Eddy Merckx gilt weithin als der größte Profi-Radfahrer aller Zeiten. Aktuell wird
Tadej Pogacar häufig mit dem „Kannibalen“ verglichen, manche sehen den Slowenen sogar bereits über ihm. Merckx selbst hält solche Vergleiche jedoch für wenig sinnvoll, weil sich die Epochen des Radsports grundlegend unterscheiden.
Im Gespräch mit der
Gazzetta dello Sport zeigte sich Merckx besonders beeindruckt vom Sieg Pogacars bei
Mailand-Sanremo. „Am wichtigsten war dieser Sturz vor der Cipressa. Wer wäre da nicht entmutigt? Wer hätte Sanremo nicht für verloren gehalten oder zumindest stark beeinträchtigt? Er nicht. Seine Reaktion war die eines echten Champions.“
Sturz, Comeback und Sprint beeindrucken den „Kannibalen“
Der Highspeed-Sturz brachte Pogacar zunächst zu Boden und blieb keineswegs ohne Folgen. Dennoch stand er sofort wieder auf und setzte das Rennen fort, obwohl er deutliche Straßenschürfwunden davongetragen hatte. „Er hätte das Rennen dort verlieren können, aber er blieb voll im Rennen - das zeigte, dass er einen außergewöhnlich guten Tag hatte.“
Auch der Schlusssprint, in dem er Tom Pidcock bezwang, beeindruckte Merckx besonders - vor allem angesichts der schwierigen Rennsituation. „Von vorne fahren, mit Kraft und Überzeugung. Es war genau wie bei Mathieu van der Poel im letzten Jahr, erinnern Sie sich? Wenn du so sprintest, besteht kein Zweifel, dass du der Stärkste bist. Ich konnte die Via Roma mit geschlossenen Augen fahren, sie steigt leicht an, und Sprints auf solchem Terrain lügen nie.“
Merckx, der in seiner Karriere 19 Monumente gewann, sieht den Slowenen seinem Rekord langsam näherkommen - nun mit dessen elftem Triumph. Da alle vier übrigen Monumente in dieser Saison noch anstehen, könnte sich der Abstand weiter verkleinern. „Er hat diesen Sieg verdient, das einzig Merkwürdige war, dass er es nicht schon früher geschafft hatte.“
Vergleiche zwischen Pogacar und Merckx
Merckx zeigt sich dennoch skeptisch gegenüber den ständigen Vergleichen. „Nein, das ergibt keinen Sinn. Er ist schlicht Pogacar, der derzeit beste Rennfahrer der Welt. Und das ist er seit mehreren Saisons. Er ist noch keine 38, also scheint er im Sport noch viel Zeit vor sich zu haben. Und er ist besser in diese Saison gestartet als zuvor.“
Auch die unterschiedlichen Rennstile und Rennkalender beider Generationen machen Vergleiche aus seiner Sicht wenig sinnvoll. „Der Radsport heute ist Lichtjahre von dem entfernt, was er zu meiner Zeit war. Wie soll man zwei so unterschiedliche Welten vergleichen? Wie will man sagen, wer der Stärkste war?“