Tadej Pogacars lange Jagd auf Milano-Sanremo endete endlich mit dem ersehnten Sieg, doch sein erstes Gefühl im Ziel war nicht neue Gier auf weitere Erfolge. Es war vor allem Erleichterung.
Nach Jahren gezielter Vorbereitung, Trainingsfahrten auf den Straßen des Rennens und mehreren Beinahe-Erfolgen machte Pogacar deutlich, welchen Preis der Triumph bei La Primavera forderte. „Jetzt kann ich aufhören, jede Woche oder sogar zweimal pro Woche nach San Remo zu fahren, um zu trainieren. Es ist mental wirklich hart, den ganzen Winter in San Remo zu trainieren“, sagte er nach dem Rennen gegenüber
Cycling News.
Ein Monument, das mehr abverlangte als die meisten
Milano-Sanremo stand für Pogacar lange außerhalb der üblichen Monument-Herausforderungen - nicht nur wegen seiner Länge und Unberechenbarkeit, sondern auch, weil sich das Rennen kaum kontrollieren lässt.
Tom Pidcock (l.), Tadej Pogacar (M.) und Wout Van Aert (r.) auf dem Podium von Mailand-Sanremo
Für Pogacar reichte diese Schwierigkeit weit über den Renntag hinaus. Seine Vorbereitung bestand aus zahlreichen Streckenbesichtigungen und einem dauerhaften Fokus auf ein Rennen, das ihm immer wieder knapp entglitt. „Dieses Rennen kostet viel Aufwand, auch mental. Es ist eines der unberechenbarsten Rennen, die ich je gefahren bin. Ich denke, es ist eines der unberechenbarsten Rennen der Welt.“
Diese Unberechenbarkeit prägte auch seine früheren Versuche. Obwohl er regelmäßig als einer der stärksten Fahrer im Feld startete, reagierten seine Rivalen auf seine Attacken und zwangen das Rennen immer wieder in Szenarien, die ihm nicht optimal lagen.
Erleichterung nach Jahren des Drucks
Vor diesem Hintergrund fiel seine Reaktion nach dem lange ersehnten Triumph entsprechend aus. „Es ist eine ziemliche Erleichterung, es endlich gewonnen zu haben. Es waren viele Jahre Training hier, und ich werde es vermissen.“
Die Aussage wirkte zunächst widersprüchlich. Einerseits stand die Freude über den Sieg im Vordergrund, andererseits zeigte sich deutlich, wie fordernd der Weg dorthin gewesen war und wie sehr er über die Häufigkeit künftiger Starts nachdenkt.
Das unterstrich er wenig später mit einem augenzwinkernden Kommentar zu einer möglichen Rückkehr. „Wenn ich nach San Remo zurückkomme, dann nur, um Focaccia zu essen…“
Ein Kapitel geschlossen, der Blick geht nach vorn
Auch wenn er diesen Satz mit einem Lächeln formulierte, machte er damit einen größeren Punkt deutlich. Mit Milano-Sanremo im Palmares muss Pogacar seine Saison nicht länger um eines der wenigen fehlenden Schlüsselrennen herum planen.
Stattdessen kann er seinen Fokus freier setzen. „Ich bin jetzt einfach so glücklich, dass ich San Remo gewonnen habe, dass mir alles, was als Nächstes kommt, recht ist. Ich werde mir nicht den Kopf zerbrechen oder so.“
Das bedeutet jedoch keinen Verlust an Ambition. Pogacar stellte klar, dass er in den kommenden Wochen weiterhin die größten Klassiker ins Visier nimmt. „Natürlich ist die Form gut, und ich werde mit einem starken Team nach Flandern und Roubaix gehen. Und wir fahren in beiden Rennen auf Sieg.“
Von der Obsession zur Vollendung
Über Jahre gehörte Milano-Sanremo zu den prägenden Herausforderungen in Pogacars Karriere - ein Rennen, das sich ihm trotz seiner Dominanz in vielen anderen Klassikern entzog.
Seine Aussagen deuten keine endgültige Absage an zukünftige Starts an, zeigen jedoch deutlich, welches Gewicht dieses Monument für ihn hatte, solange es unbezwingbar blieb.
Pogacar hat Milano-Sanremo nun gewonnen. Die intensive Arbeit, die zu diesem Erfolg führte, liegt hinter ihm. Ob er zurückkehrt oder nicht - das große Ziel ist erreicht.