„Jonas Vingegaard ist an einem Punkt, an dem er alles gewinnen will“ – dänischer Experte erwartet aggressiven Visma-Kapitän bei Paris–Nizza 2026

Radsport
Donnerstag, 05 März 2026 um 19:00
Matteo Jorgenson mit Jonas Vingegaard
Jonas Vingegaard beginnt sein Jahr 2026 an diesem Wochenende endlich bei der Paris–Nizza, nach einem Winter, der seine Vorbereitung schon prüfte, bevor er überhaupt ins Renngeschehen eingreifen konnte.
Ein Sturz im Training in Spanien und eine anschließende Krankheit zwangen den Leader von Team Visma | Lease a Bike, seinen Saisonstart zu verschieben und das ursprünglich anvisierte Auftaktrennen abzusagen.
Die Folge ist ein für einen der akribischsten Planer im Peloton ungewohntes Szenario: das erste Rennen des Jahres im März – bei einer der anspruchsvollsten einwöchigen WorldTour-Rundfahrten.
Für den dänischen Radsport-Experten Anders Lund liegt die aufschlussreichere Geschichte jedoch darin, wie Vingegaard Rennen wie Paris–Nizza inzwischen angeht. „Jonas scheint an einem Punkt seiner Karriere angekommen zu sein, an dem er alles gewinnen will“, sagte Lund im Gespräch mit Eurosport.dk.

Paris–Nizza als Baustein im großen Saisonplan

Paris–Nizza gilt seit Langem als einer der wichtigsten frühen Formmesser für Rundfahrer. Die achttägige Rundfahrt verbindet chaotische Flachetappen, taktische Mannschaftszeitfahren und entscheidende Kletterpartien oberhalb von Nizza – ein Mix, der Fahrer belohnt, die später im Jahr um die größten Preise des Sports fahren.
Genau in diesem Kontext sieht Lund Vingegaards Rückkehr. „Der große Plan ist insgesamt, den Giro d’Italia und die Tour de France zu gewinnen. Insofern ist Paris–Nizza ein Puzzleteil, um die Form und die Ziele zu erreichen.“
Mit anderen Worten: Die französische Rundfahrt dreht sich nicht nur um Ergebnisse Anfang März. Sie ist Teil eines breiteren Aufbaus zu einer Saison, die auf die zwei größten Grand Tours ausgerichtet ist.
Lund ist jedoch überzeugt, dass Vingegaards Ambitionen über die bloße Vorbereitung auf diese Hauptziele hinausgehen. „Er will so viel gewinnen, wie er kann, denn er weiß, dass es nicht ewig dauert und er dieses Niveau nicht unbegrenzt halten wird.“
Diese Haltung, so Lund, erklärt Vingegaards zunehmend entschlossene Fahrweise im vergangenen Jahr, in dem er Chancen auf Siege kaum ungenutzt ließ.
„Es ist sowohl ein Weg, seine Ziele und die Form zu erreichen, die es erlaubt, zwei Grand Tours in einer Saison zu gewinnen, als auch ein Ziel an sich, so viel wie möglich zu siegen.“

Ein fordernder Einstieg in die Saison

Paris–Nizza ist selten ein sanfter Auftakt in den Rennkalender. Windkanten, nervöse Positionskämpfe im Peloton und unberechenbares Frühjahrswetter machen die Auftaktetappen häufig zu den chaotischsten des Jahres.
Schon deshalb trägt Vingegaards Nennung auf der Startliste für Lund eine klare Botschaft.
„Ich glaube nicht, dass er dieses Rennen wählen und dort starten würde, wenn er sich nicht kampfbereit fühlte, denn es ist ein brutaler Einstieg und ein hektisches Radrennen, vor allem an den ersten Tagen“, sagt er. „Deshalb ist es auch ein positives Zeichen, dass er auf der Startliste steht, denn Jonas, so wie wir ihn kennen, tritt nicht an, wenn er nicht bereit ist.“
Auch die Dynamik des Rennens könnte ihm entgegenkommen. Positionskämpfe, Windkanten und technisches Racing prägen oft das Geschehen, bevor später in der Woche die Berge entscheiden.
„Vingegaard ist stark in den Positionskämpfen. Er fühlt sich dort meist pudelwohl. Wenn er beschließt, im ersten Kanton zu sein, verpasst er ihn sehr selten.“
Mit zunehmend schwererem Gelände auf dem Weg nach Süden in Richtung Alpen bietet das Rennen einen natürlichen Test von Form und Widerstandskraft nach seinem unterbrochenen Start ins Jahr.
Ob Paris–Nizza zum eigenständigen Ziel wird oder lediglich der erste Schritt zu größeren Ambitionen im weiteren Saisonverlauf bleibt, ist offen. Sollte Lunds Einschätzung von Vingegaards Mindset stimmen, wird der Däne das Rennen kaum vorsichtig angehen.
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