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„Wenn er startet, gewinnt er“ – Johan Bruyneel hat einen klaren Favoriten für den Giro d’Italia 2027

Radsport
Jonas Vingegaard
Die Strecke des Giro d’Italia 2027 wurde vorgestellt und wirft eine der großen Fragen für die kommende Saison auf: Welche Stars des Pelotons entscheiden sich für das italienische Rennen? Johan Bruyneel und Spencer Martin diskutierten im Podcast The Move über die möglichen Teilnehmer, insbesondere über Jonas Vingegaard und seine Saisonplanung.
Das Rennen findet vom 8. bis 30. Mai 2027 statt. Die anspruchsvolle Strecke bietet zahlreiche Anstiege, zwei Einzelzeitfahren über insgesamt 57 Kilometer und eine besonders herausfordernde Etappe. Auf der 16. Etappe müssen die Fahrer den Mortirolo zweimal erklimmen und den Gavia überqueren, ehe das Ziel auf einem Gipfel liegt. Das Profil könnte die besten Kletterer anlocken und laut den Experten ein hochkarätiges Teilnehmerfeld versprechen.
Für Bruyneel liegt die größte Ungewissheit jedoch weniger in der Strecke als vielmehr in der Frage, wer am Start stehen wird. Der frühere Profi und Sportdirektor hält es für zu früh, um zu wissen, welche Teamkapitäne Italien ins Visier nehmen. Er ist sich allerdings ziemlich sicher, dass Tadej Pogacar bei dieser Ausgabe nicht dabei sein wird.

Vingegaard könnte seiner Palmares eine weitere Grand Tour hinzufügen

Die Diskussion über Vingegaard brachte eine der interessantesten Einschätzungen der Sendung hervor. Bruyneel vermutete, dass der Däne Rennen meiden könnte, bei denen er auf Pogacar trifft. Zugleich betonte er, dass Vingegaard seinen Rennkalender nicht allein festlegt.
Davide Piganzoli und Jonas Vingegaard vor der 20. Etappe des Giro d’Italia 2026
Jonas Vingegaard gewann den Giro d’Italia 2026
„Wenn er wirklich frei entscheiden könnte – auch wenn natürlich nicht nur er die Entscheidungen trifft –, würde er am liebsten bei keinem Rennen starten, an dem Pogacar teilnimmt“, erklärte der Belgier.
Bruyneels Überlegung: Der Giro wäre für Vingegaard eine große Chance. Die Aussichten des Dänen schätzte er besonders hoch ein: „Wenn er den Giro fährt, gewinnt er ihn wieder. Damit hätte er eine weitere Grand Tour in seiner Palmares.“
„Wenn du die Tour zweimal gewonnen hast und jetzt auch die Vuelta und den Giro, bleibt nur noch eines: Pogacar erneut bei der Tour zu schlagen“, sagte Bruyneel.
Die italienische Strecke könnte Vingegaard also sehr entgegenkommen. Ob er teilnimmt, hängt jedoch davon ab, wie er seine Saison gestalten will. Ein weiteres Duell mit dem Slowenen dürfte dabei Vorrang haben.

Pogacar plant nicht mit dem Giro; Del Toro und Almeida als UAE-Optionen

In einem weiteren Punkt waren sich die Gäste von The Move einig: Pogacar wird voraussichtlich nicht starten. Bruyneel erwartet, dass sich der Rennkalender des Slowenen um die Tour de France, die Weltmeisterschaften und die Vuelta a España sowie die Frühjahrsklassiker dreht.
„Wir wissen sicher, dass Pogacar den Giro nicht fahren wird“, sagte er. Zugleich gebe es Anzeichen dafür, dass der Slowene auch bei der Spanien-Rundfahrt starten könnte.
Seine Abwesenheit würde UAE Team Emirates vor die spannende Frage stellen, wer das Team beim Giro anführen soll. Bruyneel nannte drei Kandidaten: Isaac del Toro, Adam Yates und Joao Almeida.
Die Entscheidung dürfte angesichts der anspruchsvollen Strecke wichtig werden. Del Toro ist nach seiner jüngsten Entwicklung eine interessante Option. Almeida und Yates bringen dagegen die Erfahrung mit, um im Kampf um die Gesamtwertung Verantwortung zu übernehmen.
Spencer Martin fragte, wer ohne Pogacar und Vingegaard unter Del Toro, Felix Gall, Almeida, Richard Carapaz und Giulio Pellizzari als Favorit gelten würde. Bruyneel nannte zunächst den Mexikaner. Beide waren sich jedoch einig, dass die Strecke auch dem Österreicher besonders gut liegen könnte.

