Michael Woods, Michael Matthews und Jai Hindley: Diese Außenseiter wollen die Favoriten bei der Radsport-WM herausfordern
Radsport
Die großen Favoriten für das Straßenrennen der Radsport-WM 2026 sind klar umrissen. Remco Evenepoel, Paul Seixas, Isaac del Toro, Mathieu van der Poel und Tom Pidcock stehen im Mittelpunkt. Dennoch verspricht das Rennen einen actiongeladenen Thriller, in dem sich auch für Außenseiter die Chance bieten könnte, die prominentesten Namen herauszufordern.
Am 27. September nehmen die Elite-Männer den 273,4 Kilometer langen Kurs mit mehr als 3.500 Höhenmetern in Angriff. Der anspruchsvolle Rundkurs ist für die Profis keineswegs Neuland: Erst zwei Wochen zuvor absolvierten sie einen Großteil der Strecke beim Grand Prix de Montreal.
Michael Woods kehrt ins Rampenlicht zurück
Dort machten Isaac del Toro und Paul Seixas den Sieg unter sich aus. Doch in den Top 20 tauchte noch ein weiterer, überraschender Name auf: der eigentlich bereits „zurückgetretene“ Michael Woods.

Eigentlich hatte Michael Woods seine Profikarriere bereits beendet. Nach Platz 18 beim GP de Montreal greift der 39-Jährige nun bei der Radsport-WM für Kanada an.
Der inzwischen 39-jährige Kanadier fand erst im Alter von 30 Jahren zum Radsport, nachdem er zuvor eine Karriere als Mittelstreckenläufer verfolgt hatte. 2018 stand Woods bei einer der härtesten Ausgaben der Radsport-WM in Leogang auf dem Podium. Bei den Olympischen Spielen in Tokio belegte er zudem den fünften Platz, ehe er sich am Ende der vergangenen Saison aus dem Profiradsport verabschiedete.
Auf die faule Haut legte sich Woods anschließend allerdings keineswegs. Der Kanadier blieb insbesondere im Gravel-Bereich aktiv und bewies bei seiner Rückkehr auf die Straße bei den kanadischen Meisterschaften im Juni, dass er in den zurückliegenden sechs Monaten kaum etwas von seiner Klasse und Leistungsfähigkeit eingebüßt hatte. Am Ende belegte er den siebten Platz.
Für die Nationaltrainer war dieses Ergebnis ein deutliches Signal, dass der 39-Jährige einen Platz im Aufgebot für die Grands Prix von Quebec und Montreal verdient hatte. Nachdem Woods in Montreal auf Rang 18 gefahren war, gab es schließlich auch kaum einen Grund, den „zurückgetretenen“ Routinier nicht für die Radsport-WM auf demselben Kurs zu nominieren. Zumal der nächstbeste Kanadier beim Grand Prix lediglich den 49. Platz belegte.
Woods gilt allerdings nicht als Fahrer, der regelmäßig mit weitreichenden Attacken für Aufsehen sorgt. Gerade für Fahrer außerhalb des Kreises der 20 größten Favoriten dürfte Antizipation zwar eine der vielversprechendsten Möglichkeiten darstellen. Bei Woods erscheint es jedoch wahrscheinlicher, dass er sich auf den Verschleißkampf bei den wiederholten Überquerungen des Mount Royal einlässt und darauf setzt, seine jüngeren Konkurrenten mit zunehmender Renndauer zu überdauern.
Einen schweren Rückschlag musste Kanada bereits vor dem Start der Radsport-WM verkraften. Kapitän Derek Gee-West stürzte beim GP de Montreal schwer und musste in der Folge auf sämtliche Einsätze bei der Radsport-WM verzichten.
Damit rückt Woods als plausible Alternative für die kanadische Mannschaft in den Mittelpunkt.
Unterstützung erhält der Routinier von den Allroundern Hugo Houle, Nickolas Zukowsky und Pier-Andre Cote, die allesamt als Kandidaten für Ausreißergruppen infrage kommen. Komplettiert wird die Mannschaft unter anderem durch das Talent Michael Leonard.
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Australien setzt auf Offensive
Im Gegensatz zu Kanada verfügt Australien gleich über mehrere Fahrer mit realistischen Ambitionen auf einen Platz in den Top 10. Mit Jay Vine und Luke Plapp fehlen zwar möglicherweise die beiden stärksten Optionen der Mannschaft, doch auch ohne sie besitzt das Team aus Down Under einige spannende Trümpfe.
Die naheliegendste Wahl für die Kapitänsrolle dürfte Michael Matthews sein. Der 35-Jährige fühlt sich traditionell in brutalen Eintagesrennen wohl und gewann bereits 2018 den Grand Prix de Montreal. In den darauffolgenden Jahren erzielte Matthews zwar meist beim Rennen in Quebec die besseren Ergebnisse, doch nach sechs Stunden Renndauer ist er noch immer ein Gegner, dem kaum jemand gerne in einem Sprint gegenübersteht.

