„Die Überlegenheit von Pogacar hat eine gewisse Schönheit“ - Erik Dekker verteidigt die Dominanz des Weltmeisters

Radsport
durch Nic Gayer
Mittwoch, 04 März 2026 um 18:00
pogacar
Während sich Tadej Pogacar auf sein Comeback beim Strade Bianche vorbereitet, begleitet den Weltmeister im Peloton erneut eine vertraute Diskussion.
In den vergangenen Saisons gewann Pogacar nicht nur regelmäßig - er tat es häufig in überwältigender Manier. Immer wieder entschied er Rennen mit langen Attacken weit vor dem Ziel, ließ seine Rivalen zurück und verschob die Spannung im Finale von der Frage nach dem Sieger hin zur Frage, wer noch auf das Podium fahren könnte.

Pogacars Langstreckenangriffe verändern die Dramaturgie der Rennen

Für manche Beobachter hat dieses Muster eine breitere Debatte ausgelöst, ob eine solche Dominanz den größten Rennen Spannung nehmen könnte. Ex-Profi Erik Dekker vertritt jedoch eine andere, ebenso bemerkenswerte Perspektive.
Der größte Star des modernen Radsports: Tadej Pogacar
Der größte Star des modernen Radsports: Tadej Pogacar
Im Gespräch mit WielerFlits erklärte der vierfache Tour-de-France-Etappensieger, dass Pogacars Überlegenheit eher Bewunderung als Skepsis verdiene. „Die Überlegenheit von Pogacar - und auch die von Mathieu van der Poel in den Rennen, die ihm liegen, aber bei Pogacar ist es noch extremer - darin liegt eine gewisse Schönheit.“
Die Diskussion über Pogacars Dominanz dreht sich dabei nicht nur um seine Siegquote, sondern vor allem um die Art seiner Erfolge.
Immer wieder fällt die Vorentscheidung deutlich früher als erwartet. Pogacar attackiert an einem Schlüsselanstieg oder auf einem Schottersektor, distanziert die Favoriten und fährt anschließend lange Solo-Passagen bis ins Ziel.
Dieses Muster zeigte sich sogar bei Rennen, die normalerweise für taktische und enge Finals bekannt sind. Sowohl die Ausgaben 2024 und 2025 der UCI-Strassen-Weltmeisterschaften als auch die UCI-Strassen-Europameisterschaften 2025 wurden letztlich durch lange Soloangriffe entschieden, die den Ausgang deutlich früher festlegten, als es bei Meisterschaften üblich ist.
Dekker versteht, warum dieser Rennstil bei vielen Fans die Frage aufwirft, wann jemand Pogacar endlich stoppen kann. „Aber wir nähern uns allmählich dem Punkt, an dem wir bereit sind, dass er auch mal geschlagen wird“, sagte er. „Denn Pogacar scheint jedes Jahr stärker zu werden. Ich kann mir vorstellen, dass das breite Publikum das bedauerlich findet.“
Für den Niederländer überwiegt jedoch das Spektakel solcher Auftritte den möglichen Verlust an Ungewissheit. „Ich kann ja nicht an seinem Sattel ziehen“, sagte Dekker lachend. „Aber persönlich finde ich die Schönheit größer als das Fehlen von Spannung.“

„Das Wesen des Radsports ist immer noch dasselbe“

Ein Teil der Faszination liegt für Dekker auch darin, wie stark sich der Sport seit dem Ende seiner Karriere verändert hat. „Das Wesen des Radsports ist immer noch dasselbe“, erklärte er. „Wenn wir den Fernseher einschalten, ist der Erste von A nach B immer noch der Sieger.“
Rund um dieses einfache Prinzip hat sich der Profisport jedoch massiv weiterentwickelt. „Aber darum herum hat sich so viel gewandelt. Die Budgets, die Wissenschaft, die Trainingsmethoden, die Ernährung heutzutage. Das hat sich enorm verändert.“
In einem solchen Umfeld tauchen gelegentlich Fahrer auf, die eine ganze Ära prägen. Dekker sieht Pogacar klar in dieser Kategorie. „Es gibt jetzt einen Fahrer wie Pogacar, der nur einmal in einem halben Jahrhundert auftaucht.“

Eine kleine Gruppe von Superstars prägt den modernen Radsport

Im größeren Zusammenhang beobachtet Dekker, dass der moderne Radsport zunehmend von einer kleinen Gruppe außergewöhnlicher Fahrer geprägt wird, die in vielen verschiedenen Rennen gewinnen können.
„Überraschungen gibt es immer“, sagte er. „Aber die fünf, sechs, sieben Superstars im modernen Radsport diktieren wirklich alles.“
Diese Konzentration von Klasse führt auch dazu, dass die größten Stars nicht immer direkt gegeneinander antreten. „Sie landen auch selten im selben Peloton, in dem sie alle gemeinsam um den Sieg fahren müssen.“
Dennoch ist Dekker überzeugt, dass sich Kräfteverhältnisse im Spitzensport irgendwann verschieben. „Aber jeden Tag kommen wir dem Moment näher, in dem Pogacar nicht mehr der beste Fahrer der Welt ist“, sagte er und ergänzte vorsichtig: „Ob das schon in dieser Saison der Fall sein wird, bezweifle ich.“
Für den Moment richtet der Niederländer eine einfache Botschaft an die Fans. „Es sind großartige Fahrer, und ich schaue ihnen gerne zu.“
Da Pogacar nun erneut beim Strade Bianche startet, dürfte diese Wertschätzung für außergewöhnliche Leistungen bald wieder auf die Probe gestellt werden. Wenn die jüngsten Saisons ein Hinweis sind, könnte die Entscheidung erneut lange fallen, bevor das Ziel in Sicht kommt.
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