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Radsport-WM 2026 in Montreal könnte für Amaniel Desta weit mehr werden als nur das nächste Rennen seiner noch jungen Karriere. Der Äthiopier reist nach einer Saison, in der er international auf sich aufmerksam gemacht hat, mit seiner Nationalmannschaft nach Kanada. Gleichzeitig blickt er mit großer Ungewissheit auf das Jahr 2027, wie er gegenüber
MARCA erklärte.
Denn Team Amani, jene Mannschaft, die Desta den entscheidenden Entwicklungsschritt und Starts bei Rennen auf hohem Niveau ermöglicht hat, wird nach dieser Saison nicht weitermachen. Der junge Fahrer muss deshalb ein neues Team finden, wenn er seinen Traum von einer Karriere in Europa weiterverfolgen möchte.
Desta kämpft unter schwierigsten Bedingungen um seinen Traum
Sportlich reist Desta mit Argumenten nach Kanada, die auch europäische Mannschaften aufhorchen lassen dürften. Sein bestes Ergebnis der Saison erzielte er bei der Tour du Rwanda, die er auf dem vierten Gesamtrang beendete. Dort behauptete er sich gegen Fahrer aus einigen der führenden Entwicklungsprogramme und bewies, dass er auf diesem Niveau konkurrenzfähig ist. Über die gesamte Saison hinweg überzeugte Desta zudem mit bemerkenswerter Konstanz und gehörte regelmäßig zu den auffälligsten Nachwuchsfahrern des afrikanischen Kalenders.
Amaniel Desta peilt ab 2027 Renneinsätze in Europa an
Hinter diesen Ergebnissen verbirgt sich allerdings eine Realität, die sich deutlich von den Voraussetzungen vieler seiner Konkurrenten unterscheidet. Desta musste seine Entwicklung unter besonders schwierigen Bedingungen vorantreiben und zeitweise selbst beim Training mit minimalen Ressourcen auskommen.
Der Äthiopier spricht offen über die Hindernisse, die er auf seinem bisherigen Weg überwinden musste. Die fehlenden finanziellen Mittel betrafen dabei grundlegende Dinge wie seine Ernährung und Unterkunft, aber auch den Transport zum Training und zu Wettkämpfen.
„Meine Zeit bei Team Amani war sehr gut, um meine Fähigkeiten zu entwickeln und auf höchstem Niveau zu fahren“, erklärt Desta. Doch der sportliche Fortschritt war mit erheblichen Entbehrungen verbunden. „Es gab Phasen, in denen ich nicht genug Geld für Essen, Miete, Transport oder sogar das Nötigste fürs Training hatte – bis hin dazu, Einheiten nur mit einer Banane und ein paar Zuckerstücken zu bestreiten.“
Seine Erfahrungen verdeutlichen aus Destas Sicht die großen Unterschiede zwischen jungen afrikanischen Fahrern und Talenten, die ihre Karriere in Europa aufbauen. Der Äthiopier ist überzeugt, dass die Voraussetzungen keineswegs vergleichbar sind und diese Ungleichheit selbst für Fahrer mit überzeugenden Resultaten zu einer entscheidenden Hürde werden kann.
„Es gibt einen großen Unterschied zwischen den Möglichkeiten eines jungen afrikanischen Radfahrers und denen eines Gleichaltrigen in Europa. Europäische Fahrer haben bessere Trainingsbedingungen, mehr Unterstützung und deutlich mehr Rennerfahrung. Wir haben nicht dieselben Chancen.“
Trotz dieser schwierigen Voraussetzungen ist Desta konkurrenzfähig geblieben. Seine Ergebnisse möchte er nun als sportliche Visitenkarte nutzen, um sich für einen Platz in einem europäischen Team zu empfehlen.