Felix Gall als großer Anwärter auf die Gesamtwertung

Neben den beiden prominenten Fahrern, deren Teilnahme noch offen ist, hoben Bruyneel und Martin Felix Gall als einen der Profiteure der Strecke hervor. Der Österreicher stand bei beiden Grand Tours, die er bisher bestritten hat, auf dem Podium. In Italien könnte sich ihm die Chance bieten, erstmals eine dreiwöchige Rundfahrt zu gewinnen.
Spencer Martin hält die Strecke für besonders passend, weil ein Einzelzeitfahren mit einer Bergankunft endet. Auch Bruyneel sieht gute Chancen für Gall und merkt an, dass er bei seinem neuen Team Lidl-Trek eine Führungsrolle übernehmen könnte.
„Sein nächstes Ziel ist es, eine Grand Tour zu gewinnen. Ich denke, der Giro ist dafür wahrscheinlich die beste Gelegenheit, falls die größten Namen fehlen“, sagte der Belgier.
In seiner eigenen Prognose nannte Bruyneel Isaac del Toro als Favoriten, falls Pogacar und Vingegaard nicht teilnehmen. Zugleich räumte er ein, dass Gall die Klasse hat, um ihn um den Sieg herauszufordern.
In der Analyse fielen auch die Namen Richard Carapaz, Giulio Pellizzari, Joao Almeida, Jai Hindley, Egan Bernal und Michael Storer. Die beiden Experten glauben, dass die Strecke dem Australier besonders entgegenkommen könnte, wenn er um einen Podestplatz kämpft.
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Anspruchsvolle Strecke, aber weniger Marathonetappen

Spencer Martin analysierte zahlreiche Schlüsselmerkmale der Strecke. Die Ausgabe 2027 beginnt in Triest, führt kurz durch Slowenien und kehrt anschließend nach Italien zurück. Der Parcours umfasst sechs sprintgerechte Etappen, acht hügelige Abschnitte und fünf Bergetappen.
Besonders auffällig ist für Martin die Zahl der Bergankünfte. Sieben Etappen enden am Berg. Dazu kommen zwei Zeitfahren: ein Einzelzeitfahren mit Bergankunft auf der siebten Etappe und ein komplett flacher Kurs von Monza nach Mailand auf der 15. Etappe.
Zudem verwies er auf eine Änderung gegenüber früheren Ausgaben: Nur drei Etappen sind länger als 200 Kilometer. „In diesem Jahr gibt es nur drei Etappen über 200 Kilometer“, sagte Martin und merkte an, dass die Organisatoren mehrere Übergangsetappen verkürzt haben.
Die 16. Etappe zählt zu den größten Herausforderungen des Rennens. Zwei Überquerungen des Mortirolo, gefolgt vom Gavia und einer Bergankunft, machen sie außergewöhnlich anspruchsvoll. Bruyneel erinnerte jedoch an ein wiederkehrendes Problem des Giro: Schnee kann Änderungen an der Streckenführung über die großen Alpenpässe erzwingen.
Martin wies außerdem darauf hin, dass die 20. Etappe eine weitere fordernde Bergetappe mit Ziel am legendären Monte Zoncolan bereithält. Der Kampf um die Gesamtwertung hängt somit nicht allein davon ab, ob die Königsetappe vollständig gefahren werden kann.
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