„Am Blockhaus werden wir sicher Abstände sehen“ – Red Bull - BORA - hansgrohe steht vor dem ersten großen Giro-Test

Radsport
durch Nic Gayer
Donnerstag, 14 Mai 2026 um 15:30
Jai Hindley
Beim Giro d’Italia 2026 endet am Freitag endgültig die Phase des Abtastens. Die ersten Etappen waren geprägt von Stürzen, Ausfällen, taktischem Chaos und ständig wechselnden Führungen im Gesamtklassement. Doch mit dem Gipfelfinale am Blockhaus wartet nun der erste echte Prüfstein für die Klassementfahrer.
Erstmals führt das Rennen kompromisslos ins Hochgebirge – und damit dorthin, wo sich die Favoriten nicht länger verstecken können. Besonders für Red Bull - BORA - hansgrohe wird die siebte Etappe zur ersten großen Standortbestimmung im Kampf um das Maglia Rosa.
Im Mittelpunkt steht dabei Jai Hindley. Für den Australier ist das Blockhaus weit mehr als nur der erste große Berg des Giro d’Italia 2026. Es ist ein Ort voller Erinnerungen.
Jai Hindley kehrt beim Giro d’Italia 2026 an das Blockhaus zurück – den Berg seines entscheidenden Sieges auf dem Weg zum Giro-Triumph 2022
Jai Hindley kehrt beim Giro d’Italia 2026 an das Blockhaus zurück – den Berg seines entscheidenden Sieges auf dem Weg zum Giro-Triumph 2022

Hindley kehrt an den Berg seines Giro-Triumphs zurück

Hindley kehrt an jenen Anstieg zurück, an dem er während seines Giro-Siegs 2022 triumphierte – und zugleich an die Straßen, auf denen er während seiner frühen Jahre in Europa erstmals die Härte langer Alpenanstiege kennenlernte.
„Der war verdammt lang, Kumpel“, erinnerte sich Hindley gegenüber Reportern an seine ersten Erfahrungen am Blockhaus während seiner Amateurzeit in den Abruzzen. „So einen langen Anstieg war ich vorher kaum gefahren. Es war bis dahin vielleicht einer der längsten meines Lebens und supercool. Ich lebte damals vielleicht 50 Kilometer entfernt, deshalb ist es für mich ein ziemlich besonderer Berg.“
Für Red Bull - BORA - hansgrohe bietet die Etappe zugleich die erste große Gelegenheit, die eigenen Gesamtklassement-Ambitionen offen zu zeigen. Das deutsche Team reist dabei mit zwei ernsthaften Optionen zum ersten entscheidenden Klettertest.
Giulio Pellizzari hat in den ersten Giro-Tagen bereits angedeutet, dass er die Attacken von Jonas Vingegaard mitgehen kann. Hindley wiederum bringt nicht nur die Erfahrung eines Giro-Siegers mit, sondern auch bewährte Stärke am Blockhaus selbst.
Diese doppelte taktische Karte könnte im weiteren Verlauf der Rundfahrt enorm wertvoll werden. Zwar bleibt Vingegaard weiterhin der große Maßstab im Kampf um den Gesamtsieg, doch zahlreiche prominente Konkurrenten sind bereits vorzeitig aus dem Rennen verschwunden.
Joao Almeida, Mikel Landa und Richard Carapaz standen gar nicht erst am Start. Adam Yates, Jay Vine, Marc Soler und Santiago Buitrago mussten den Giro infolge von Stürzen aufgeben. Dadurch gewinnen Teams mit mehreren intakten Klassementoptionen plötzlich erheblich an taktischer Bedeutung.

Der längste Giro-Tag könnte erste große Unterschiede schaffen

Hindley weiß genau, welche Bedeutung die Etappe für den weiteren Verlauf der Rundfahrt haben könnte.
„Es ist superwichtig“, sagte der Australier. „Ich denke, es ist der erste wirklich große Test. Am Blockhaus werden wir sicher Abstände sehen, und wir bekommen ein gutes Bild davon, wer hier die Beine hat. Wir haben ein starkes Team. Ich denke, wir können hoffentlich mit zwei Fahrern im Finale dabei sein, das ist das Ziel, und dann schauen wir weiter.“
Dabei wird nicht nur der Schlussanstieg selbst zur Herausforderung. Die siebte Etappe führt über insgesamt 244 Kilometer und ist damit die längste des gesamten Giro d’Italia 2026. Vor dem finalen Anstieg zum Blockhaus wartet zudem bereits der schwere Weg nach Roccaraso.
Gerade diese enorme Distanz macht den Tag besonders brutal. Anders als bei kurzen explosiven Bergankünften wird die Ermüdung am Ende eine entscheidende Rolle spielen.
„Wir kommen nach einem langen Tag mit viel Müdigkeit in den Beinen dorthin, und der Schlussanstieg selbst ist wirklich hart“, erklärte Hindley. „Das wird ein richtiger Tag draußen.“
Für Hindley bietet sich damit die Chance, an vertrautem Terrain erneut ein Statement zu setzen. Für Pellizzari wird es der erste große Test, ob sein enormes Potenzial auch einem langen und schweren Hochgebirgstag standhält.
Und für Jonas Vingegaard könnte das Blockhaus jener Moment werden, in dem sich sein Favoritenstatus endgültig festigt – oder erstmals ernsthaft unter Druck gerät.
Die Auftaktwoche hat den Giro d’Italia bereits verändert, noch bevor die Berge wirklich begonnen haben. Das Blockhaus dürfte nun zeigen, welche Fahrer bereit sind, dem Rennen endgültig ihren Stempel aufzudrücken.
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Loading