Die Zukunft von
Paul Seixas sorgt im internationalen Radsport weiterhin für reichlich Gesprächsstoff. Der Vertrag des französischen Ausnahmetalents beim
Decathlon CMA CGM Team läuft Ende 2027 aus, doch schon seit Monaten wird intensiv über seinen nächsten Karriereschritt spekuliert. Sein aktueller Arbeitgeber setzt offenbar alles daran, den 20-Jährigen langfristig an sich zu binden. Ob diese Bemühungen tatsächlich von Erfolg gekrönt sein werden, ist allerdings weiterhin völlig offen.
„Wenn Paul Seixas wirklich bei Decathlon bleiben wollte, sollte er meiner Meinung nach einfach sofort unterschreiben“, erklärte Radsportanalyst Spencer Martin im Podcast
The Move. „Er könnte einen Fünfjahresvertrag unterschreiben, so wie UAE das ständig macht. Pogacar und del Toro haben gerade bis 2032 verlängert. Paul Seixas sagt aber: ‚Bisher habe ich meine ganze Karriere damit verbracht, Verträgen hinterherzujagen.‘“
Seixas will sich bei seiner Zukunftsentscheidung nicht unter Druck setzen lassen
Martin bezog sich dabei auf weitere Aussagen des Franzosen, der seine Zurückhaltung bei Vertragsverhandlungen zuletzt ausführlich begründet hatte. „Jedes Mal, wenn ich eine gute Leistung gezeigt habe, hieß es, ich müsse einen neuen Vertrag unterschreiben. Als ich vor zwei Jahren meinen neuen Vertrag unterschrieben habe, habe ich mir aber versprochen, mich beim nächsten nicht unter Druck setzen zu lassen, weil ich das Ganze langsam satt habe. Und dann sagt er: ‚Ich glaube, irgendwann werde ich das richtige Gefühl haben und wissen, dass es die richtige Entscheidung ist.‘“
Paul Seixas steht vor einer richtungsweisenden Entscheidung: Trotz umfangreicher Investitionen und namhafter Verstärkungen ist seine Zukunft beim Decathlon CMA CGM Team über 2027 hinaus weiterhin ungeklärt.
Mit diesen Äußerungen hatte Seixas in einem Interview mit RMC bestätigt, dass er für die Zeit nach der Saison 2027 bislang noch keine Einigung mit einem Team erzielt hat. Damit bleibt auch ein Abschied vom Decathlon CMA CGM Team eine realistische Möglichkeit.
„Was ist hier eigentlich los?“ – Experten rätseln über Seixas' Zukunft
Für Martin werfen die Aussagen des französischen Hoffnungsträgers inzwischen mehr Fragen auf, als sie beantworten. Vor allem die Tatsache, dass Seixas trotz der Bemühungen seines aktuellen Arbeitgebers noch keine Entscheidung getroffen hat, lässt den Analysten aufhorchen.
„Damit sagst du also, dass du noch nicht weißt, ob du bei Decathlon verlängern willst. Das wäre die naheliegende Schlussfolgerung. Was ist hier los?“, fragte Martin.
Ursprünglich hatte er den Spekulationen um einen möglichen Wechsel offenbar keine allzu große Bedeutung beigemessen. Inzwischen sieht er die Situation jedoch anders. „Ich dachte, das wäre ein bisschen – wie nennt man das? – ein Sturm im Wasserglas, also viel Lärm um nichts. Aber jetzt frage ich mich doch: Was ist hier eigentlich los?“
Dabei hat Decathlon in den vergangenen Monaten erhebliche Anstrengungen unternommen, um seine sportliche Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Dank einer deutlichen Budgeterhöhung für die Saison 2026 konnte der französische Rennstall bereits mehrere namhafte Fahrer verpflichten. Mit Matthew Riccitello, Tiesj Benoot, Olav Kooij und Tobias Lund Andresen erwiesen sich gleich vier Neuzugänge als wertvolle Verstärkungen.
Auch bei der jüngsten Kaderplanung standen die sportlichen Ambitionen von Seixas offenbar im Mittelpunkt. Mit Ben O'Connor, Pavel Sivakov und Laurens de Plus bestätigte das Team zuletzt die Verpflichtung von drei erfahrenen Bergfahrern, die den Franzosen bei der Verwirklichung seiner großen Ziele unterstützen sollen.
Bruyneel vermutet Vertragspoker: „Der geforderte Preis ist nicht das Problem“
Trotz der anhaltenden Ungewissheit sieht
Johan Bruyneel die sportliche Zukunft des 20-Jährigen weiterhin am besten bei seinem bisherigen Arbeitgeber aufgehoben. Der belgische Radsportexperte hält die Rahmenbedingungen bei Decathlon für ausgesprochen attraktiv, stellt sich angesichts der zögerlichen Haltung des Franzosen allerdings ebenfalls einige Fragen.
„Meiner Meinung nach ist es für ihn derzeit nach wie vor die beste Möglichkeit, bei diesem Team zu fahren. Und Decathlon bemüht sich ganz offensichtlich sehr“, erklärte Bruyneel. Gleichzeitig schließt er nicht aus, dass hinter Seixas' öffentlicher Zurückhaltung auch finanzielle Überlegungen stecken könnten.
„Wir wissen nicht, ob das ein Spiel ist, um den Preis weiter in die Höhe zu treiben. Egal, wie hoch Paul Seixas' Gehalt ausfällt, es wird wohl etwas unter Pogacars liegen. Ich würde sein Grundgehalt auf sechs oder sieben Millionen schätzen.“
Aus Sicht des Belgiers dürfte die finanzielle Dimension eines möglichen neuen Vertrags ohnehin kein entscheidendes Hindernis darstellen. Schließlich wäre jeder Rennstall mit den entsprechenden wirtschaftlichen Möglichkeiten bereit, für ein Talent wie Seixas tief in die Tasche zu greifen.
„Jedes Team, das dieses Budget aufbringen kann, wird ihm das zahlen. Der geforderte Preis ist also nicht das Problem. Wenn er bei Decathlon bleiben wollte, hätte er bereits unterschrieben.“
Zusätzlich hat Decathlon seine Lizenzstruktur verändert, um von den steuerlichen Vorteilen der Schweiz zu profitieren. Für Seixas könnte dieser Schritt durchaus von Bedeutung sein, da ihm dadurch ein größerer Anteil seines Bruttogehalts verbleiben würde. Das ohnehin attraktive Vertragsangebot des französischen Rennstalls gewinnt damit finanziell weiter an Reiz.
Bruyneel hatte deshalb lange Zeit kaum Zweifel daran, dass der Franzose seinem aktuellen Team treu bleiben würde. Mittlerweile scheint seine Zuversicht jedoch etwas geschwunden zu sein. „Ich war ziemlich zuversichtlich, dass er bleiben würde. Decathlon hat sich wirklich sehr bemüht. […] Das Team hat viele gute Fahrer verpflichtet und seinen Sitz in die Schweiz verlegt, um dem französischen System zu entgehen, das für den Rennstall nachteilig war …“
Ob all diese Maßnahmen tatsächlich ausreichen, um Seixas auch über 2027 hinaus zu halten, bleibt abzuwarten. Spätestens in der nächsten Transferperiode dürfte der 20-Jährige ins Visier mehrerer ambitionierter Mannschaften geraten, die sich die Dienste eines der vielversprechendsten Fahrer der kommenden Radsportgeneration sichern wollen.