Remco Evenepoel ist ebenso Eintagesspezialist wie Rundfahrer. Mit seiner Fähigkeit, lange Distanzen, kurze Efforts und komplexe Taktiken zu meistern, rückt ein Debüt in den Kopfsteinpflaster-Klassikern seiner Heimat immer näher.
Philippe Gilbert, der Evenepoel in jungen Jahren begleitete und die Ronde van Vlaanderen gewonnen hat, hofft, dass die Entscheidung für das Rennen an diesem Sonntag fällt.
Im Winter stand zur Debatte, ob Evenepoel 2024 entweder Milano–Sanremo oder die Ronde van Vlaanderen anvisieren sollte, um seinen Rennkalender in neue Gefilde zu erweitern. Nachdem Tadej Pogačar seine Klasse gezeigt und beide Rennen gewonnen hat, besteht kein Zweifel mehr, dass auch Fahrer, die oft als Kletterer gelten, den Sprung schaffen können.
Doch Evenepoel ist ein Allrounder, der auf fast jedem Terrain überzeugt. In Flandern hoffte man lange, er würde sein Flandern-Debüt in einem Quick-Step geben, das nicht mehr konkurrenzfähig war; und obwohl die Leistungen bei Red Bull - BORA - hansgrohe stärker sind, hätte Evenepoel dort wohl dennoch eine führende Rolle.
Das Rennen ist über die Jahre immer weniger taktisch geworden und zuletzt oft zur Frage mutiert, ob Tadej Pogačar oder Mathieu van der Poel an den Anstiegen attackieren und solo durchziehen. In diesem Szenario wäre Evenepoels fehlende Erfahrung beim flandrischen Monument kaum ein Nachteil. Zuvor hat Julian Alaphilippe diesen Wechsel im Team von Evenepoel bereits vollzogen und schnell ein Topresultat erzielt.
Ist Evenepoel in der Lage, die Ronde zu gewinnen?
Die Befürworter eines Starts sind nicht nur Fans, die einen weiteren Topstar bei De Ronde sehen wollen, sondern auch Stimmen aus dem Peloton. Nach einer Katalonien-Rundfahrt, in der er starke Form zeigte, und mehreren rennfreien Wochen meint Philippe Gilbert, jetzt sei der richtige Moment für ein Debüt – mit weniger Druck als in anderen Jahren.
„Wenn ich mir das BORA-Team derzeit ansehe… Die Mannschaft performt an den Schlüsselmomenten der Klassiker am besten, aber es fehlt aktuell ein echter Leader“, argumentierte der Ex-Sieger in RTLs Sendung Dans le peloton. „Ein Fahrer, der diese Rennen gewinnen kann. Remco Evenepoel ist der perfekte Mann dafür“.
Gilbert spricht aus Kenntnis von Evenepoels Fähigkeiten, da beide zusammen gefahren sind – und der Olympiasieger sich seither kontinuierlich weiterentwickelt hat. Der Ex-Profi plädiert vehement für dieses Debüt, das am Dienstag erneut eine breite Debatte auslöste, nachdem Wielerflits berichtete, dass er an diesem Donnerstag mit dem Team eine Streckenbesichtigung absolviert.
„Ich weiß, dass Remco und sein Vater Patrick uns zusehen. Remco, du bist aktuell in Topform und ich bin von deinen Qualitäten als Eintagesfahrer überzeugt. Mit deiner Kenntnis des Parcours – schließlich trainierst du regelmäßig auf den Straßen der Ronde – braucht dich das Team am Sonntag wirklich.“