Es gibt viele Wege, mit den Anti-Doping-Gremien der UCI in Konflikt zu geraten - einer davon: verpasste, unangekündigte Kontrollen außerhalb des Wettkampfs. Die 30-jährige kolumbianische Top-Sprinterin Martha Bayona musste diese Erfahrung nun schmerzhaft machen. Die UCI belegte die erfolgreiche Bahnfahrerin mit WM-Medaillen mit einer 18-monatigen Sperre, nachdem sie im vergangenen Jahr drei solcher Kontrollen versäumt hatte.
„Das Tribunal stellte bei der Fahrerin einen Verstoß gegen die Anti-Doping-Regeln aufgrund von drei Whereabouts-Verfehlungen innerhalb von zwölf Monaten fest und verhängte eine 18-monatige Sperre“, teilte die UCI in einer offiziellen Erklärung mit.
WM-Silber, Panamerika-Gold und Weltcup-Siege in Cali
Bayona begann ihre Karriere auf der Straße, konzentrierte sich später vollständig auf die Bahn und feierte dort ihre größten Erfolge in den Sprintdisziplinen. Zweimal gewann sie WM-Silber im Keirin - 2017 in Hongkong und 2023 in Glasgow.
Bei den Panamerikameisterschaften 2024 holte sie Gold im Keirin sowie im 500-m-Zeitfahren. Darüber hinaus sammelte sie mehrere Weltcup-Siege auf der Bahn in ihrem Heim-Velodrom in Cali, wo sie 2021 beispielsweise ungeschlagen blieb und vier Rennen in Folge gewann.
Am Donnerstag meldete sich die 30-Jährige
mit einer ausführlichen Erklärung in den sozialen Medien zu Wort. Darin akzeptierte sie die Sanktion, wies jedoch jede Form vorsätzlicher Täuschung entschieden zurück:
„Ich möchte mich an die Öffentlichkeit wenden, um meine Situation zu erläutern und mit voller Ehrlichkeit zu teilen, was ich derzeit durchmache.
„Kürzlich hat das UCI Anti-Doping Tribunal in dem Disziplinarverfahren, das ich wegen Whereabouts-Verstößen durchlaufe, eine Entscheidung getroffen. Ich respektiere die Entscheidung des Tribunals, auch wenn der Weg weder beruflich noch persönlich leicht war.
„Eines möchte ich sehr klarstellen: Es war niemals meine Absicht, Kontrollen zu entgehen oder gar zu betrügen. Im gesamten Verfahren hat die UCI selbst anerkannt, dass ‚unter keinen Umständen davon ausgegangen wird, dass ich versucht habe, Kontrollen zu umgehen, noch dass mein Einsatz oder meine Befolgung der Anti-Doping-Regeln infrage gestellt werden‘. Es ist mir wichtig, das öffentlich klarzustellen. Ich habe stets für sauberen Sport eingestanden und mit dem Anti-Doping-System kooperiert. Die Ereignisse, die zu dieser Sanktion geführt haben, waren menschliche Fehler in einer besonders schwierigen Phase meines Lebens, und ich übernehme dafür Verantwortung - mit erhobenem Haupt.
„In dieser Zeit habe ich eines der schwierigsten Jahre meines Lebens erlebt: die vorläufige Suspendierung, das Startverbot, Einsamkeit, fehlende institutionelle Unterstützung und eine große emotionale Belastung. Hinzu kam der Tod meines Vaters, ein zutiefst schmerzhafter Schlag, der einen Wendepunkt in meinem Leben markierte.
„Inmitten dieser Phase und unter Nutzung der vorläufigen Suspendierung habe ich mich außerdem zu einer Operation entschlossen, die ich über mehr als zwei Jahre hinausgeschoben hatte - gerade weil für mich stets das Wettkämpfen und die Erfüllung sportlicher Verpflichtungen Priorität hatten. Die Entscheidung traf ich im Sinne meiner Gesundheit, meines Wohlbefindens sowie der Verantwortung gegenüber meinem Körper und meiner sportlichen Zukunft.
„Dieser Prozess hat mich daran erinnert, dass Athletinnen und Athleten jenseits von Ergebnissen und Medaillen Menschen sind: Wir trainieren bis an die Grenze, ja, aber wir sind auch verletzlich, erleben Trauer, mentale Schwierigkeiten und Momente des Zusammenbruchs. Das anzuerkennen ist keine Schwäche, sondern ein Akt der Ehrlichkeit.
„Ich werde die Konsequenzen dieses Prozesses mit Respekt, Lernbereitschaft und Stärke annehmen. Mein Bekenntnis zu sauberem Sport bleibt unerschütterlich, ebenso meine Motivation, stärker, bewusster und mitfühlender zurückzukehren. Danke an alle, die an meiner Seite standen, an jene, die verstehen, dass hinter der Uniform ein Mensch steht, und an diejenigen, die weiterhin an einen Sport mit Werten glauben.“