetzen diese Vision in den Tagesbetrieb.
Auf Saisonziele angesprochen, vermied Erviti konkrete Zielmarken. Stattdessen definierte er Erfolg über die Entwicklung. „Der Wunsch ist, zu wachsen, Fortschritte zu machen und zu spüren, dass sich das Projekt nach oben bewegt“, sagte er. „Das motiviert mich am meisten.“
Das ist eine aufschlussreiche Antwort. Kein Versprechen sofortiger Dominanz, sondern eine klare Formulierung des Anspruchs.
Während INEOS weiter versucht, an die Spitze des Sports zurückzukehren, deuten Stimmen aus dem Team darauf hin, dass Führung – und nicht allein Transfers – zum Eckpfeiler dieses Prozesses geworden ist.