Vor 10 Jahren hatte Soudal - Quick-Step drei Fahrer an der Spitze des Omloop Het Nieuwsblad und wurde von Ian Stannard vom (damaligen) Team Sky besiegt. Das Rennen wurde zu einem der größten Momente des modernen Radsports und zu einem der unwahrscheinlichsten Siege. Tom Boonen, Mitglied der Quick-Step-Gruppe, blickt zurück auf diesen schrecklichen Tag für das Team und darauf, wie die Unstimmigkeiten zwischen den Führenden fast in einer Schlägerei mit Niki Terpstra endeten.
Ian Stannard wird auch heute noch oft für seinen Sieg an jenem Tag des Eröffnungswochenendes gelobt. Es war zwar ein unglaublicher Kraftakt, aber der Sieg war vor allem das Ergebnis eines kompletten Fehlers der Quick-Step-Fahrer. Die Klassiker-Legende Boonen erzählt, dass es innerhalb des Teams unterschiedliche Auffassungen über die Taktik gab.
"Stannard war schon seit 50 Kilometern an unserem Rad, wir fuhren also schon eine ganze Weile vorne mit. Irgendwann kam Teamchef Wilfried Peeters neben uns her und fragte, wie wir es denn machen würden", erzählte Boonen in der Wielerclub-Wattage.
"Die logischste Lösung war, dass wir gemeinsam ins Ziel fahren und ich sie dann im Sprint schlagen würde. Aber Terpstra und Vandenberg wollten beide gewinnen", so Boonen weiter. "Ich dachte mir: Lass mich diesen Jungs jetzt helfen, dann habe ich bei den großen Klassikern perfekte Teamkollegen." Doch diese Behutsamkeit wich einer Taktik, die das Team in eine Niederlage führte.
"Stijn hat zuerst angegriffen. Stannard schloss sofort die Lücke und ich wusste, dass es ein guter Moment war. Ich sprang weg, aber nach 500 Metern spürte ich schon, dass das Beste vorbei war. Stannard hat das sehr clever gemacht. Als er mich zurückholte, explodierte ich."
Das Finale bestand aus vier Fahrern, und dann begannen die Quick-Step-Fahrer zu attackieren. Stijn Vandenbergh ging zuerst, dann Tom Boonen, dann schloss Vandenbergh den Angriff von Terpstra ab. Obwohl er in einem Sprint der klare Favorit ist, wurde Boonen nicht geschützt. Dann griff Stannard selbst an, und nur Niki Terpstra konnte ihm folgen.
Ein Sieg war jedoch immer noch wahrscheinlich, da Stannard Niki Terpstra effektiv an seinem Rad zog. Doch dann beging der Niederländer einen noch fataleren Fehler, indem er den Sprint freiwillig von weitem begann, obwohl Stannard die Verantwortung hatte, zu arbeiten. Stannard gewann daraufhin den Sprint.
Unmittelbar nach der Zielankunft seien die Emotionen innerhalb des Teams jedoch hochgegangen, und es sei auch zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen: "Ich habe mich inzwischen damit abgefunden, aber das war das einzige Mal, dass ich mich fast mit Niki Terpstra geprügelt hätte. Wir waren wirklich Nase an Nase und haben uns eine Viertelstunde lang nur beschimpft. Damals war es wirklich brutal! Denn was war da los?"