Cyclo-cross ist eine sehr eigene Disziplin. Im Radsport ist sie die einzige große Sparte mit Saison im Winter. Das bringt Vorteile, hat für Fahrer wie Mathieu van der Poel, Wout van Aert, Thibau Nys und Co. aber auch Schattenseiten. Genau darauf richtet Ex-Weltmeister
Bart Wellens in seinen jüngsten Aussagen den Fokus.
Der Vorstoß, an Weihnachten ein Cross-Rennen in den neuen Winterkalender aufzunehmen, hat eine hitzige Debatte ausgelöst, und eine der schärfsten Stimmen ist Wellens. Der zweifache Weltmeister, bekannt für klare Worte, macht keinen Hehl aus seinem Unmut über eine Entscheidung, die aus seiner Sicht die menschliche Seite des Sports ausblendet.
In einer Analyse bei
Het Nieuwsblad stellt der Belgier einen Start am 25.12., einem traditionell der Familie vorbehaltenen Datum, entschieden infrage. Für Wellens ist das nicht nur eine logistische Frage, sondern eine des Respekts gegenüber den Fahrern: „Das ist ein Tag, an dem ein Radprofi auch Zeit für seine Familie haben möchte.“
Aus seiner Sicht ist der Kalender ohnehin fordernd genug, ohne an einem so bedeutenden Tag eine weitere Pflicht hinzuzufügen. Er befürchtet, dass solche Entscheidungen die Protagonisten zusätzlich verschleißen.
Die Organisatoren um Golazo vertreten jedoch eine andere Haltung. Sie argumentieren, die Wahl des Weihnachtstags folge „umfassender Forschung“, und sind der Meinung, Heiligabend sei der eigentliche Moment für familiäre Intimität, während der folgende Tag andere Pläne tragen könne. In diesem Sinne halten sie ein großes Weihnachtsrennen sportlich wie publikumsseitig für tragfähig.
Der Schritt bedeutet auch, das traditionelle Rennen in Heusden-Zolder, üblicherweise am Stefanitag (26.12.), vorzuziehen. Für Wellens unterstreicht diese Änderung einen bedenklichen Trend zu kommerziell getriebenen Entscheidungen mit wenig Blick auf das Wohlergehen der Fahrer.
Mehr Kalenderprobleme
Jenseits der Weihnachtsfrage verweist der Ex-Champion auf ein weiteres, aus seiner Sicht noch gravierenderes Thema: Der Querfeldein-Kalender, früher von September bis März gespannt, läuft inzwischen fast ausschließlich im Dezember und Januar, mit kurzem Auftakt durch die ersten World-Cup-Runden und die Europameisterschaften bereits im November. „Schade, dass der Superprestige jetzt auch schon Anfang Januar sein Finale hat. Dadurch verliert die Zeit nach den Worlds immer mehr an Bedeutung.“
Wellens erinnert daran, dass Rennen gerade dann auf sehr hohem Niveau bleiben, wenn nach den Worlds noch Ziele auf dem Spiel stehen. Als Beispiel nennt er dieses Jahr Middelkerke und Lille, wo es Top-Rennen gab, weil weiterhin echte sportliche Anreize bestanden.
Sein Fazit ist klar und besorgniserregend: Wenn auch die Wochen nach den Worlds wegfallen, bliebe dem Cross effektiv eine Saison von kaum vier Monaten. Ein Szenario, das aus seiner Sicht besonders den reinen Spezialisten schadet. „Wir müssen echten Querfeldein-Fahrern wie Vandeputte oder Michael Vanthourenhout weiterhin die Chance geben, ihr Können zu zeigen.“
Eine Warnung aus der Erfahrung eines Insiders, die die Debatte darüber neu entfacht, wohin sich der Winterkalender entwickeln sollte.