„Diese Werte habe ich im Training gesehen, nichts Besonderes“ – Der 21-jährige Jorgen Nordhagen kündigt sich bei der Tour de Romandie als Vismas nächster Kapitän an

Radsport
Samstag, 02 Mai 2026 um 20:00
Jorgen Nordhagen
Jorgen Nordhagens Tour de Romandie hat sich rasch von einem vielversprechenden Auftritt zu etwas deutlich Größerem entwickelt, denn der 21-Jährige behauptet sich weiterhin gegen die besten Gesamtklassement-Fahrer des Rennens.

Nordhagen reift in der Romandie zum echten GC-Kapitän

Auf der Königsetappe, die Tadej Pogacar vor Florian Lipowitz gewann, überquerte Nordhagen die Linie als 14. Er erreichte das Ziel in der dritten Gruppe auf der Straße, 1 Minute und 47 Sekunden zurück, und begrenzte seine Verluste an einem Tag, der das Rennen am Schlussanstieg zum Jaunpass zerlegte.
Diese Leistung hält ihn im Gesamtklassement klar im Rennen. Er liegt als Vierter rund zweieinhalb Minuten hinter Pogacar und nur Sekunden von den Podiumsplätzen entfernt.
Für einen Fahrer, der auf diesem Niveau erstmals die Führungsrolle übernimmt, ist das ein bemerkenswert abgeklärter Auftritt.

Abgezockte Fahrt am entscheidenden Anstieg

Die Schlüsselszene ereignete sich, als Pogacar am letzten Anstieg beschleunigte und nur Lipowitz für eine nennenswerte Zeit mitgehen konnte. Dahinter zerfiel das Rennen schnell, sodass Fahrer wie Nordhagen ihren eigenen Rhythmus finden und den Schaden begrenzen mussten.
Genau das war sein Ansatz. „Als sie gingen, war es zu hart mit den zwei besten Jungs“, erklärte Nordhagen anschließend bei Cycling Pro Net. „Ich war ein bisschen froh, dass Lenny auch am Limit war, sodass wir zusammen fahren konnten.“
Der Verweis auf Lenny Martinez erwies sich als entscheidend. Anstatt solo zu jagen, schloss sich Nordhagen mit dem Franzosen zusammen und versuchte kurz, ihre Position auf der Straße zu festigen. „Aber dann haben wir gesprochen und es war schwer, nur zu zweit wegzubleiben. Also haben wir auf die Gruppe gewartet“, fuhr er fort.
Es war eine pragmatische Entscheidung auf einer Etappe, auf der das Terrain – insbesondere die Talpassagen nach dem Anstieg – Kooperation zwingend machte. Am Ende sorgte dieser Call dafür, dass er Teil einer größeren Verfolgergruppe blieb, statt beim Versuch einer unwahrscheinlichen Aktion zu explodieren. „Im Rückblick: Wenn wir es weitergezogen hätten, wäre es am Ende vielleicht weniger taktisch gewesen. Aber fürs GC war es ein guter Move.“

Zahlen untermauern die Leistung

Auffällig an Nordhagens Auftritt ist nicht nur das Resultat, sondern die Art, wie er es einordnet. Trotz der starken Konkurrenz klingt weder Überraschung noch Überperformen an. „Ich denke, überrascht, aber ich habe die Zahlen im Training gesehen und das ist nichts Besonderes“, sagte er. „Ich bin froh, die Zahlen auch im Rennen treten zu können.“
Diese nüchterne Einordnung zeigt einen Fahrer, der bereits in wiederholbaren Leistungen denkt statt in Durchbruchsmomenten.
In einem bislang von Pogacar dominierten Rennen, in dem Lipowitz als stärkster Herausforderer in den Bergen auftritt, hat sich Nordhagen leise als nächster Name in dieser Diskussion etabliert. Mit erst 21 Jahren und bereits in einer Führungsrolle auf diesem Niveau unterstreicht seine Position knapp außerhalb des Podiums sowohl sein aktuelles Leistungsvermögen als auch seine langfristige Entwicklung.
Mit einer verbleibenden Etappe sind die Abstände eng genug, um das Podium in Reichweite zu halten. Wichtiger noch: Die Romandie lieferte den bislang klarsten Hinweis, dass Team Visma | Lease a Bike seinen nächsten Gesamtklassement-Kapitän bereits in den eigenen Reihen heranwachsen sieht.
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