„Das ist einfach ein dicker Mittelfinger an Pogačar, so nach dem Motto: ‚Ich hab's früher als du.‘“: Jonas Vingegaard komplettiert die Grand-Tour-Trilogie mit einer Lehrstunde am Piancavallo

Radsport
Sonntag, 31 Mai 2026 um 10:30
Jonas Vingegaard
Jonas Vingegaard hat auf der Auffahrt nach Piancavallo in der 20. Etappe des Giro d’Italia erneut eine große Vorstellung geliefert. Weil sein Team an den Anstiegen verwundbarer wirkte als an den Vortagen, entschied sich der Däne mehr als zehn Kilometer vor dem Ziel für einen Soloritt. Niemand konnte seine Beschleunigung kontern, der Weg war frei für seinen fünften Etappensieg dieses Giro d’Italia.

Eintritt in den Kreis der Unsterblichen auf dem Piancavallo

Mit diesem Sieg reiht sich Vingegaard in einen erlesenen Kreis von Radsportlegenden ein (Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Felice Gimondi, Bernard Hinault, Alberto Contador, Vincenzo Nibali und Chris Froome), die alle drei Grand Tours mindestens einmal gewonnen haben.
Mit Blick auf die Leistung der 20. Etappe hob Analyst Bobbie Traksel hervor, dass der erschreckendste Aspekt der Fahrt des Dänen seine aufsteigende Formkurve über die drei Wochen war, während seine Hauptkonkurrenten in den letzten Tagen nichts mehr zuzusetzen hatten. „Er ist gewachsen. Er musste nicht einmal bei hundert Prozent sein, denn die letzten Feinheiten werden Richtung Tour de France gesetzt.“
Traksel betonte zudem, dass Vingegaard zwar nicht der lauteste Typ sei, hinter der ruhigen Art aber ein ausgeprägt wettkampforientiertes Mindset stecke. „Ich kritisiere ihn oft dafür, dass er langweilig ist. Das finde ich immer noch. Auch, dass er dann eine Ablösung von Felix Gall nicht übernimmt … Er ist nicht sehr meinungsfreudig, aber innerlich ist er ein Killer.“
Er erwähnte auch, dass das vollständige Grand-Tour-Triple vor Tadej Pogacar ein klares Signal an den Rivalen sendet. „Ich sah diese Woche ein Video zu seinem fünfzigsten Sieg, in dem er all seine Erfolge aufzählen konnte. Wer kann das? Und er hat die Trilogie schlicht früher komplettiert als Pogacar. Das ist einfach ein dicker Finger in Richtung Pogacar, so nach dem Motto: ‚Ich war früher dran als du.‘“
Jonas Vingegaard und sein Visma-Team im Konfettiregen beim Giro d’Italia 2026
Jonas Vingegaard and his Visma teammates showered in confetti at the 2026 Giro d'Italia

Ein bittersüßer vierter Platz für Thymen Arensman

Der letzte Tag in den Bergen bestätigte auch Gesamtrang vier für Thymen Arensman. Es ist das beste Grand-Tour-Ergebnis seiner Karriere, doch direkt neben dem Podium zu enden, bleibt schwer zu verdauen. Traksel sprach über die gemischten Gefühle, die der Netcompany INEOS-Fahrer in seiner bevorstehenden Ruhephase verarbeiten muss.
„Ich denke, er kann stolz sein. Er hat das Maximum herausgeholt, aber er wird in den kommenden Wochen ein paar Mal aufwachen mit dem Gedanken, dass er das Podium verpasst hat. Der vierte Platz ist wirklich ein fürchterlicher Rang.“
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