Vierter in Ruanda – sein großes Schaufenster
Vor allem sein Auftritt bei der Tour du Rwanda zählt zu Destas stärksten Argumenten auf der Suche nach einer Möglichkeit in Europa. Mit seinem vierten Gesamtrang stellte er sich dem direkten Vergleich mit Fahrern aus etablierten Entwicklungsstrukturen und bewies, dass er bei einem Rennen konkurrenzfähig ist, in dem junge Talente mit völlig anderen Vorbereitungsmöglichkeiten auf sich aufmerksam machen.
Dass dieses Ergebnis kein einmaliger Ausreißer war, unterstrich Desta mit seiner Konstanz im weiteren Saisonverlauf. Immer wieder gehörte er zu den auffälligsten jungen Fahrern des afrikanischen Kalenders und festigte damit den Eindruck einer kontinuierlichen sportlichen Entwicklung.
Bei der U23-Radsport-WM erhält Desta nun die nächste Gelegenheit, seine Fähigkeiten vor einem internationalen Publikum unter Beweis zu stellen. Kanada wird für ihn damit zu einem wichtigen Schaufenster – zu einem Zeitpunkt, an dem Teams, Sportdirektoren und andere Entscheider bereits ihre Planungen für die kommende Saison vorantreiben.
Diese Bühne will Desta nutzen, um zu zeigen, dass seine bisherigen Resultate kein Zufall sind. Gleichzeitig möchte er beweisen, dass er den nächsten Schritt in seiner Entwicklung gehen kann, sofern er dafür die passende sportliche Struktur findet.
Team Amani hört auf – Europa ist das Ziel
Doch genau hier liegt das Problem: Während Destas sportliche Entwicklung voranschreitet, fällt 2027 jene Plattform weg, die ihn bis an diesen Punkt gebracht hat. Team Amani wird nach dieser Saison nicht weitermachen. Damit benötigt Desta dringend eine Alternative, um seine Karriere fortsetzen zu können.
„Wir afrikanischen Fahrer haben nicht genug Chancen für diesen Sprung, und sie sind sehr begrenzt. Aber ich werde die Gelegenheit nutzen, wenn ich jemanden finde, der mir hilft.“
Diese Worte bringen die Situation des Äthiopiers auf den Punkt. Die Radsport-WM in Kanada findet für ihn zu einem entscheidenden Zeitpunkt statt. Nun geht es darum, die starken Ergebnisse dieser Saison in eine konkrete Perspektive für das kommende Jahr zu verwandeln.
Sein Ziel hat Desta klar vor Augen: Er möchte ein Team finden, das ihm Vertrauen schenkt und ihm die Möglichkeit bietet, seine Entwicklung in Europa fortzusetzen. Zugleich richtet er eine direkte Botschaft an jene Mannschaften, die noch davor zurückschrecken, einem Fahrer aus dem afrikanischen Radsport eine solche Gelegenheit zu geben.
„Ich würde Teams, die zögern, einen afrikanischen Fahrer zu verpflichten, bitten, uns eine Chance zu geben.“
Für Desta würde ein Vertrag für 2027 deshalb weit mehr bedeuten als lediglich einen Wechsel der Mannschaft. Er würde ihm die Tür zum Profiradsport offenhalten und die Möglichkeit geben, jenes Ziel weiterzuverfolgen, für das er über Jahre hinweg unter deutlich schwierigeren Bedingungen gearbeitet hat als viele seiner Konkurrenten.
„Für mich persönlich bedeutet ein Vertrag 2027 sehr viel. Wenn ich jetzt keine Hilfe bekomme, könnte ich mein Ziel verlieren.“
Kanada wird für Desta damit gleichermaßen zum Rennen und zur großen Chance. Bei der U23-Radsport-WM startet er in den Farben Äthiopiens, mit dem vierten Gesamtrang bei der Tour du Rwanda als sportlichem Empfehlungsschreiben und einer Geschichte voller Entbehrungen im Gepäck. Nun hofft er darauf, dass jemand auf der anderen Seite des Atlantiks in seinen Leistungen genügend Argumente erkennt, um ihm die Chance zu geben, die er für den nächsten Schritt seiner Karriere benötigt.