Niemand kennt
Simon Yates besser als sein Zwillingsbruder
Adam Yates. Nach dem Rücktritt des Profis von Team Visma - Lease a Bike sprach Adam nun erstmals offen über die Entscheidung - und gewährte Einblicke in die schwindende Motivation des Giro-d’Italia-Siegers, im Peloton zu bleiben.
Die Nachricht schlug in den ersten Januartagen hohe Wellen und dominierte den Medientag von Visma. Fahrer und Manager beantworteten Fragen zu einem Zeitpunkt, an dem eigentlich die Saisonpläne der Teamleader finalisiert werden sollten.
„Simon hatte keinen Spaß mehr daran“
Nach seinem Giro-Sieg 2025 gewann Yates noch eine Etappe bei der Tour de France - seine letzte Grand Tour. Trotzdem sei der Schritt richtig gewesen, betont Adam.
„Nicht wirklich [viel Kontakt]. Wir fahren inzwischen für unterschiedliche Teams. Es ist vor allem schön zu sehen, dass er das Leben genießt. Simon verbringt viel Zeit im Kraftraum, um körperlich robuster zu werden. Ich habe ihn eine Weile nicht gesehen, aber ich bin gespannt, wie stark er geworden ist“, sagte Adam im Gespräch mit
Wielerflits und fügte schmunzelnd hinzu.
Mit 33 Jahren und einer kleiner werdenden Rolle im Peloton ließe sich vermuten, dass auch Adam diesen Weg einschlägt. Beim UAE Team Emirates - XRG ist er zunehmend als Edelhelfer für Tadej Pogacar, Joao Almeida und Isaac del Toro eingeplant. Doch daran denkt er selbst noch nicht.
„Ich habe wirklich noch Freude am Radfahren und habe einen Vertrag bis Ende 2028. Ich möchte mindestens bis dahin Rennen fahren“, stellte Adam klar.
„Wenn es dir Spaß macht, solltest du es so lange wie möglich weitermachen. Simon hatte keinen Spaß mehr daran, und so ist es nun einmal. Wenn du mit dem Erreichten zufrieden bist und deine Laufbahn akzeptieren kannst, dann kannst du aufhören und den Rest deines ‚normalen‘ Lebens genießen.“
Verlust an Motivation
Adam schildert, dass seinem Bruder schlicht die Motivation fehlte, eine weitere Saison in Angriff zu nehmen - in einem Peloton, in dem die Anforderungen Jahr für Jahr steigen. Seit der Entscheidung habe er mehrfach mit ihm gesprochen.
„Ein paar Mal, ja. Aber ich war in Australien, und wegen der unterschiedlichen Zeitzonen war längeres Sprechen nicht immer einfach. Er sagte, er fühle es nicht mehr und sei nicht besonders motiviert. Das war’s. In solchen Fällen ist es besser aufzuhören, als das Leiden zu verlängern.“
Zum Abschluss erklärt Adam die Entscheidung mit einem einfachen Gedanken: „Wir machen das schon lange; wir sind seit 2014 Profis und fahren, seit wir 8 oder 9 sind. Manchmal wird man einer Sache müde, dann muss man etwas ändern und das Leben genießen.“