„Ich verstehe diese Entscheidung nicht“ – Geraint Thomas kritisiert UAE nach Giro-Massensturz scharf

Radsport
durch Nic Gayer
Donnerstag, 14 Mai 2026 um 13:30
Collage_GeraintThomasCrash
Die 2. Etappe des Giro d’Italia 2026 hat das Rennen bislang wie kein anderer Tag geprägt – vor allem wegen des schweren Massensturzes, in den gleich fünf Fahrer von UAE Team Emirates - XRG verwickelt waren. Während die Bilder des Crashs schnell um die Welt gingen, richtet sich der Blick inzwischen zunehmend auf eine mögliche Ursache: die Reifenwahl des Teams.
Zumindest Geraint Thomas und Luke Rowe halten genau diese Entscheidung für einen entscheidenden Faktor. Im Podcast Watts Occuring äußerten beide deutliche Kritik an UAE Team Emirates - XRG und stellten offen infrage, warum das Team unter diesen Bedingungen mit Zeitfahrreifen gestartet war.

Kritik an riskanter Reifenwahl bei Regenbedingungen

Der Unfall ereignete sich auf dem Weg zum Hauptanstieg des Tages in Richtung Veliko Tarnovo. Hohe Geschwindigkeit, Nervosität im Feld und regennasse Straßen sorgten in einer Abfahrtkurve für einen folgenschweren Highspeed-Crash.
Der Massensturz auf der 2. Giro-Etappe löste eine Debatte über die riskante Reifenwahl des UAE Team Emirates - XRG aus
Der Massensturz auf der 2. Giro-Etappe löste eine Debatte über die riskante Reifenwahl des UAE Team Emirates - XRG aus
Marc Soler war der erste Fahrer, der zu Boden ging und dabei mehrere Teamkollegen von UAE Team Emirates - XRG sowie rund zwei Dutzend weitere Fahrer mitriss. Für die Mannschaft wurde die Szene zum sportlichen Albtraum: Ein Großteil des zentralen Teamblocks stürzte, drei Fahrer mussten das Rennen später aufgeben.
Im Mittelpunkt der Diskussion steht nun der Continental GP 5000 TT – ein Zeitfahrreifen, den UAE Team Emirates - XRG offenbar regelmäßig auch bei Straßenrennen einsetzt. Zwar ist die Nutzung regelkonform, bei nassen Straßen gelten diese Reifen jedoch als deutlich riskanter, da sie weniger Grip bieten.
„UAE fuhr mit TT-Reifen. Wir wissen alle, die sind schneller. Sie sind schneller. Sie nutzen sie immer“, erklärte Luke Rowe im Podcast. „Sie sind das eine Team, das sie fast unter allen Bedingungen fährt. Aber sie haben weniger Haftung. Und der erste, der lag, war ein UAE-Fahrer. Beide Räder weggerutscht.“

Geraint Thomas zeigt kein Verständnis

Auch Geraint Thomas machte keinen Hehl aus seiner Verwunderung über die Entscheidung des Teams. Für den Waliser war die Wetterlage im Vorfeld eindeutig genug, um auf ein sichereres Setup zu setzen.
„Kam der Regen überraschend? Wart ihr vor Ort, stand es in der Vorhersage? Ich verstehe diese Entscheidung nicht. Wirklich nicht“, sagte Thomas. „Ein nasser Tag und TT-Reifen, das wirkt wie ein seltsamer Call. Und ja, das klingt hart, weil am Ende die halbe Mannschaft am Boden lag.“
Die Aussagen der beiden ehemaligen Teamkollegen werfen gleichzeitig ein selten öffentlich diskutiertes Thema des modernen Radsports auf. Denn die Reifenwahl beeinflusst Rennen oftmals subtil, spielt intern im Peloton jedoch eine bedeutende Rolle – insbesondere bei wechselhaften Bedingungen.
Gerade Zeitfahrreifen gelten als schneller, bieten dafür aber weniger Sicherheitsreserven bei Regen und schwierigen Straßenverhältnissen. Innerhalb des Fahrerfelds wird daher regelmäßig diskutiert, wann ihr Einsatz sinnvoll ist – wobei Nässe gemeinhin als klare Grenze betrachtet wird.
„Bei uns war das immer wieder ein Thema“, erklärte Rowe weiter. „Wir haben angefangen, TT-Reifen zu nutzen, dann nutzt du sie öfter, und ehe man sich versieht, wird es Standard. Das will man definitiv abwägen, gerade in Bulgarien, wo man die Straßenverhältnisse nicht exakt kennt.“
Die Diskussion um den UAE-Sturz dürfte damit auch über die kommenden Giro-Etappen hinaus weitergehen – nicht zuletzt, weil sie grundlegende Fragen über Risiko, Materialwahl und Sicherheitsabwägungen im modernen Profiradsport aufwirft.
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