Andrew August verließ Jested mit sowohl dem Etappensieg als auch dem gelben Leadertrikot, doch bei Netcompany-INEOS sehen sie den 20-jährigen Amerikaner vorerst nicht als einzigen Anwärter auf den Gesamtsieg bei der
Czech Tour 2026.
August krönte erneut einen Tag mit viel Arbeit von INEOS, indem er die zweite Etappe vor Alessandro Fancellu und Domenico Pozzovivo gewann. Dank dieses Erfolgs führt er die Gesamtwertung nun mit sechs Sekunden Vorsprung auf Fancellu und elf Sekunden auf Pozzovivo an.
Dennoch hat die britische Mannschaft eine weitere starke Karte in der Hand. Embret Svestad-Bardseng liegt nur 29 Sekunden hinter seinem Teamkollegen, und August betonte im Anschluss, dass INEOS den Kampf ums Klassement noch nicht vollständig auf seine Schultern legt.
Auf die Frage, ob er nach Etappensieg und Gelb nun der klare Kapitän für den Rest der Rundfahrt sei, ließ August die Tür für seinen Teamkollegen bewusst offen. „Sicher einer der Kapitäne, aber wir haben Embret immer noch knapp im Gesamtklassement. Wir haben also definitiv zwei Karten, die wir ausspielen können“, erklärte er im Ziel.
August in Gelb, doch INEOS hält sich alle Optionen offen
Svestad-Bardseng spielte am Jested eine Schlüsselrolle für Augusts Erfolg. Der Norweger zog in der Schlussphase des Anstiegs das Tempo hoch, woraufhin August im letzten Kilometer seine entscheidende Attacke setzte und schließlich Fancellu hinter sich ließ. Da Svestad-Bardseng selbst weiterhin gut im Gesamtklassement positioniert ist, startet INEOS mit zwei ernsthaften Gesamtsiegoptionen in die dritte Etappe.
Laut August resultierte der Sieg aus einer kontrollierten Verfolgung der frühen Ausreißer statt aus dem Versuch, das Rennen früh von weit her aufzumachen. „Wir haben ihnen eine Zeit lang den gleichen Vorsprung gelassen, und als wir das Tempo wirklich erhöht haben, schrumpfte der Abstand ziemlich schnell. Es war also alles unter Kontrolle“, erläuterte er.
Auch am Schlussanstieg blieb INEOS dieser Linie treu. Der Anstieg zum Jested war fünfzehn Kilometer lang, wies insgesamt jedoch eine relativ moderate Steigung auf. Die härtesten Passagen lagen vor allem Richtung Gipfel.
„Es war ein langer Anstieg, aber die Prozentwerte wurden erst im letzten Kilometer richtig steil“, so August. „Wir wussten, dass wir ein konstantes Tempo fahren und dann im letzten Kilometer voll durchziehen mussten.“
Genau dort machte August den Unterschied. Mit seinem Sieg feierte er bereits seinen dritten Saisonerfolg, nachdem er zuvor schon Etappen bei der Baskenland-Rundfahrt und der Volta a la Comunitat Valenciana gewonnen hatte.
Dlouhe Strane als nächster Test für August und Svestad-Bardseng
In der dritten Etappe wartet mit Dlouhe Strane erneut ein Bergankunft. Der Schlussanstieg ist etwas mehr als dreizehn Kilometer lang bei durchschnittlich 5,4 Prozent und stellt damit einen gleichmäßigeren Klettertest dar als der Anstieg zum Jested.
Die Abstände an der Spitze des Klassements sind zudem weiterhin gering. Fancellu startet mit nur sechs Sekunden Rückstand auf August in die Etappe, während Pozzovivo elf Sekunden gutmachen muss. Mauri Vansevenant folgt mit neunzehn Sekunden Rückstand.
Svestad-Bardseng liegt mit 29 Sekunden Rückstand ebenfalls weiterhin in Schlagdistanz. Auch wenn August das Gelbe Trikot trägt, geht INEOS in die nächste Bergetappe mit zwei Optionen für die Gesamtwertung. Ein Szenario, das der neue Leader selbst offenkundig noch nicht vom Tisch wischen will.