„Wie es ablief, hat das Image unseres Teams und die Integrität unseres Sports beschädigt“ – Visma-Teamchef Plugge über nächtliche Dopingkontrollen bei der Tour de France

Radsport
Montag, 27 Juli 2026 um 14:30
Richard Plugge während der Tour de France 2026
Die Tour de France 2026 bot zahlreiche Schlaglichter, eines davon waren nächtliche Dopingkontrollen bei mehreren Fahrern. Darunter Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard. Richard Plugge, CEO von Team Visma | Lease a Bike, behauptet, das Image seines Teams sei dadurch beschädigt worden.

Vismas Image wurde beschädigt, argumentiert Plugge

Erst später wurde bekannt, dass in den ersten Wochen der Tour mitten in der Nacht Tests bei mehreren Fahrern und Teams durchgeführt wurden. Von 23:00 bis 06:00 Uhr sind solche Kontrollen aus rechtlichen Gründen eigentlich nicht erlaubt.
Auf dem Papier entsteht damit jedoch ein Zeitfenster, in dem verbotene Leistungssteigerungen möglich wären. Mit diesem Hintergrund wurde bei dieser Tour de France zusätzlich zu den regulären unangekündigten Kontrollen juristisch der Weg geebnet, um mehrere Fahrer in diesem Zeitraum testen zu dürfen.
In der Nacht von Etappe 14 auf 15, unmittelbar vor einer der Königsetappen der Tour, wurden sowohl Pogacar als auch Vingegaard – damals Erster und Zweiter der Gesamtwertung – aus dem Schlaf geholt und getestet. Das störte die Regeneration erheblich und führte zu deutlicher Kritik beider Teams.
Hinzu kam die Kritik, dass einige ihrer Rivalen nicht getestet wurden und dadurch ein sportlicher Vorteil entstand. Zudem sind solche Testzeitpunkte rechtlich nur zulässig, wenn stichhaltige Verdachtsmomente vorliegen.
Die Lage ist jedoch nuancierter als zunächst interpretiert. „Wir haben verstanden, dass diese Tests nicht als Verdachtsmoment uns gegenüber verstanden werden sollten, noch als Beleg für einen Regelverstoß, zumindest nicht bei unserem Team“, sagte Plugge gegenüber L'Équipe. „Einerseits bedeutet es nichts, andererseits ist wichtig zu betonen, dass es schlicht ein Test war, eine Kontrolle.“
„Ich unterstütze alle Kontrollen, den gesamten Anti-Doping-Kampf und den Einsatz für fairen Wettbewerb. Deshalb habe ich als Präsident der AIGCP (Association of Professional Cycling Teams) gemeinsam mit der ITA eine Spitzen-Anti-Doping-Politik mitgestaltet.“
Dennoch habe das die Außendarstellung des Teams angekratzt, weil das Ereignis große Aufmerksamkeit erregte und das Thema Doping wieder stark mit ihnen verknüpfte. „Es ist gut, dass so viel getestet wird, aber die Art und Weise hat das Image unseres Teams und die Integrität unseres Sports beschädigt, weil sie das ‚D-Wort‘ zurückgebracht hat.“
Jonas Vingegaard wurde in der Nacht von Etappe 14 auf 15 geweckt, um auf verbotene Substanzen getestet zu werden
Jonas Vingegaard was woken up overnight from stage 14 to 15 so as to get tested for prohibited substances

Gleichbehandlung aller GC-Favoriten ist entscheidend für sportliche Integrität

Obwohl es eine koordinierte Suche nach verbotenen Methoden war, fordert Plugge, dass alle Fahrer in identischer Weise hätten getestet werden müssen, sonst leide die Wirksamkeit der Maßnahme.
„Im Bemühen, die sportliche Integrität zu wahren, hat man sie mit unterschiedlichen Methoden und Zeitpunkten je Fahrer am Ende kompromittiert. Ich denke, das Rennen wurde dadurch beeinflusst.“
„Wir müssen aufpassen, nicht das Image eines Teams oder des gesamten Sports durch diesen Kampf zu beschädigen. Wir müssen wirklich überlegen, wie wir diese Außenwirkung schützen und zugleich die hochmodernen Methoden bewahren, die den Radsport auszeichnen.“
Letztlich werden Ergebnisse der Kontrollen nur dann öffentlich, wenn es Auffälligkeiten gibt. Andernfalls bleibt wie üblich alles vertraulich.
„Wenn nächtliche Tests nötig sind, müssen sie durchgeführt werden – unabhängig davon, ob es vor einer großen Bergetappe ist oder nicht. In dem Fall sollte aber die gesamte Top 10 getestet werden, gleiche Behandlung für alle. Nicht den einen um 02:00 Uhr, den nächsten um 05:00 Uhr und die anderen eine Woche davor oder danach. Das erweckt den Eindruck, einzelne Fahrer würden stärker ins Visier genommen als andere.“
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