„Bist du zu 100 Prozent ein Idiot?“ – US-Amerikaner Chris Horner kritisiert Mathieu van der Poel nach kurioser Tirreno–Adriatico-Taktik scharf

Radsport
durch Nic Gayer
Montag, 16 März 2026 um 15:00
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Der frühere US-Profi Chris Horner hat auf seinem YouTube-Kanal die Schlussetappe von Tirreno - Adriatico analysiert und dabei deutliche Kritik an der Fahrweise von Mathieu van der Poel geäußert. Der Fahrer von Alpecin - Premier Tech verschärfte am letzten Anstieg des Tages das Tempo, sprengte das Feld und ließ dabei sogar Jasper Philipsen zurück, bevor er weiter Druck machte - eine Aktion, die sofort Fragen nach seiner eigentlichen Rennstrategie aufwarf.
Die finale Etappe nach San Benedetto del Tronto enthielt zwei frühe Anstiege, an denen Alpecin - Premier Tech zunächst das Tempo kontrollierte. Am zweiten Anstieg übernahm van der Poel selbst die Führung im Peloton auf der rund sieben Kilometer langen Steigung. Da der Anstieg im Schnitt nur 4,6 % aufwies, blieb der Schaden im Feld begrenzt. Das Tempo reichte jedoch aus, um viele Sprinter abzuhängen. Zunächst setzte der Niederländer die Attacke noch mit Jasper Philipsen am Hinterrad, doch nach wenigen Kilometern fiel der Belgier zurück.

Horner kritisiert van der Poels Taktik scharf

Nach dem Rennen erklärte der Niederländer seine Strategie: „Der Plan war, einigen Sprintern weh zu tun. Als Team haben wir unseren kleinen Plan gut umgesetzt.“ Doch diese Erklärung lässt laut Beobachtern wichtigen Kontext vermissen. Nachdem Philipsen den Anschluss verloren hatte, erhöhte van der Poel das Tempo an der Spitze der rund 35 Fahrer starken Gruppe weiter. Er zog über den Scheitel des Anstiegs und durch die folgende Abfahrt, distanzierte dabei seinen Kapitän und weitere Teamkollegen und führte eine Gruppe an, die einen möglichen Massensprint auf der Etappe gefährden konnte.
In sozialen Medien und unter Analysten setzte sich schnell eine Theorie durch: Viele vermuteten, van der Poel habe die Situation genutzt, um für Milano - Sanremo zu trainieren - auf einem Anstieg, der der Cipressa durchaus ähnelt. Auch wenn er das selbst nicht bestätigte, wirkte sein Auftritt für einige Beobachter eher wie eine Trainingsfahrt. Gleichzeitig rückte seine mögliche Rolle als Anfahrer für Jasper Philipsen in den Hintergrund. Der Belgier stürzte später im Rennen und beendete die Etappe ohne Ergebnis.
Chris Horner sparte in seiner Analyse nicht mit deutlichen Worten. „Wenn ich das sehe, denke ich: ‚Mathieu van der Poel, machst du wirklich das, was ich denke? Bist du hier zu 100 % ein Idiot?‘ In dem Moment, in dem sein letzter Teamkollege abreißt, hämmert er weiter“, sagte er in einem aktuellen YouTube-Video. „Jasper Philipsen muss sich fragen: Was passiert hier? Was macht der Kerl? Für mich ist klar, dass van der Poel daraus ein gutes Training für Milano - Sanremo machen will, aber taktisch ist das lächerlich. Idiotie in Reinform.“
Der Amerikaner interpretierte van der Poels Tempoverschärfung ebenfalls als Trainingslauf - allerdings an einem Tag, an dem das Team realistische Chancen auf einen Etappensieg mit einem anderen Fahrer gehabt hätte. Diese Möglichkeiten habe die gewählte Taktik aus seiner Sicht aktiv untergraben.
„Erzählt mir nicht, wie fantastisch das für Milano - Sanremo ist. Wenn du auf Etappe drei nicht genug Form hast, um Jasper anzufahren, und jetzt vorne Vollgas gibst, ist das sehr seltsam. Aber es wird noch absurder. Der beste Sprinter der Welt wird von seinem eigenen Teamkollegen abgehängt“, argumentierte Horner.
Auch das Endergebnis der Etappe verstärkte für ihn diesen Eindruck, denn das Team blieb ohne zählbares Resultat. „Wenn van der Poel angefahren hätte, wären sie sicher vorne gewesen. Er hätte Jasper einen fantastischen Sieg servieren können. Stattdessen sitzt er nach einer Trainingsfahrt hinten im Feld.“
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