Während die Debatte um
Paul Seixas’ mögliches Tour-de-France-Debüt weiter an Fahrt aufnimmt, haben Ex-Giro-d’Italia-Etappensieger David McKenzie und Landsfrau
Grace Brown eine der bislang schärfsten Positionen formuliert – und angedeutet, Decathlon müsse eher jetzt handeln als langfristig planen.
Der 51-jährige Australier, Giro-Etappensieger 2000 und nationaler Meister 1998, ordnete die Lage nicht nur als sportliche Entscheidung ein, sondern als Frage von Timing und Gelegenheit. „Der egoistische Teil von mir sagt ja“,
sagte McKenzie im SBS Cycling Podcast. „Der richtige Teil, der Directeur Sportif oder General Manager, sagt nein. Er sollte es vermutlich nicht, aber ich würde ihn dort liebend gern sehen.“
„Dann sollten sie ihn jetzt einsetzen“
Während McKenzie abwägt, spricht Olympiasiegerin Brown einen möglichen kurzfristigen Verbleib von Seixas bei Decathlon offen an. „Wenn sie ihn nur für ein paar Jahre haben, sollten sie vielleicht das Maximum aus ihm herausholen“, erklärte sie. „Wenn er zu einem anderen Team wechselt, sollten sie ihn jetzt einsetzen. Und wenn es Probleme gibt, können sie die an ein anderes Team weiterreichen.“
Dieses Argument wiegt umso schwerer angesichts des
wachsenden Transferinteresses an Seixas, wobei sowohl
UAE Team Emirates - XRG als auch INEOS Grenadiers bereits stark mit einem zukünftigen Wechsel des Franzosen in Verbindung gebracht werden.
Vor diesem Hintergrund erhalten die Aussagen ihre Schärfe. Es handelt sich nicht um ein fernes, theoretisches Szenario, sondern um eine sehr reale Option im modernen
Transfermarkt. Während andere über Entwicklung oder Druck sprechen, verweist Brown auf das Timing – und auf das Risiko, dass Decathlons Zeitfenster, ihren „Trumpf“ voll auszuspielen, kürzer sein könnte als erhofft.
Ein „Trumpf“, um den herum man aufbauen kann
Trotz dieser klaren Kante machte McKenzie ebenso deutlich, wie hoch er Seixas einschätzt und welche Bedeutung er für das Team hat. „Sie haben einen Trumpf. Er ist die Ass-Karte“, sagte er. „Jetzt geht es darum, den Rest der Mannschaft um ihn herum aufzubauen. Wenn du dieses Ass nicht hast, ist es sehr schwer, einen Champion zu formen. Aber sie haben ihn bereits.“
Diese Überzeugung erklärt, warum die Entscheidung so schwer wiegt. Seixas ist nicht einfach ein weiterer talentierter Youngster, sondern potenziell ein Eckpfeiler für die Zukunft des Teams.
Tadej Pogacar and Paul Seixas at the 2026 Liêge-Bastogne-Liège
Das perfekte Umfeld, vorerst
McKenzie betonte zudem, dass Decathlon aktuell das ideale Umfeld für Seixas’ Entwicklung biete – nicht zuletzt angesichts des laufenden Umbaus. „Ich würde es hassen, ihn gehen zu sehen. Es ist tatsächlich das perfekte Team für ihn“, sagte er. „Mit dem Rebuild und der Richtung, in die sie gehen, passt das sehr gut zu ihm.“
Daraus entsteht der innere Konflikt seiner Argumentation. Einerseits ist Decathlon derzeit der beste Ort für Seixas’ Wachstum. Andererseits dürfte dieses Fenster nicht ewig offen bleiben, und Chancen wie die
Tour de France kommen nicht ohne Folgen.
Eine andere Stimme in einer vollen Debatte
Die Aussagen von McKenzie und Brown fügen einer der prägenden Diskussionen des Sports eine weitere Ebene hinzu.
Während Stimmen wie Geraint Thomas ein Tour-Debüt ohne Gesamtklassements-Erwartungen befürworten und das
Decathlon CMA CGM Team weiterhin auf Vorsicht und langfristige Entwicklung pocht, wurzelt McKenzies Haltung im Timing.
Es geht nicht nur darum, ob Seixas die Tour fahren sollte. Sondern ob Decathlon es sich leisten kann, ihn nicht zu nutzen, solange er noch im Team ist.
Seixas’ Auftritte in dieser Saison, gekrönt von seinem Rennen bei Lüttich–Bastogne–Lüttich, sorgen dafür, dass jede Entscheidung unter scharfer Beobachtung steht. Und in einem Sport, in dem Chancen flüchtig sein können, könnte Abwarten ebenso folgenreich sein wie ein zu früher Schritt.