Michael Matthews gewann 2018 den Grand Prix de Montreal. Bei der Radsport-WM könnte der Australier erneut von seinen Qualitäten in langen und harten Eintagesrennen profitieren.
Die entscheidende Frage wird allerdings sein, ob Matthews auf dem anspruchsvollen Kurs überhaupt in eine Position kommt, aus der er um ein Spitzenergebnis sprinten kann.
Deutlich wahrscheinlicher erscheint ein Rennverlauf, bei dem eine frühe Attacke lange Bestand hat und sich die Angreifer später mit einer Gruppe der Favoriten zusammenschließen. Unter normalen Umständen wäre ein solches Szenario wie gemacht für Plapp. In dessen Abwesenheit dürften Ben O'Connor oder Michael Storer versuchen, diese Rolle zu übernehmen.
Vor allem Storer präsentiert sich in dieser Saison in ausgezeichneter Verfassung. Der 29-Jährige belegte beim Giro d'Italia den siebten Gesamtrang und wurde zuletzt Vierter beim Memorial Marco Pantani. Dabei blieb er seinem furchtlosen und offensiven Fahrstil stets treu – eine Herangehensweise, die ihm auch in Montreal entgegenkommen könnte.
Mit Jai Hindley besitzt Australien zudem eine interessante Wildcard. Der Australier ist in erster Linie für seine Qualitäten als Rundfahrer bekannt, doch der Giro-d'Italia-Sieger von 2022 hat längst bewiesen, dass er auch in langen und anspruchsvollen Eintagesrennen bestehen kann.

Jai Hindley reist mit einer starken Saison im Rücken zur Radsport-WM. Der Kletterer von Red Bull - BORA - hansgrohe könnte für Australien zur wertvollen Wildcard werden.
In diesem Jahr belegte Hindley bei Luttich-Bastogne-Luttich den 16. Platz, im Vorjahr wurde er bei der Radsport-WM in Kigali ebenfalls 16. Dass sich der Kletterer von Red Bull - BORA - hansgrohe aktuell in guter Verfassung befindet, unterstrich er vor zwei Wochen mit Rang sechs beim Memorial Marco Pantani. Dort erreichte er das Ziel in der ersten Gruppe hinter einer späten Flucht.
Hinzu kommt eine erfolgreiche Saison. Hindley stand zum dritten Mal in seiner Karriere auf dem Podium des Giro d'Italia und spielte später auch eine Rolle bei Remco Evenepoels zweitem Platz bei der Tour de France.
Weil Hindley in unterschiedlichen Rennsituationen Einfluss nehmen kann, dürfte der Australier bei der Radsport-WM in Montreal besonders aufmerksam beobachtet werden.
Komplettiert wird das australische Aufgebot von Jack Haig und Luke Tuckwell. Der erfahrenere Haig scheint zwar nicht mehr ganz das Niveau seiner besten Jahre zu besitzen, in denen ihm unter anderem ein Podiumsplatz bei der Vuelta a Espana 2022 gelang. Dennoch verfügt er weiterhin über die Qualität, um als wertvoller Satellit für einen attackierenden Landsmann zu fungieren. Für Hindleys Teamkollegen Tuckwell wiederum dürfte das Debüt bei der Radsport-WM mit einer steilen Lernkurve verbunden sein.
Australien reist somit zwar ohne einen der ganz großen Favoriten nach Montreal, könnte am Sonntag aber dennoch eine Schlüsselrolle spielen. Mit furchtlosen Angreifern, erfahrenen Routiniers und einem ausdauernden Sprinter verfügt die Mannschaft über verschiedene taktische Möglichkeiten, um vermeintlich stärkere Nationen beim Höhepunkt der Radsport-WM vor große Probleme zu stellen.

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Für Radsportaktuell.de berichtet er über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf Vorberichten, Rennzusammenfassungen und Analysen, mit denen er Entwicklungen im Peloton klar einordnet.
Bei seiner Arbeit wird Nic von den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattform CyclingUpToDate unterstützt, wodurch er regelmäßig direkten Zugang zu Teams, Fahrern und offiziellen Terminen erhält. Er arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus. In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026







