Quick-Step-Teamchef erklärt, worauf er bei Neuverpflichtungen achtet – und befeuert damit Gerüchte um einen INEOS-Sprinter

Radsport
durch Nic Gayer
Dienstag, 11 August 2026 um 18:00
Ben Turner
Soudal - Quick-Step gehörte über viele Jahre zu den Schwergewichten auf dem Transfermarkt. Auch heute besitzt die belgische Mannschaft weiterhin große Strahlkraft, bei Neuverpflichtungen hat sich die Strategie allerdings verändert. Statt ausschließlich auf etablierte Stars zu setzen, konzentriert sich das Team zunehmend auf Fahrer mit Entwicklungspotenzial. Teamchef Jurgen Fore hat nun detaillierter erklärt, nach welchen Profilen Quick-Step sucht – und damit auch die Spekulationen um eine mögliche Verpflichtung von Ben Turner von Netcompany INEOS weiter befeuert.
Die Belgier wollen ihren Kader mit Fahrern verstärken, die bereits Erfahrung auf höchstem Niveau besitzen, gleichzeitig aber noch nicht am Ende ihrer Entwicklung angekommen sind. Zwei entsprechende Transfers für 2027 stehen bereits fest. Weitere könnten folgen.

Teutenberg und Milesi als erste große Neuzugänge für 2027

Ceriel Desal wurde bereits bis 2027 in die Elite-Mannschaft befördert. Darüber hinaus hat Soudal - Quick-Step zwei externe Neuzugänge öffentlich gemacht: Sprinter Tim Torn Teutenberg kommt von LIDL-Trek, während Lorenzo Milesi Movistar Team verlässt. Der Italiener machte zuletzt beim Giro d'Italia unter anderem mit eindrucksvoller Arbeit für seine Kapitäne auf sich aufmerksam.
Tim Torn Teutenberg klatscht.
Tim Torn Teutenberg verlässt LIDL-Trek zum Saisonende und wechselt 2027 zu Soudal Safety Jogger. Der 24-Jährige soll dort seine Qualitäten im Sprint, Lead-out und bei den Klassikern weiterentwickeln.
„Lorenzo und Tim Torn sind beide sehr große Talente. Sie haben in den Nachwuchsklassen viel gewonnen und gleichzeitig schon Erfahrung auf WorldTour-Niveau gesammelt“, sagte Fore gegenüber Het Nieuwsblad.
Beide Fahrer haben bereits bewiesen, dass sie auf höchstem Niveau bestehen können. Gleichzeitig finden ihre jeweiligen Qualitäten im aktuellen Kader der Belgier einen klaren Platz. Nach dem Abgang von Remco Evenepoel im vergangenen Winter hat sich die Mannschaft wieder stärker auf jene Bereiche konzentriert, die über viele Jahre ihre Identität geprägt haben: Sprints und Kopfsteinpflaster-Klassiker.
Tim Merlier und Paul Magnier dominierten die Sprints beim Giro d'Italia beziehungsweise bei der Tour de France. Die Verpflichtung von Dylan van Baarle brachte dagegen kaum Veränderungen, während Jasper Stuyven mit seinem Podiumsplatz bei Paris-Roubaix überzeugte und über die gesamte Saison hinweg eine wichtige Rolle als Anfahrer für Magnier und Merlier einnahm.
Mit weiteren Neuverpflichtungen möchte Soudal - Quick-Step insbesondere seine Qualität abseits des Hochgebirges ausbauen. Teutenberg passt dabei genau in die gewünschte Ausrichtung.
„Tim Torn ist jemand, der ziemlich schnell ist. Nicht der Typ Merlier oder Magnier, aber einer, der eine kleine Steigung gut verträgt. Er kann bei uns im Lead-out eine Rolle spielen und hat das Potenzial, künftig selbst Rennen zu gewinnen.“
Auch Milesi bringt ein Profil mit, das der Mannschaft zusätzliche Möglichkeiten eröffnen soll. „Milesi ist etwas punchiger und ein starker Zeitfahrer. In dieser Disziplin war er U23-Weltmeister. Mit diesen Qualitäten kann man auch einwöchige Rundfahrten gewinnen.“

Wen Quick-Step sucht – und warum Ben Turner ins Profil passt

Gleichzeitig verabschiedet sich die belgische Mannschaft weiter von ihren bisherigen Ambitionen im Hochgebirge. Mikel Landa wechselt zu Euskaltel - Euskadi, während sich auch um Mauri Vansevenant und Max Schachmann hartnäckig Abgangsgerüchte halten. Für die dadurch entstehenden Lücken hat Quick-Step ein klares Anforderungsprofil definiert.
„Das sind die Profile, nach denen wir gesucht haben: Fahrer zwischen 23 und 30 Jahren mit Entwicklungspotenzial. Sie sorgen für einen guten Mix aus erfahrener Garde und Jungs, die gerade erst anfangen.“
Neben den bereits bestätigten Neuverpflichtungen wird vor allem Ben Turner von Netcompany INEOS intensiv mit Soudal - Quick-Step in Verbindung gebracht. Der britische Klassikerfahrer und Sprinter hat sich insbesondere seit seiner stärkeren Ausrichtung auf die Sprints während der vergangenen beiden Saisons deutlich weiterentwickelt.
Turners Kombination aus Klassikerqualitäten und Endschnelligkeit entspricht einem Fahrertyp, der historisch hervorragend zu Quick-Step passt. Von Tom Boonen bis zum heutigen Paul Magnier gehörten schnelle und zugleich klassikerstarke Fahrer immer wieder zu den zentralen Säulen der belgischen Mannschaft.
Wann mögliche Transfers öffentlich gemacht werden, unterscheidet sich von Team zu Team und von Agentur zu Agentur. Während einige Wechsel bereits ab dem 1. August kommuniziert werden, warten andere Beteiligte bis zum Saisonende. Ob Turner bereits einen Vertrag unterschrieben hat, ist daher weiterhin offen. Die Aussagen von Fore beschreiben allerdings ziemlich genau jenes Profil, das der 27-jährige Brite verkörpert.
Bei der Suche nach geeigneten Fahrern betrachtet Quick-Step dabei nicht nur Rennergebnisse, sondern analysiert auch deren bisherige Entwicklung und Trainingshistorie.
„Dabei schauen wir unter anderem auf frühere Trainingsdaten. Ein junger Fahrer, der schon trainiert wie ein 30-jähriger Profi, hat oft wenig Spielraum nach oben. Bei Tim Torn und Lorenzo haben wir gesehen, dass es noch Luft nach oben gibt. Nicht täuschen lassen: Das sehen andere Teams auch. Entsprechend haben solche Fahrer ihren Preis. Von Schnäppchen kann keine Rede sein“, betonte Fore.
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