Bieterkrieg in Hollywood um Lance-Armstrong-Biopic, Austin Butler soll die umstrittenste Figur des Radsports verkörpern

Radsport
Sonntag, 08 Februar 2026 um 19:30
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Ein massiver Bieterkrieg in Hollywood ist um ein Biopic über Lance Armstrong entbrannt und unterstreicht, wie stark der umstrittenste Name der Radsportgeschichte noch immer weit über jenes Metier hinaus nachhallt, das ihn verstoßen hat.
Das Projekt, in dem Austin Butler, berühmt für seine Elvis-Rolle im Biopic von 2022, Armstrong verkörpern wird, hat bereits im Paketstadium enormes Studiointeresse geweckt – ein seltenes Vertrauenssignal in eine Geschichte, die viele im Peloton lieber ruhen lassen würden. Für Filmemacher bleibt Armstrong faszinierender Stoff. Für den Radsport ist sein Erbe weitaus unbequemer.

Der höchste Gipfel, den der Radsport je sah

Armstrongs Aufstieg war nicht nur eine Serie von Tour-de-France-Siegen, sondern eine Phase totaler Kontrolle. Zwischen 1999 und 2005 dominierte er die Tour so sehr, dass ganze Teams ihre Ziele auf Platz zwei ausrichteten. Sein US Postal Service Team setzte neue Maßstäbe für taktische Disziplin, Vorbereitung und Bergregie und veränderte, wie Grand Tours gefahren wurden.
Gekoppelt mit seinem hoch publizierten Comeback nach einer fortgeschrittenen Krebserkrankung wurde Armstrong zur mächtigsten Figur, die der Sport je hervorbrachte. Er trieb ein beispielloses kommerzielles Wachstum, zog ein US-Publikum zur Tour de France und prägte Trainingsmethoden und Teamstrukturen im gesamten Peloton.
Diese Jahre waren prägend. Sie hinterließen Spuren im Radsport, die weit über seine eigenen Resultate hinausreichen.

Der Fall, der die Tür endgültig schloss

Der Zusammenbruch war ebenso endgültig. Nach der USADA-Ermittlung 2012 und dem öffentlichen Dopinggeständnis in der Oprah-Winfrey-Show wurden Armstrong alle sieben Tour-Titel aberkannt und eine lebenslange Sperre verhängt. Anders als bei anderen Fahrern derselben Ära gab es keinen Weg zurück in den Sport, keinen schrittweisen Wiedereinstieg über Medien- oder Managementrollen.
Der Radsport zog eine harte Linie. Armstrong wurde nicht nur sanktioniert, sondern ausgeschlossen und zu einem Fixpunkt der Vergangenheit statt einer Stimme der Gegenwart. Diese Entscheidung prägte, wie der Profiradsport seine Glaubwürdigkeit wieder aufzubauen und sich vom schadenträchtigsten Kapitel zu distanzieren versuchte.

Warum Hollywood jetzt kreist

Armstrongs Geschichte wurde bereits durch Recherche und Enthüllung erzählt, am markantesten in The Program, das den Bedarf des Radsports spiegelte, den Mythos zu demontieren.
Dieses neue Projekt ist ganz anders positioniert. Mit Edward Berger als Regisseur und Zach Baylin an Bord dürfte der Fokus stärker auf Charakter, Macht und Glauben liegen statt auf Beweisen und Verfahren. Dieser Ansatz, kombiniert mit nun gesicherten Persönlichkeitsrechten Armstrongs, erklärt, warum Studios hierin prestigeträchtigen Stoff sehen, der einen Bieterkrieg trägt.
Für das Kino ist der Skandal verhandelt. Übrig bleibt eine Studie über Dominanz und Kollaps an der Spitze des Sports.

Ein von außerhalb des Sports belebtes Erbe

Für Radsportfans liegt das Unbehagen weniger im Wiederholen alter Urteile als darin, zuzusehen, wie eine der spaltendsten Figuren des Sports über ein Medium ins Rampenlicht zurückkehrt, das nach völlig anderen Logiken funktioniert.
Armstrong gehört in keiner sinnvollen Weise mehr zum Profiradsport. Doch das Ausmaß des Interesses in Hollywood zeigt, dass seine Geschichte außerhalb davon weiterhin außerordentliches Gewicht trägt. Der Bieterkrieg selbst ist der klarste Hinweis darauf, dass Armstrong auch Jahre nach seinem Ausschluss unmöglich zu ignorieren ist.
Diese Spannung zwischen dem Wunsch des Radsports, weiterzuziehen, und der Lust des Kinos, zurückzublicken, ist exakt der Grund, warum dieses Biopic Bedeutung hat – und warum es im Sport, der ihn hervorbrachte, so unglücklich landen wird.
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