Die
Vuelta a Espana 2026 ist Geschichte – und
Oscar Onley verlässt Spanien mit dem Weißen Trikot auf den Schultern. Nach dem Ausstieg von Tadej Pogacar hatte der Profi von Netcompany INEOS seine Ziele für die Gesamtwertung noch einmal höher gesteckt. Am Ende stehen der Gewinn der Nachwuchswertung und ein Top-5-Ergebnis als wichtigste Ausbeute des britischen Teams bei dieser Grand Tour.
In Granada durfte Onley seinen Erfolg feiern, nachdem er die Nachwuchswertung vor Jakob Omrzel für sich entschieden hatte. Für den Schotten war es die erste und einzige Grand Tour des Jahres – und drei Wochen, die ihm körperlich wie mental alles abverlangten.
„Es ist eine Erleichterung, dass es jetzt vorbei ist“
„Es waren drei lange Wochen, glaube ich. Bei so einer Rundfahrt herrschen immer viel Spannung und Stress, vor allem wenn man um die Gesamtwertung fährt; deshalb fühlt es sich gut an und ist eine Erleichterung, dass es jetzt vorbei ist“, erklärte der Gewinner des Weißen Trikots nach dem Rennen.
Oscar Onley beendet die Vuelta a Espana 2026 mit dem Weißen Trikot und einem Top-5-Ergebnis und setzt damit nach einer schwierigen Saison ein wichtiges Ausrufezeichen.
Immer wieder ließ Onley während der drei Wochen jene Kletterqualitäten aufblitzen, mit denen er sich bereits zuvor einen Namen gemacht hatte. Auf den zahlreichen Hochgebirgsetappen gelang es ihm am Ende allerdings nicht, sich noch bis auf das Podium der Gesamtwertung nach vorne zu schieben.
Dennoch war die Vuelta für den Briten ein wichtiger Schritt. Erstmals führte Onley Netcompany INEOS bei einer dreiwöchigen Rundfahrt als Kapitän an und sammelte dabei wertvolle Erfahrungen. Die Erwartungen und der Druck bei seinem neuen Team sind deutlich größer als zuvor bei Picnic PostNL.
Besonders positiv blickt Onley auf die Zusammenarbeit innerhalb der Mannschaft zurück. „Ehrlich gesagt war das Team, das wir hier hatten, wirklich unglaublich – nicht nur, wie wir gefahren sind, sondern auch die Stimmung abseits des Rads und abends am Esstisch. Daran werde ich lange denken.“
Gerade diese besondere Dynamik innerhalb einer Mannschaft lasse sich nicht planen. „So etwas kann man nicht erzwingen, aber wenn die Chemie stimmt und alles natürlich zusammenläuft, ist das etwas ganz Besonderes. Ich habe es sehr genossen.“
Krankheiten und Stürze kosten Onley wertvolle Kraft
Für Netcompany INEOS blieb die Vuelta dennoch ohne Etappensieg. Der bislang letzte Erfolg der Mannschaft datiert vom 16. August und liegt damit beinahe einen Monat zurück. Andrew August, der das Team verlassen wird, sorgte damals für den Sieg. Seitdem blieb der britische Rennstall sowohl bei der Vuelta als auch in der bisherigen Herbstphase ohne weiteren Erfolg.
Onley selbst kam einem Triumph auf der neunten Etappe besonders nahe. An jenem Tag übernahm Enric Mas erstmals das Rote Trikot. Der spätere Gesamtsieger erwies sich auf den entscheidenden Metern des Schlussanstiegs jedoch als stärker und verhinderte Onleys Etappenerfolg.
Der Schotte blickt trotzdem nicht mit Bedauern auf die vergangenen drei Wochen zurück. Zu viele seiner Schwierigkeiten lagen außerhalb seines eigenen Einflussbereichs.
„Ich würde nicht sagen, dass ich etwas bereue. Es gab ein paar Rückschläge, aber nicht durch Dinge, die ich wirklich kontrollieren konnte. In der ersten Woche war ich etwas krank, danach hatte ich ein paar Stürze – das ist natürlich nie ideal. Ich habe viel daraus gelernt, wie wir als Team geplant haben, um wieder in Topform zu kommen.“
Starkes Vuelta-Finale nach schwierigem Sommer
Nach einem alles andere als optimalen Sommer war Onley ohnehin nicht mit den allerhöchsten Erwartungen zur Vuelta gereist. Gerade im Vergleich zu seinen Leistungen aus dem Jahr 2025 war die Saison 2026 bis dahin nicht nach Wunsch verlaufen.
Umso wichtiger ist das Ergebnis in Spanien. Mit dem Weißen Trikot, einem Top-5-Platz in der Gesamtwertung und konstanten Leistungen über drei Wochen hat Onley seine Qualitäten als Rundfahrer erneut unter Beweis gestellt. Gleichzeitig lieferte er Netcompany INEOS Argumente dafür, auch 2027 auf ihn als Klassementfahrer zu setzen.
Onley selbst ordnet seine Saison entsprechend nüchtern ein. „Ich denke, man kann fair sagen, dass dies keine großartige Saison für mich war, daher ist allein das Beenden der Vuelta schon ein Erfolg. Und natürlich ist es schön, drei Wochen auf anständigem Niveau zu fahren.“
Gerade nach den Rückschlägen der vergangenen Monate nimmt der Schotte deshalb mehr aus Spanien mit als lediglich das Weiße Trikot und seine Platzierung in der Gesamtwertung.
„Das gibt mir viel Motivation und Vertrauen für die Zukunft“, schloss Onley.