Zwei formstarke Kapitäne und ein 19-jähriger Doppel-Weltmeister – Italien schickt hochkarätiges Aufgebot zur WM

Radsport
durch Nic Gayer
Mittwoch, 16 September 2026 um 20:00
Giulio Ciccone
Italien reist mit einem der am stärksten besetzten Aufgebote zum Straßenrennen der Männer-Elite bei der Weltmeisterschaft in Montreal. Die Auswahl vereint zwei Fahrer in herausragender Spätform mit erfahrenen Spezialisten für große Titelkämpfe – und einem der höchstdekorierten Teenager des internationalen Radsports.
Giulio Ciccone und Giulio Pellizzari führen die achtköpfige Mannschaft an. Alberto Bettiol, Christian Scaroni, Davide Piganzoli, Mattia Cattaneo, Matteo Trentin und der erst 19 Jahre alte Lorenzo Finn komplettieren die Auswahl von Nationaltrainer Marco Villa für das Straßenrennen am 27. September 2026.
Italien – Straßenrennen Elite Männer
Giulio Ciccone
Giulio Pellizzari
Alberto Bettiol
Christian Scaroni
Davide Piganzoli
Mattia Cattaneo
Matteo Trentin
Lorenzo Finn

Ciccone und Pellizzari reisen mit Topform nach Montreal

Wie stark die italienische Mannschaft einzuschätzen ist, zeigen bereits die jüngsten Ergebnisse ihrer Fahrer. Ciccone hat sich in Kanada unmittelbar mit mehreren der großen Namen für die Weltmeisterschaft gemessen, Pellizzari sammelt bei den italienischen Eintagesrennen ein Spitzenergebnis nach dem anderen. Scaroni fährt eine seiner stärksten Klassikersaisons, während Piganzoli 2026 bei Visma - Lease a Bike einen großen Entwicklungsschritt gemacht hat.
Hinzu kommt Finn, dessen bisherige Laufbahn selbst für einen derart jungen Fahrer außergewöhnlich ist. Nach seinem Junioren-WM-Titel 2024 und dem Gewinn des U23-Regenbogentrikots 2025 verzichtet der Italiener auf eine weitere Nachwuchskampagne und wagt unmittelbar den Sprung in das Straßenrennen der Elite.
Ciccone verpasste zuletzt beim GP Quebec nur knapp den Sieg. Nachdem er sich gemeinsam mit Remco Evenepoel spät vom Feld abgesetzt hatte, musste sich der Italiener dem Belgier im Sprint geschlagen geben und belegte den zweiten Platz.
Nur zwei Tage später bestätigte Ciccone seine starke Form mit Rang sieben beim GP Montreal. Gleichzeitig sammelte er dabei wertvolle Rennkilometer auf genau jenem Rundkurs, auf dem nun auch um das Regenbogentrikot gekämpft wird.
Auch seine bisherige WM-Bilanz liefert Italien Grund zur Zuversicht. Bei der Weltmeisterschaft in Kigali belegte Ciccone im Vorjahr den sechsten Platz und erzielte damit sein bislang bestes Resultat im Elite-Straßenrennen.
Pellizzari wählte hingegen einen anderen Weg nach Montreal und blieb zunächst in Europa. Seiner starken Ergebnisserie tat das keinen Abbruch. Der 22-Jährige gewann den Giro della Toscana, belegte bei der Coppa Sabatini den sechsten Platz und fuhr anschließend beim Memorial Marco Pantani auf Rang zwei, ehe er die Reise nach Kanada antrat.
Diese Spätform setzt einer ohnehin herausragenden Saison 2026 die Krone auf. Pellizzari gewann die Gesamtwertung der Tour of the Alps, wurde Dritter bei Tirreno-Adriatico und belegte bei der Tour of Slovenia den zweiten Gesamtrang.

Zwei Regenbogentrikots in Folge – Finn wagt mit 19 den Sprung in die Elite

Lorenzo Finns Nominierung ist die mutigste Personalentscheidung innerhalb von Villas achtköpfigem Aufgebot. Der erst 19-Jährige hätte nach seinem U23-WM-Titel als Titelverteidiger erneut im Nachwuchsrennen starten können. Bereits 2024 hatte er sich zudem zum Junioren-Weltmeister gekrönt.
Stattdessen wagt Finn nach einer weiteren starken Saison den direkten Sprung in die Elite. Bei der Sibiu Cycling Tour gewann er 2026 die Gesamtwertung und feierte zudem zwei Etappensiege.
Lorenzo Finn im Regenbogentrikot bei den U23-Weltmeisterschaften 2025 in Kigali.
Lorenzo Finn wagt mit gerade einmal 19 Jahren den Sprung zur Elite-Weltmeisterschaft. Der Italiener gewann 2024 den Junioren- und 2025 den U23-WM-Titel.
Finn selbst machte bereits deutlich, dass er auf U23-Niveau gelernt habe, was es dort für ihn zu lernen gebe. In Montreal wartet nun eine erheblich größere Herausforderung – und die Gelegenheit zu zeigen, wie schnell er seine Erfolge aus dem Nachwuchsbereich auf die höchste Ebene des Radsports übertragen kann.
Dabei wird vom Teenager noch nicht erwartet, dieselbe Verantwortung wie Ciccone oder Pellizzari zu übernehmen. Gerade das macht seine Nominierung so interessant: Italien verfügt über genügend andere Optionen, um Finn ohne den Druck einer Kapitänsrolle in sein erstes Elite-WM-Straßenrennen zu schicken. Ein 19-Jähriger mit zwei Regenbogentrikots in Folge kann dadurch Erfahrungen auf höchstem Niveau sammeln, ohne selbst das Rennen prägen zu müssen.

Scaroni, Bettiol und Piganzoli geben Italien weitere Optionen

Auch hinter den beiden formstarken Kapitänen und dem hochveranlagten Finn mangelt es Italien keineswegs an Qualität. Christian Scaroni erlebt eine der besten Saisons seiner Karriere. Zu seinen herausragenden Ergebnissen zählen der Gesamtsieg bei der Tour of Oman, Platz acht bei Lüttich-Bastogne-Lüttich und Rang vier bei der Clasica San Sebastian.
Alberto Bettiol bringt wiederum ein anderes Profil mit. Der Italiener fuhr bereits zweimal in die Top 10 eines Elite-WM-Straßenrennens und hat mehrfach bewiesen, dass er lange und taktisch anspruchsvolle Eintagesrennen bis tief ins Finale überstehen kann.
Auch Davide Piganzoli hat 2026 einen deutlichen Entwicklungsschritt gemacht. Seit seinem Wechsel zu Visma - Lease a Bike belegte er den achten Gesamtrang beim Giro d'Italia und gewann später die Gesamtwertung von La Route d'Occitanie.
Matteo Trentin steuert schließlich die größte Erfahrung bei großen Titelkämpfen bei. 2019 gewann er bei der Weltmeisterschaft in Yorkshire die Silbermedaille. Mattia Cattaneo komplettiert ein achtköpfiges Aufgebot, das auf dem Papier kaum offensichtliche Schwachstellen besitzt.
Italien reist damit mit weit mehr als nur zwei Trümpfen nach Montreal. Ciccone und Pellizzari bringen die stärkste aktuelle Form mit, Scaroni und Bettiol stehen für bewährte Qualität in großen Eintagesrennen, Piganzoli blickt auf eine Durchbruchssaison zurück – und mit Finn erhält eines der spannendsten Talente im gesamten Starterfeld bereits mit 19 Jahren seine erste Chance auf der größten WM-Bühne.
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