„Manche Fahrer sind einfach überteuert“ – Alpecin-Manager räumt gescheiterte Verhandlungsversuche um Arnaud De Lie ein

Radsport
Freitag, 14 August 2026 um 21:13
Arnaud de Lie
Alpecin-Premier Tech gilt nicht als besonders umtriebig auf dem Transfermarkt – in diesem Jahr ist das anders. Nach dem Abgang ihres zweiten Sprinters Kaden Groves musste die belgische Mannschaft die entstandene Lücke schließen. Ohne große finanzielle Mittel setzte man auf eine Dreierlösung mit Ivan Garcia Cortina, Madis Mihkels und Casper van Uden. Arnaud De Lie stand ebenfalls auf der Liste, unterschrieb am Ende jedoch anderswo.
Ein 1:1-Ersatz ist es zwar nicht, doch einer der Teammanager, Philip Roodhooft, erklärt, dass man die Erwartungen an einen Groves-Nachfolger innerhalb des Budgets erfüllen konnte – zumal mit den Leitfiguren Mathieu van der Poel und Jasper Philipsen weiterhin die Eckpfeiler der Schlagkraft von Alpecin stehen.
Der Wechsel von Groves zu Tudor Pro Cycling war entsprechend antizipiert: „Wir hatten Profile parat für den Fall, dass wir an irgendeiner Stelle Fahrer verlieren würden“, sagt Roodhooft zu Daniel Benson.

Klassiker rücken in den Fokus

Statt erneut einen Sprinter zu verpflichten, der bei einer Grand Tour um Grün fahren kann – so wie Groves es bei der Vuelta a Espana 2023 und 2024 gelungen ist – entschieden sich die Roodhoofts, ihre Mittel auf den zweiten Schwerpunkt des Teams zu lenken: die Kopfsteinpflasterrennen.
Die Verpflichtungen von Garcia Cortina und – in etwas geringerem Maße – Mihkels sind daher vorrangig unter dem Aspekt zu sehen, Van der Poel stärker zu unterstützen.
„Uns fehlte ein Fahrer, der in den Finals mitfahren und Van der Poel beistehen kann. Diese Lücke mussten wir mit Cortina schließen – und wenn man zusätzlich jemanden wie Mihkels holen kann, sollte man nicht zögern.“
Madis Mihkels vor Etappe 3 des Giro d’Italia 2026
Madis Mihkels im Jahr 2026
Trotz seines jungen Alters (23 Jahre) ist Mihkels bereits ein abgeklärter Profi, der sich sowohl bei Klassikern als auch in Sprints einen Namen gemacht hat. Der Este debütierte 2022 bei Intermarche-Wanty und wechselte zwei Jahre später zu EF Education-EasyPost.
In diesem Zeitraum bestritt er drei Grand Tours und fuhr viermal in Sprintankünften in die Top 5. Paris-Roubaix absolvierte er viermal, mit Platz 10 im Jahr 2024 und Rang 14 in der vergangenen Saison. Es ist daher nachvollziehbar, warum Alpecin große Erwartungen an den Esten als neuen rechten Hand von Van der Poel knüpft.
Gleichwohl soll sein Hauptaugenmerk auf den Massensprints liegen: „Mihkels ist beim Giro bereits ein paarmal ohne echte Unterstützung in die Top fünf gesprintet. Wir sind überzeugt, dass wir ihm den passenden Lead-out an die Seite stellen können.“

Weitere Optionen

Am meisten Diskussionen löst die Verpflichtung von Casper van Uden aus. Der niederländische Sprinter gewann beim Giro d’Italia 2025 eine Etappe, fand danach in Massensprints aber nur selten seinen Rhythmus. In dieser Saison erzielte der 25-Jährige trotz zahlreicher Möglichkeiten lediglich drei Top-10-Ergebnisse, von denen einzig der Etappensieg bei der Tour of Turkiye heraussticht.
Auch der belgische Sprinter Arnaud De Lie stand auf der Wunschliste. Roodhooft räumt jedoch ein, dass der Profi von Lotto-Intermarche – der sich nächstes Jahr Groves bei Tudor Pro Cycling anschließen soll – aus finanzieller Sicht schlicht nicht zu stemmen war.
„Manche Fahrer sind überteuert. Das ist schön für sie, aber wir machen da nicht mit. Wenn es einfach wäre, könnte es jeder. Wir sind überzeugt, dass es mehr gute Fahrer auf dem Markt gibt – und dass das, was wir als Team zu bieten haben, zählt“, resümiert er.
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